«Der Stromausfall war ein roter Teppich für die SRG»

Tele-Züri-Chef Markus Gilli spricht von einem GAU und sagt, Astrologin Madame Etoile habe den Stromunterbruch vorausgesagt.

«Wir haben notgedrungen die Übung abgebrochen»: Markus Gilli. Foto: Zürcher Unterländer

«Wir haben notgedrungen die Übung abgebrochen»: Markus Gilli. Foto: Zürcher Unterländer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Stromausfall in Zürich hatte Konsequenzen, die bis nach Bern, bis ins Bundeshaus reichten: Während eineinhalb Stunden ging bei der Liveübertragung der Bundesratswahlen von TeleZüri nichts mehr, «Sender down» hiess es auf der Website. Ein GAU für Chefredaktor Markus Gilli, der eigentlich durch die Wahlen führen sollte. Und erst noch einer, der von den Sternen vorausgesagt worden war.

Was war da los?
Alles lief wunderbar, da höre ich um kurz vor halb neun plötzlich auf dem Ohrhörer die Regie, die mir sagt, wir seien nicht mehr auf dem Sender. Zuerst habe ich an ein internes Problem in Bern gedacht. Dann aber die Nachricht: Stromausfall. Da unser Signal über die Verteilstation in Zürich läuft, konnten wir nicht mehr senden.

Und was macht man dann?
Zuerst habe ich weitermoderiert. Tele M1 und TeleBärn gehören ja auch zu uns, und ich hatte die Hoffnung, die beiden Sender seien nicht betroffen. Falsch gedacht. Wir haben notgedrungen die Übung abgebrochen und fieberhaft nach Alternativen gesucht. Unser technischer Chef ist momentan in Arosa am Arbeiten, er hat im Hotelzimmer versucht, das Problem zu lösen. Es ging hin und her, und je länger der Unterbruch dauerte, desto klarer wurde: Das ist ein GAU.

Gab es das so noch nie?
Nicht in zwanzig Jahren! Und dann trifft es ausgerechnet diesen einen Tag. Es hätte nicht dümmer kommen können.

Mit einem schwarzen Bildschirm ist es schwierig, die Zuschauer zu halten.
Wir haben alles versucht. Getwittert, wir waren auf Facebook, haben Pushs rausgeschickt. Aber schon klar: Der Stromausfall war ein roter Teppich für die SRG. Wenigstens waren wir pünktlich zurück zur Ersatzwahl von Eveline Widmer-Schlumpf. Stellen Sie sich vor, wir hätten diese Wahl verpasst. Da wäre alle unsere Vorbereitungsarbeit umsonst gewesen.

Wie soll so ein Missgeschick künftig verhindert werden?
Im Moment hilft die Wahrscheinlichkeitsrechnung: Wenn ein Flugzeug abstürzt, ist die Chance klein, dass am nächsten Tag erneut eines abstürzt. Lustig war ja, dass Astrologin Madame Etoile die Schwierigkeiten vorausgesehen hatte. Der Merkur sei rückläufig, bemerkte sie im «AstroTalk» vor einer Woche, warnte vor technischen Problemen, die dadurch auftauchen könnten.

Die gleiche Frau sah auch Thomas Aeschi als neuen Bundesrat in den Sternen voraus.
Da lag sie offensichtlich falsch. Aber eine Trefferquote von fünfzig Prozent ist ja auch nicht schlecht.

Der 60-Jährige Markus Gilli ist Chefredaktor der TV-Sender der AZ Medien. Dazu gehören TeleZüri, TeleBärn und Tele M1. Auf TeleZüri moderiert er den «SonnTalk» und den «TalkTäglich».

Erstellt: 10.12.2015, 07:39 Uhr

Artikel zum Thema

Die grosse Entspannung

Ein Defekt in einer Anlage des Zürcher Elektrizitätswerks hat am Mittwoch 21'000 Stromanschlüsse zwischen Hauptbahnhof und Höngg lahmgelegt. Mehr...

Stromausfall: 21'000 Anschlüsse betroffen

Ein grosser Stromausfall legte grosse Teile von Zürich lahm. Trams standen still, Zehntausende waren ohne elektrische Energie. Nun fliesst der Strom wieder. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Ausstellungseröffnung: «Schatten»!

Mit einer Auswahl von fast 140 Werken zeigt die Ausstellung «Schatten» in der Hermitage 500 Jahre Kunstgeschichte.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Auf Händen getragen: Eine handgeschnitzte Statue der Jungfrau Maria wird anlässlich des Fests zu Ehren der «Virgen del Carmen» durch die andalusische Stadt Málaga geführt. (16. Juli 2019)
(Bild: Daniel Perez / Getty Images) Mehr...