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Der Zauberer und seine Lehrlinge

Mit Frack und einer Nelke im Knopfloch verzaubert René Schenkel aus Kloten Gross und Klein. Einen Zaubertrick verrät er – oder ist auch das nur ein Trick?

Zaubermeister René Schenkel (links) bringt Fritz Grob ein Zauberstück bei.
Zaubermeister René Schenkel (links) bringt Fritz Grob ein Zauberstück bei.
Christoph Kaminski

Die Papierfetzen eines zerrissenen «Tages-Anzeigers» liegen auf dem Tisch. René Schenkel legt sie zwischen seine Hände, pustet einmal drauf – und schon hält er eine ganze Doppelseite der Tageszeitung in den Fingern. Das verdutzte Gesicht der Journalistin quittiert der Zauberer mit einem breiten Lächeln. Wie hat er das bloss gemacht?

Der 44-Jährige betreibt seit über 22 Jahren den Magic Zylinder in Kloten und bietet regelmässig Zauberkurse an. An den Wänden in seinem Geschäft hängen unzählige Requisiten: Karten, Bälle, Zauberstäbe und das rote Tuch mit der hängenden Kugel. Schenkel fordert Fritz Grob, einen der Kursbesucher, auf, das Zauberstück Butterfly vorzuführen. Etwas verkrampft nimmt der Zauberlehrling das Tuch in die Hand. Unter Anweisung seines Meisters hebt und senkt er dieses vorsichtig. Gleichzeitig schwebt die silberne Kugel schwerelos vor dem Tuch auf und ab und hin und her.

Publikum will es wissen

Grob ist seit drei Jahren Zauberlehrling und beherrscht inzwischen über 130 Tricks. «Die Zauberstücke werden immer anspruchsvoller», sagt der 49-Jährige aus Schwerzenbach. Angefangen hat alles vor drei Jahren. Seine Frau hat ihm auf den Geburtstag einen Gutschein vom Magic Zylinder geschenkt. «Bereits nach dem ersten Kursabend hat mich die Zauberei verzaubert», sagt Grob. Für die Kunststücke brauche es vor allem Geschicklichkeit. Damit ein Zaubertrick perfekt gelinge, müsse jeder Handgriff bis ins kleinste Detail sitzen.

Grob hat in seinem Beruf mit Erwachsenen zu tun, die in einer schwierigen Lebenssituation sind. Er habe mit einem Zaubertrick schon so manche Situation ein Stück weit lösen können. Zum Beispiel dann, wenn er mit den Fingern ein Seil durchschneide. «Das verdeutlicht, dass es für alles eine Lösung gibt, auch wenn es im ersten Moment aussichtslos erscheint.» Seine Zaubertricks führt er vor seinen Vereinsfreunden, seinen Arbeitskollegen und vor der Familie auf. «Meine Schwiegermutter verlangt nach jeder Vorstellung, dass ich ihr das Geheimnis eines Tricks verrate.» Doch das werde er bestimmt nie machen.

Erste Tricks als Zehnjähriger

Gefragt sind auch die Künste des Meisters persönlich. Vor allem um die Weihnachtszeit werde er oft von Firmen, Vereinen und Familien angefragt, sagt Schenkel. Besonders beliebt sei die Tischzauberei. Dabei kann er das Publikum in seine Zauberkünste einbeziehen. «Das macht den Leute sehr grossen Spass.»

Als Zehnjähriger hat René Schenkel seine ersten Zaubertricks gelernt. Und zwar von einem Gast, der täglich ins Restaurant seiner Eltern in Glattbrugg kam. Von diesem Gast hat Schenkel nicht nur die Kunststücke gelernt, sondern auch gleich dessen Künstlernamen Umberto übernommen.

Zaubertricks werden nie verraten

Schenkel nimmt ein Kartenspiel und fordert die Journalistin auf, sich eine Karte zu merken. Er legt die Karten zurück in eine Papiertüte. Mit einem kurzen Strick fischt er die gewählte Karte heraus. Ein Rätsel, wie er das gemacht hat. Um die Neugier der Journalistin zu stillen, sagt er am Ende des Kursabends: «Einen Trick verrate ich Ihnen.»

Der Zauberer nimmt eine Tafel zur Hand. Auf der einen Seite prangen drei schwarze Punkte, auf der anderen fünf. Durch unauffälliges Abdecken einzelner Punkte mit der Hand kann der Zauberer die Anzahl ganz einfach manipulieren. «Klar, ganz einfach», denke ich mir. Weit gefehlt. Mit raschen Bewegungen dreht Schenkel nun die Tafel, und es scheint, als ob sich die Punkte bei jeder Drehung vermehren würden. Eine optische Täuschung? «Ein Zaubertrick wird niemals verraten», sagt Zauberkünstler Umberto und lächelt.

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