Der Schandfleck der Bahnhofstrasse

Die grosse Föhre auf der Pestalozziwiese sieht jämmerlich aus. Doch obwohl der Baum unheilbar krank ist, will die Stadt ihn stehen lassen.

Ein trauriger Anblick: Schief gewachsen und unheilbar krank, der Baumriese auf der Pestalozziwiese mit dem Globus im Hintergrund.

Ein trauriger Anblick: Schief gewachsen und unheilbar krank, der Baumriese auf der Pestalozziwiese mit dem Globus im Hintergrund. Bild: Lorenzo Petrò

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie steht an prominenter Lage in der Stadt Zürich, direkt an einer der teuersten Einkaufsstrassen der Welt: die grosse Föhre auf der Pestalozziwiese zwischen Globus und Bahnhofstrasse. Der schief gewachsene Baum neben dem Pestalozzi-Denkmal hat sich längst zu einem Wahrzeichen von Zürichs Mini-Central-Park entwickelt. Tausende Passanten laufen täglich an ihm vorbei.

Doch der einst stolze Baumriese ist alles andere als eine Schönheit: Mehr als die Hälfte seines Nadelkleids ist braun verfärbt, und die Äste sind stark ausgedünnt. Das gibt ein jämmerliches Bild ab mitten in der City, nicht nur für Zürcherinnen und Zürcher, sondern auch für die vielen Shopping-Touristen der teuren Einkaufsmeile.

Manche sprechen von einem «Schandfleck». Die Föhre sei eine schlechte Visitenkarte für die weltberühmte Bahnhofstrasse mit ihrer internationalen Kundschaft. Und: Wenn ein Baum in der Stadt krank sei, dann gehöre er gefällt.

Vorläufig kein Sicherheitsrisiko

Die Stadt Zürich sieht dies nicht so. Der Baum sei zwar «kein schöner Anblick», sagt Lukas Handschin, Sprecher von Grün Stadt Zürich, das zum Tiefbaudepartement von Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) gehört. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit bestehe aber keine unmittelbare Gefahr für Passantinnen und Passanten. «Deshalb fällen wir den Baum nicht, sondern lassen ihn stehen.»

Die Föhre, 1950 gepflanzt, leidet seit mehreren Jahren an einer Pilzkrankheit, dem Föhrentriebsterben. Bäume, die von einer solchen Krankheit befallen sind, weisen bräunliche Triebspitzen mit stark verkürzten Nadeln auf. Stark gefördert wird der Befall des Pilzes zum Beispiel durch Trockenheit, weshalb die hohen Temperaturen in den vergangenen Wochen der Zürcher Föhre zugesetzt haben dürften. Bislang sind zum Föhrentriebsterben keine Gegenmassnahmen bekannt.

Wie lange der Baum noch stehen bleibt, kann Lukas Handschin nicht sagen. Vorläufig darf er auf alle Fälle bleiben. Sein letztes Stündlein schlägt wohl bei der geplanten Umgestaltung der Pestalozziwiese. Aber das 4,5 Millionen Franken teure Projekt ist seit Jahren aus finanziellen Gründen sistiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.08.2017, 10:53 Uhr

Artikel zum Thema

Kahlschlag an Zürcher Seepromenade

Video Schluss mit Schatten am Ufer: 50 der 64 alten Bäume am General-Guisan-Quai müssen weg. Mehr...

Unterwegs mit dem Baumflüsterer

Alte Bäume soll man nicht verpflanzen, lautet eine Redensart. Und ob man das soll, findet Gärtnermeister Ueli Lamprecht aus Pfäffikon. Man muss nur wissen, wie das geht. Mehr...

Bangen um einen der ältesten Zürcher Baumriesen

Einer der wenigen Mammutbäume in der Stadt Zürich wird das nächste Jahr wohl kaum überleben. Die Bauarbeiten der neuen Limmattalbahn könnten sein Ende bedeuten. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

TA Marktplatz

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Polizei in Rosa: Demonstranten bewarfen die Ordnungshüter in Nantes (Frankreich) mit Farbe. (16. November 2017)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...