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Die besten Brandstifter kommen aus Horgen

Das Humanitas fertigt aus WC-Rollen, Wachsresten und Holzwolle Cheminée-Anzünder. Sie sind so begehrt, dass sie selten am Lager sind.

Aus der Region für die Region (6) Humanitas Horgen Der «Tages-Anzeiger» stellt seit dem 28. Juli in unregelmässigen Abständen Produkte aus der Region am linken Zürichseeufer vor, die bei Grossverteilern schweizweit verkauft werden. Die von der Humanitas Horgen gefertigte Weinkiste mit Zündrollen steht bei den St.-Georg-Kellereien im Regal. Dieser Weinhändler verfügt in der Schweiz über 18 Filialen. Zudem sind die Weinkisten seit kurzem auch in Rio-Getränkemärkten zu kaufen. Humanitas Horgen ist eine Stiftung, die sich um die Förderung von geistig behinderten Menschen im Bezirk Horgen kümmert. Sie vertreibt ihre Erzeugnisse aber nicht nur über Getränkehändler, sondern hat einen eigenen Internetshop (www.humanitashorgen.ch). Dort gibt es zum Beispiel neun Zündrollen in einem Kistchen für 14.50 Franken zu kaufen. Gleichenorts kann auch die Weinkiste gekauft werden. Sie ist für 43 Franken zu haben. Mit diesem Beitrag wird die Serie «Aus der Region für die Region» fortgesetzt. Bisher sind im TA folgende Beiträge erschienen: «Heute gefangen, morgen in der Pfanne (28. Juli), «Fünf Stiche mit dem Zahnstocher in jede von Tausenden Gurken» (18. August), «Monsieur Mikhail plant den Angriff aufs Aromat» (26. August), «In Streulis Weingarten wachsen 2000 Flaschen» (31. August), «Sie hat sich mit Bärlauch-Teigwaren einen Namen gemacht» (16. Oktober). (mor) Von Nicola Brusa Horgen – Hans, auf einem Bauernhof in Schönenberg aufgewachsen, hat schon so manches Scheit gespaltet. Da kommen ihm die Täferabschnitte gerade recht, die zerkleinert er mit links, in Serie und in einem Höllentempo. Natürlich habe er auch schon das eine oder andere Mal einen Finger «gepreicht» – aber nicht der Rede wert, findet Hans. Erwähnenswert hingegen: Als das kleine Beil am Stiel zu wackeln begann, reparierte er es kurzerhand selber, trieb einen Keil aus Täferholz zwischen Eisen und Stiel, das hält. Hans fertigt Anfeuerholz, das ebenso zum wohl erfolgreichsten Produkt der Humanitas-Werkstatt in Horgen gehört wie die Feueranzünder. Die Idee ist aus der Not geboren. Vor gut zwei Jahren drohte der Werkstatt die Arbeit auszugehen. Erika Chresta, die Leiterin der Industrieabteilung, und Lieni Schuler, der Leiter der Schreinerei, setzten sich zusammen und entwickelten die Feueranzünder: WC-Rollen werden mit Holzwolle gestopft und mit Wachs getränkt, die fertigen Rollen in zwei Teile gesägt. So brennen sie gegen sieben Minuten – das reicht lange, um jedes Kaminfeuer, jeden Holzkohlegrill anzufachen. Wie Frühlingsrollen backen Dann ergab eines das andere: Einer der Humanitas-Schreiner fertigte sich ein Holzkistchen, um die Feueranzünder stilvoll zu verschenken. Das wiederum sah der Chefeinkäufer der Eichhof – er war sofort Feuer und Flamme und sprach in Horgen vor. Man entwickelte gemeinsam die Verpackung für Wein, eine für eine Flasche, eine für zwei. Heute kommt die Werkstatt mit dem Fertigen der Weinkistchen kaum mehr nach: Jeden Monat verlassen hundert Stück die Werkstatt, jedes A bis Z in Handarbeit gefertigt.Übers Internet vertreibt die St.-Georg-Kellerei das Humanitas-Produkt in der ganzen Schweiz, in ihren 18 Filialen steht die Geschenkverpackung ebenso in den Regalen. Seit kurzem gibt es die Geschenkpackungen mit Feueranzünder auch in den Rio-Getränkemärkten zu kaufen. Es sei eine gute «Büez», sagt Rico Huber, der Leiter der Humanitas-Werkstatt. Gut, weil der Gruppenleiter nichts machen muss, die Behinderten ihre Arbeiten selbstständig ausführen und dann und wann die Stationen wechseln können. Jemand stopft die Rollen mit Holzwolle, jemand taucht sie in Wachs – im Jargon Frühlingsrollen backen –, jemand teilt die fertigen Rollen an der Bandsäge, jemand räumt sie in die Holzkistchen, die ebenfalls in der Werkstatt zugesägt und zusammengenagelt werden. Und Hans spaltet im Akkord die Täferabschnitte. Die von Humanitas Horgen gefertigten Weinkisten mit Zündrollen finden immer schnell einen Abnehmer. Foto: Silvia Luckner

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