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«Die Abfallkiste ist für Kinder eine Schatztruhe»

Seit zehn Jahren ist Claudia Bischofberger auf der Suche nach einem Standort für ein Kindermuseum &endash auch im Bezirk Meilen. Resignieren will die Zumiker Künstlerin und Werklehrerin nicht. Dafür ist ihr die Kunst zu wertvoll.

Mit Claudia Bischofberger sprach Anna Moser Ich sehe, wie das Künstlerische bei vielen Kindern verkümmert. Den Lehrern fehlt immer mehr die Zeit dafür &endash bei den meisten ist es damit getan, einmal Mandalas zu malen oder ein bisschen über Keith Haring und Paul Klee zu reden. Aber wenn Kinder nicht darin gefördert werden, hören sie ab etwa elf Jahren auf mit der bildnerischen Auseinandersetzung. Sie sagen: «Das kann ich nicht.» Ganz am Anfang suchten wir noch keinen Standort, da hatten wir einfach noch unser Mobiles Museum Sammelsurium. Dann wurden Stimmen laut, die sagten, es brauche einen festen Standort. Räume sind offenbar wichtig für potenzielle Geldgeber. Die sagen uns, ein mobiles Museum bringe zu wenig Prestige. Sie wollen etwas Sichtbares, wo sie auch mit der Firma oder mit Gästen vorbeikommen können. Oft hören wir auch: «Wenn ihr grösser wärt, würden wir schon Geld geben . . .» Genau, denn wir bräuchten ja zuerst Geld, um grösser zu werden. Ein grosszügiges Legat ermöglichte uns vor einigen Jahren, die mobilen Angebote mit Kunstworkshops für Kinder zu verschiedenen Themen auszubauen. Unterdessen sind die Mittel aber geschrumpft. Wir laufen auf Sparflamme und haben die zehn Jahre gerade noch geschafft. Kultur ist eben nicht selbsttragend. Nein, die Stadt kann ja auch nicht zaubern. Ich freue mich umso mehr, dass Stadtrat Gerold Lauber an unserem Jubiläumsfest redet. Wir bleiben also im Gespräch. Auch dass wir für zwei Jahre hier im Schulhaus Kern sein dürfen, ist ein Geschenk &endash im wörtlichen Sinn. Um mir das Leben zu finanzieren, gehe ich hin und wieder als Handarbeits- und Werklehrerin vikarisieren. In den Schulhäusern erlebe ich immer wieder, wie die Kinder Vorurteile haben gegenüber anderen Kulturen. Manchmal spielen sie das Spiel «Ich hasse den, wen hasst du?». Dann sage ich jeweils: «Hört auf, wir sind doch alles Weltenbürger!» Es sollte keine Rolle spielen, woher jemand kommt. Da scheint Kulturaustausch angezeigt, um Verständnis füreinander zu schaffen. Erfinderisch zu bleiben, statt dem Kaufrausch zu verfallen, finde ich wesentlich. Es gibt so viele Alltagsgegenstände, die man umwandeln und wieder gebrauchen kann &endash wie Picasso mit seinen «Objets trouvés». Viele Kinderzimmer sind mit Spielzeug völlig überladen. Aber wenn ich im Kreativatelier meine Abfallkiste hinstelle, wühlen die Kinder darin wie in einer Schatzkiste. Da entdecken sie etwas. Da sind sie Er-Finder. Das Ausgleichen und Balancieren, die Harmonie im Ablauf. Die Bewegung eines Mobiles soll sich immer weiterziehen, etwa in den Farben. Das fasziniert mich am Herstellen von Mobiles &endash aber unterdessen habe ich keinen Platz mehr und produziere nicht weiter. Es sind nicht nur Leute aus Zumikon, die bei uns ausstellen. Unser Konzept sieht aber vor, dass wir Leute mit einer künstlerischen Ausbildung ausstellen und nicht Hobbykünstler. Alle drei Jahre dürfen sie wiederkommen &endash sodass die Galerie Milchhütte gewissermassen ihre «Stammkünstler» hat. Zum Glück nicht! Vor zwei Jahren hatten wir ein Projekt mit Jugendlichen: Sie gestalteten Postkarten zum Thema «Mis Zumike», die anschliessend prämiert und ausgestellt wurden. Und gerade jetzt plane ich mit dem Freizeitzentrum eine «Engelwerkstatt» für Kinder: An zwei Samstagen im Dezember malen und gestalten sie ihre individuellen Engel, die sie nachher in der Milchhütte stehen lassen dürfen. So habe ich im Kleinen doch mein Kindermuseum. Die 57-jährige Claudia Bischofberger ist im Engadin aufgewachsen, stammt aber aus einer Küsnachter Familie. In Zürich besuchte sie die Kunstgewerbeschule und arbeitete anschliessend als Werklehrerin am Kindergartenseminar und an der Diplommittelschule der Kantonsschule Riesbach. Von dieser Tätigkeit zog sie sich zurück, als ihr Mann, der Kunstmaler Bruno Bischofberger, schwer erkrankte. Er starb 2006. Im Jahr 2001 hat Claudia Bischofberger die Stiftung Kinder- und Jugendmuseum mitbegründet, die sie bis heute präsidiert. Bis 2011 hatte sie ein Mandat in der Schweizerischen Unesco-Kommission inne. Daneben arbeitet Bischofberger als freischaffende Künstlerin und Co-Leiterin der Galerie Milchhütte in ihrem langjährigen Wohnort Zumikon. Sie hat eine 22-jährige Tochter. (amo)

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