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Die Brabeck-Logik geht nicht auf

Schweizer Manager klagen über «populistische» Politik, TA vom 5. 9.

In die Bananenrepublik. Da gibt es eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise, hervorgerufen durch falsche Anreizsysteme im Finanzsektor, die das Eingehen von hohen Risiken mit Millionen-Boni förderten. Trotzdem spricht Nestlé-Präsident Brabeck am «Tag der Wirtschaft» im Zusammenhang mit der Aktienrechtsrevision davon, dass «populistische Gesetzesänderungen in die Bananenrepublik» gehörten. Die Entschädigungs- und Bonuspolitik ist bekanntlich nicht nur bei den Schweizer Gesetzgebern ein Thema, sondern weltweit. Kompetentere Leute als Brabeck haben erkannt, dass es Leitlinien gegen die «Abzockerei» braucht, damit in Zukunft nicht mehr weltweit Volkswirtschaften systemrelevante Banken trotz verantwortungslosem Geschäftsgebaren mit Milliarden vor dem Kollaps retten müssen. Falsch ist zudem seine Bemerkung, die Volksinitiative gegen die Abzockerei möchte die Managersaläre beschränken. Diese Initiative verlangt mehr Aktionärsdemokratie, wozu die verbindliche Abstimmung über die Entschädigungen des Managements gehört.

BRIGITTA MOSER-HARDER, HÜNTWANGEN

«Managerismus». Es ist höchst verräterisch: Sobald sich unsere selbstgerechten Wirtschaftskapitäne (heissen sie nun Brabeck, Vasella oder Grübel) mit einer moralisch oder ethisch fundierten Kritik und einer darauf folgenden Reaktion der Politik konfrontiert sehen, schreien sie reflexartig und unisono: «Populismus!» Dass eine im Volk aufkommende Empörung und ihre allfälligen politischen Konsequenzen auch durchaus mal gerechtfertigt sein könnten, ist im eindimensional-profitorientierten Weltbild dieser Herren undenkbar und bringt laut Nestlé-Chef Peter Brabeck die Marke Schweiz in Verruf. Moralische Kriterien schädigen demnach das nationale Renommee. Wie wärs, wenn man diese Logik als «Managerismus» brandmarken würde? Weiteres Zitat aus dem erwähnten Artikel: «Populistische Gesetzesänderungen gehören in die Bananenrepublik», so Brabeck. Ist mir neu. Bananenrepubliken werden in der Regel von Despoten regiert, die kaum je daran denken, auf Grund von Anliegen der Bevölkerung irgendwelche Gesetze (falls überhaupt vorhanden) zu ändern. Deshalb würden sich solche Republiken eigentlich als ideale Standorte für die Firmen der betreffenden Wirtschaftskapitäne eignen.

MARCUS TSCHUDIN, BASEL

Nur 1.30 Franken. Gemäss Amnesty

International und der Weltbank muss mehr als jeder fünfte Mensch auf dieser Erde mit einem Franken und dreissig Rappen pro Tag auskommen. Ein Leben in absoluter Armut! Fast die Hälfte der Weltbevölkerung muss mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen. Die meisten Menschen leiden Hunger, haben keine Schulbildung, leben in erbärmlichen Hütten, verfügen über kein Geld für Arztbesuche usw. - Szenenwechsel: Der ehemalige Nestlé-CEO Brabeck empfing über Jahre ohne Skrupel einen «Lohn», dessen Summe einen zweistelligen Millionenbetrag aufweist - und findet es billigen Populismus, dass die horrenden Bonuszahlungen und Löhne in der Finanzetage kritisiert worden sind und eventuell (!) beschränkt werden sollen. Was ist das für eine Moral? Welches Recht nehmen sich Brabeck und Co. da heraus? Wie lange noch lässt unsere Welt solche Ungerechtigkeiten und Ungeheuerlichkeiten zu?

JÜRG FRICK, MÄNNEDORF

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