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«Der Preis gibt mir Mut»

Der Rotary Club Meilen hat Lea Gottheil den Kulturpreis 2011 verliehen. Schon an der Kanti Küsnacht spielte die Autorin mit dem Gedanken, ein Buch zu schreiben.

Mit Lea Gottheil sprach Jérôme Stern Sie haben schon diverse Auszeichnungen für Ihren Debütroman «Sommervogel» erhalten, stört Sie der Erwartungsdruck auf Ihren zweiten Roman? Lea Gottheil: Nein, diese Preise geben mir Mut, zudem brauche ich einen gewissen Druck: Weil Schreiben eine sehr einsame Beschäftigung ist, bin ich sehr dankbar für diese Anerkennung. Natürlich kenne ich als Schriftstellerin die Angst, meine Leser zu enttäuschen; gerade darum gibt mir dieser Kulturpreis die Kraft weiterzuschreiben. Sie arbeiten Teilzeit in einer Buchhandlung, sind vor einem Jahr Mutter eines Sohnes geworden und engagieren sich noch in einer Schreibgruppe. Kommen Sie überhaupt noch zum Schreiben? Theoretisch habe ich zwei Schreibtage pro Woche, dann ist mein Sohn auch in der Kinderkrippe. Manchmal ist es allerdings wie verhext, und immer kommt etwas dazwischen. Andererseits tut sich manchmal ein Fenster auf, das nutze ich dann. Doch, ich komme noch zum Schreiben. Nur zum Lesen komme ich weniger als früher. Ihr Roman «Sommervogel» basiert auf der Lebensgeschichte von Lotte, einer Frau, die Sie im Altersheim getroffen haben. Kurz nach Ihrem zweiten Treffen ist Lotte gestorben. Was ist reale Lebensgeschichte, was ist Fiktion? Meine Gesprächsnotizen füllten fünf A4-Seiten, so hatte ich Anhaltspunkte über Lottes Familie, die damaligen Umstände und gewisse Charaktere. In diesen zwei Begegnungen erzählte sie mir enorm viel, das inspirierte mich sehr. Nach den Gesprächen recherchierte ich dann weiter, suchte mir Material über jene Zeit. Im Zürcher Oberland besuchte ich die Orte, die in der Geschichte eine Rolle spielten. So konnte ich ihre Geschichte weiterschreiben. Das Interview war ursprünglich ein Auftrag des Zürcher Literaturhauses und sollte lediglich 30 Seiten umfassen. Doch ich hatte bald das Gefühl, das würde Lotte und ihrer Lebensgeschichte in keiner Weise gerecht werden. Sie benutzte übrigens eine sehr bildhafte, literarische Sprache und schrieb selber wunderschöne Gedichte. Wann war für Sie klar, dass Sie Schriftstellerin werden? Ich war schon sehr früh an Literatur und Autoren interessiert. In meinem Elternhaus wuchsen wir mit vielen Büchern auf. Meine Mutter nahm mich schon als Fünfjährige in die Bibliothek mit – sie hatte mein Interesse wohl erkannt. Als Primarschülerin schrieb ich für mich selbst. Schriftstellerin zu werden, war schon damals mein heimlicher Wunsch, doch ich war mir nicht sicher, ob ich das schaffen würde. Als ich dann 2001 an der EB Zürich den Lehrgang literarisches Schreiben absolvierte, da wusste ich, dass ich diesen Weg gehe. Sie arbeiten in einer grossen Buchhandlung. Als Schriftstellerin müssen Sie sich da fühlen wie eine Feinschmeckerin im Schlaraffenland? (lacht) Ja, so fühle ich mich tatsächlich. Ich schätze die Arbeit sehr, weil ich dort viele neue Bücher entdecke. Man tauscht sich auch mit den Kollegen aus, das finde ich toll. Ich kaufe mir viele Bücher und nehme natürlich auch die Gratisexemplare der Verlage mit nach Hause. Ich glaube, ich bin eine gute Kundin in «meiner» Buchhandlung. Kommen Sie heute Nachmittag noch zum Schreiben? Ja, für eine Kurzgeschichte möchte ich noch das Ende schreiben. Ich habe den Schluss auch schon im Kopf. Allerdings darf ich noch nicht sagen, wo und wann sie veröffentlicht wird. Lea Gottheil wurde 1975 in Uster geboren und besuchte in Küsnacht die Kantonsschule. Sie ist verheiratet, Mutter eines einjährigen Sohns und lebt in der Stadt Zürich. Seit ihrer ersten Publikation 2005 wurde sie mit diversen Literaturpreisen ausgezeichnet, so war sie 2005 Gewinnerin des «Textes des Monats» des Zürcher Literaturhauses und erhielt im selben Jahr den Omanut-Förderpreis. Für ihren ersten Roman «Sommervogel» wurde sie mit dem Franz-Tumler-Publikumspreis 2009 und dem Buchpreis Hirzen 2010 ausgezeichnet. Am Mittwoch wurde Lea Gottheil vom Rotary Club Meilen der Kulturpreis 2011 verliehen. Die Auszeichnung erhielt sie für «ihre Affinität zur Sprache, ihre Kreativität und ihre poetische Aussagekraft als Schriftstellerin». (js) Lea Gottheil wurde für die poetische Aussagekraft ihrer Texte geehrt. Foto: Silvia Luckner

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