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Der stolze Hans Caspar Blattmann

Und warum er Johann Grubenmann, dem Architekturstar des 18. Jahrhunderts, zeigte, wie eine Kirche zu bauen sei.

Wädenswil - Es gibt dies Bild, es ist 1115 Millimeter lang und 850 breit. Es steckt in einem einfachen schwarzen Rahmen und zeigt den Wädenswiler Untervogt Hans Caspar Blattmann, wie er auf eine Darstellung der reformierten Kirche Wädenswil weist. Er lebte von 1716 bis 1786, der Bau der Kirche begann 1764, und aus dieser Zeit datiert auch das Ölbild. Es gehört noch immer jemandem aus der Familie Blattmann. Doch nicht mehr lange: Ab heute und bis Dienstag ist das Bild im Auktionshaus Schuler in Wollishofen zu besichtigen. Eine Woche später kommt es unter den Hammer.

Elisabeth Zürcher ist Expertin für Gemälde Schweizer Künstler bei Schuler. Sie hat den Wert des Bildes auf 2000 bis 2500 Franken geschätzt und sagt, den eigentlichen Wert habe das Gemälde als Dokument und nicht als Kunstwerk.

Denn es begab sich im Jahre 1760, dass die Kirchenbehörde befand, die verlotterte Wädenswiler Kirche aus dem Mittelalter gehöre durch einen Neubau ersetzt. Die Wädenswiler stimmten an der Gemeindeversammlung 1763 zu, man setzte sich mit dem Architekten der Stunde in Verbindung.

Der Appenzeller Baumeister Johann Ulrich Grubenmann war gerade en vogue. Er schuf elegante weitgespannte Holzkonstruktionen für Brücken und Dächer in der ganzen Schweiz. Er sollte die Kirche in Wädenswil bauen. Man gab ihm ein Budget von 16 000 Gulden.

Grubenmann zeichnete eine traditionelle Kirche mit Längsschiff - doch danach stand den Wädenswilern nicht der Sinn: Man wollte eine moderne Querkirche. Blattmann und andere zeichneten eigene Entwürfe. Der Baumeister ignorierte diese Skizzen, bis ihn die Kirchenmänner drängten, den Favoriten der Gemeinde zu bauen: Hans Caspar Blattmanns Entwurf.

Schliesslich gab der Appenzeller nach, und die Wädenswiler Kirche gilt heute als ein Hauptwerk seines Schaffens. Untervogt Blattmann liess sich stolz porträtieren - unüblich für einen Mann vom Lande im 18. Jahrhundert.

Elisabeth Zürcher fände es passend, wenn das Gemälde einen Käufer aus Wädenswil fände. Untervogt Hans Blattmann erreichte, dass die Wädenswiler Kirche 1764 so gebaut wurde, wie er es wollte. Deshalb liess er sich porträtieren. Foto: Sabine Rock

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