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Der Rocker, der Hanf und die Fehler in der Anklage

22 Monate bedingt verlangt die Bundesanwaltschaft für einen Hells Angel, der an einer illegalen Hanfplantage beteiligt war. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch.

Von René Lenzin, Bellinzona «Ich habe meinem Bruder 40 000 Franken geliehen, zunächst ohne zu wissen, wofür er das Geld brauchte.» Das sagte Alois B. gestern vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. Und: Später habe er seinem Bruder und dessen Gehilfen auch Tipps für die Hanfzucht gegeben. Zuvor hatte er lange abgestritten, dass er etwas mit jener Hanfplantage zu tun gehabt habe, die sein Bruder Toni vor acht Jahren in einer Lagerhalle im st. gallischen Buchs aufgezogen hatte. Erst kurz vor der Gerichtsverhandlung hat Alois B. ein Teilgeständnis angekündigt. «Ich weiss, dass ich mich strafbar gemacht habe», fügte er gestern an. Aber es sei nicht sein Projekt gewesen, sondern das seines Bruders. Toni B. ist im vergangenen Jahr verstorben.Zu einem ganz andern Schluss ist die Bundesanwaltschaft gekommen. Nach langen Jahren des Schweigens gebe Alois B. nun das zu, was er aufgrund der klaren Beweise nicht mehr abstreiten könne, sagte Fabienne Fauquex als Vertreterin der Anklage.Mit Protokollauszügen aus der Telefon- und Raumüberwachung glaubt sie nachweisen zu können, dass Alois B. nicht nur Ratgeber, sondern Mitinitiator, Financier und aktiver Partner an der Plantage war. Trotz einer teilweise missratenen und einer durch die Polizei vereitelten Ernte habe die Anlage in fünf Monaten einen Umsatz von 100 000 bis 200 000 Franken abgeworfen.Laut Fauquex hat der Angeklagte «einen wesentlichen finanziellen Beitrag zur langfristigen, gross angelegten, professionellen Aufzucht und Verarbeitung sowie letztlich dem Verkauf von hochpotentem Rauchhanf» geleistet. Wegen banden- und gewerbsmässiger Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz verlangte sie eine auf drei Jahre bedingte Haftstrafe von 22 Monaten. Nur aufgrund des langen Verfahrens fordere sie keine höhere und unbedingte Strafe. Falsche Zahlen Allerdings enthält die Anklageschrift einige Fehler und Verschreiber. So wird etwa die Dauer der Untersuchungshaft durch eine falsche Jahreszahl auf fast 13 Monate statt knapp drei Wochen beziffert – ein Tippfehler, der auch den TA zu einer Falschmeldung verleitet hat (Ausgabe vom Dienstag). Gestern wollte Fauquex zudem verschiedene Zahlen und Daten zum Hanfanbau korrigieren, doch auf Antrag der Verteidigung lehnte das Gericht diese kurzfristigen Änderungen ab.Zur Genugtuung von Viktor Kletzhändler, dem Anwalt von Alois B. Ohne diese Korrekturen könne sich der Sachverhalt gar nicht so abgespielt haben, wie ihn die Anklage schildere, sagte Kletzhändler. Daher lasse sich nicht beweisen, wann wie viel Hanf angebaut und geerntet worden sei. Zudem fehlten die Beweise für eine Beteiligung seines Mandanten über «zeitlich begrenzte Hilfsdienste auf Bitten seines Bruders» hinaus.Alois B., so sein Anwalt, habe sich daher bloss eines leichten Vergehens schuldig gemacht und sei aufgrund der Verjährung freizusprechen. Falls das Gericht die Verjährung nicht anerkenne, komme angesichts des überlangen Verfahrens höchstens eine bedingte Geldstrafe infrage.Der Prozess gegen Alois B. ist Teil des gross angelegten Verfahrens, welches die Bundesermittler 2003 gegen den Motorradklub Hells Angels eröffnet haben. Der ursprüngliche Verdacht der organisierten Kriminalität liess sich jedoch nicht erhärten. Von anfänglich 17 Beschuldigten sind 5 übrig geblieben. Im Fall von Alois B. wird das Bundesstrafgericht sein Urteil heute verkünden. Der Chef der Hells Angels Zürich mit Verteidiger Kletzhändler. Foto: Key

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