Der Turm kommt doch noch zum Stehen

Einst wurde sie an einer Gemeindeversammlung in Wald abgeschossen. Nun hat der Stadtrat von Uster einen Platz für die Skulptur von Jürg Altherr gefunden.

Bald wird der Turm stehen. Für den Plastiker Jürg Altherr kommt die gute Nachricht allerdings zu spät. Er ist vor kurzem gestorben. Foto: Tom Kawara

Bald wird der Turm stehen. Für den Plastiker Jürg Altherr kommt die gute Nachricht allerdings zu spät. Er ist vor kurzem gestorben. Foto: Tom Kawara

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Endlich hat der Turm des Zürcher Künstlers Jürg Altherr eine Bleibe gefunden. Das schrieb der TA Anfang September 2014. Jetzt könnten wir den Satz tel quel wiederholen: Endlich hat der achtzehn Meter hohe Turm von Jürg Altherr eine Bleibe gefunden. Er wird voraussichtlich ab Frühling 2019 auf dem Zeughausareal in Uster aufgestellt. Dies ist der Antwort des Ustermer Stadtrates auf eine Anfrage von Balthasar Thalmann (SP) zu entnehmen.

Zwischen den beiden Meldungen sind vier Jahre vergangen. So lange lag der 12-Tonnen-Koloss, der für einen schwerelosen Spitzentanz gemacht ist, wie ein gefällter Baum beim Zeughaus Winikon in Uster. Zuvor war er auf einem Parkplatz bei der Empa in Dübendorf zwischengelagert, noch früher setzte er beim Bahnhof Wald Moos an. Die Odyssee des Turms

Nur einmal konnte er kurz seine Wirkung entfalten, nachdem er auf dem Zwicky-Areal in Fällanden probehalber aufgestellt worden war. Der schimmernde Turm balancierte von zwölf Seilbündeln gehalten auf seiner Spitze. Wenn ein Windstoss ihn erfasste, wiegte er sich, wurde aber durch das Eigengewicht und die ihn austarierenden Ketten im Gleichgewicht gehalten.

Vier Jahre lang Standorte geprüft

Es handelt sich um ein Schlüsselwerk des Plastikers und Landschaftsarchitekten Jürg Altherr. Bereits Anfang der 80er-Jahre hat er Modelle davon angefertigt. Dreissig Jahre später wurde das Werk im Auftrag des Architekten Hannes Strebel umgesetzt. Es sollte zum Wahrzeichen der zu einer Wohnsiedlung umgenutzten Weberei Hueb in Wald werden. Doch wurde es in einer turbulenten Gemeindeversammlung abgeschossen.

2014 schenkte Hannes Strebel das 300 000 Franken teure Kunstwerk der Stadt Uster, diese zeigte sich hocherfreut. Weshalb lag es denn nun vier Jahre im Staub? Der Stadtrat habe verschiedene Standorte auf dem Stadtgebiet geprüft und diese jeweils aus unterschiedlichen Gründen verworfen, schreibt er in seiner Antwort auf die Anfrage. Dort steht auch, dass der Turm nur befristet, maximal fünf Jahre, auf dem Zeughausareal stehen bleiben könne, denn dort ist ein Kulturzentrum geplant.

Und danach? Es sei eine Projekteingabe für einen definitiven Standort im Gebiet Loren in Bearbeitung, heisst es. Der TA fragt in vier Jahren nach. Für Jürg Altherr kommt die Nachricht, dass der Turm mindestens für ein paar Jahre zum Stehen kommt, allerdings zu spät. Er ist in diesem Juni, 73-jährig, gestorben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.11.2018, 08:32 Uhr

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