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Der Stararchitekt buchstabiert auf der Ufenau zurück

Die Naturschützer zwangen ihn in die Knie. Jetzt will Peter Zumthor auf der Ufenau ein weniger wuchtiges Restaurant bauen, das sich in die bestehende Gebäudegruppe einfügt.

Pfäffikon SZ. - Peter Zumthor kann Kompromisse nicht ausstehen. Er ist überzeugt, dass sich daraus «keine schönen Sinfonien schreiben lassen». Umso skeptischer war der Architekt, als er auf der Ufenau nochmals über die Bücher musste. Er fragte sich: «Kann ich einem Kompromiss eine Form geben? Ist es möglich, ein Thema zu variieren?» Zumthor tat es - «der wunderschönen Insel zuliebe». Und stellte gestern ein Restaurant vor, das nicht mehr als Solitär auf dem höchsten Punkt der Insel thront, sondern mit der alten Scheune und dem «Haus zu den zwei Raben» einen Dreiklang bildet. Zumthor ist zufrieden: «Es ist nicht schlecht herausgekommen. Kleiner, aber feiner.»

Der Solitär fand keine Gnade

Es lag an den Natur- und Heimatschützern, dass der Architekt zurückbuchstabieren musste. Die Einsprachefrist verstrich noch ungenutzt, als das Kloster Einsiedeln im Sommer 2006 Zumthors Pläne für die Ufenau ausschrieb. Einige Monate später protestierten der «Verein Ufenau ohne Neubau», die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und der kantonale und schweizerische Heimatschutz umso heftiger. Rekurse gingen ein. Die Fronten verhärteten sich. Dem ursprünglichen Projekt den Todesstoss versetzt hat im April 2007 die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK). «Die empfindliche Landschaft auf der Insel Ufenau erträgt keinen zusätzlichen Baukörper», hiess es in ihrem Gutachten. Insbesondere die strengen Bestimmungen des Moorschutzes erlaubten keinen Neubau.

Nach dem klaren Njet aus Bern zog das Kloster seine Pläne zurück. «Wir mussten wieder bei null beginnen», sagt Rudolf Späni, der die Projektgruppe Ufenau leitet. Vor allem machte das Kloster etwas, was es im ersten Anlauf versäumt hatte: Es holte fast alle Kritiker mit ins Boot. Zwei Jahre lang rangen Architekt, Bauherr, Verbände, Denkmalpfleger und zuerst auch die ENHK um eine Lösung. «Es waren schwierige Gespräche mit offenen Worten», sagt Abt Martin Werlen.

Für den Durchbruch sorgte Zumthor, als er bei einer Begehung der Expertengruppe den neuen Standort innerhalb der bestehenden Gebäudegruppe vorschlug. Der einzige Ort auf der Insel, an dem auch die mächtige ENHK einen rechtlichen Spielraum für einen Neubau sieht, wie sie dem Kloster mündlich und in einem Brief beschied. Denn die Ufenau ist gleich dreifach vom Bund geschützt - wegen ihres Ortsbilds, ihrer Landschaft und ihrer Moorlandschaft von nationaler Bedeutung.

«Unser neues Projekt wird allen Schutzzielen gerecht», ist Späni überzeugt. Es verschwinden unter dem Strich auf der Insel gar 10 Prozent der Bruttogeschossfläche. Die zwei alten Baugesuche hat das Kloster bereits zurückgezogen und bei der Gemeinde Freienbach vier neue eingereicht:

Neue Gastwirtschaft: Zumthor will auf der Insel Ufenau weiterhin ein «ländliches, unkompliziertes und heiteres» Restaurant bauen, das über eine schattige Gartenwirtschaft verfügt. Der Neubau selbst ist dreiteilig: Ein «Küchenstein» aus Stampfbeton beherbergt Küche, Technik und Nebenräume im Untergeschoss. Ein gläserner Saal bietet Platz für 86 Sitzplätze. Darüber liegt ein 438 Quadratmeter grosses Dach in Form eines Blattes, das weit über den Saal hinausreicht. Es ist nur noch 438 statt 544 Quadratmeter gross - minus 20 Prozent. Mit 4,7 Metern Höhe überragt es auch nicht mehr das «Haus zu den zwei Raben». Ursprünglich wollte Zumthor 6,5 Meter hoch bauen.

Renovation und Abbrüche: Das Barockhaus «Zu den zwei Raben» von 1680 wird fachgerecht saniert und zur Personalwohnung umgebaut. Der «hässliche Holzanbau von 1939» (Werlen) und kleinere Anbauten werden trotz Protesten von «Ufenau ohne Neubau» abgerissen. «Das will auch die Denkmalpflege», sagt der Abt.

Stall-Umbau: Um den 26 Rindern eine bessere Haltung zu ermöglichen und die Tierschutzbestimmungen zu erfüllen, wird der Weidstall umgebaut und erweitert.

Infrastruktur: Die Insel braucht eine neue Ver- und Entsorgungsanlage.

Zumthors zweiter Wurf kostet weniger als das erste 6-Millionen-Projekt. Obwohl die «Freunde der Ufenau» schon Millionen gesammelt haben, hat das Kloster noch nicht das Geld für alle Bauten beisammen. Eine grössere Hürde ist aber das neue ENHK-Gutachten, das der Kanton einholt. Späni: «Das wird matchentscheidend sein.»

Ein Restaurant östlich des Wegs, der die Insel quert, fand keine Gnade. Jetzt baut es Zumthor bei den alten Häusern.

VISUALISIERUNG PD Der Neubau mit grossem Dach fügt sich demütig in die Gebäudegruppe ein.

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