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Die Bücherregale entrümpelt

Der Bücher-Bring-und-HolTag in Russikon war nicht primär zum Entsorgen alter Bücher gedacht. Dennoch wurden ziemlich viele Staubfänger abgegeben.

Von Beatrice Jung Russikon – Seit Jahren führt die Bibliothek Russikon Anfang November einen Bring-und-Hol-Tag durch. Der Aufruf verhallte auch heuer nicht ungehört. Die Russiker schleppten am Samstag ihre ausrangierten Bücher in Bananenschachteln, Migros-Säcken und Pampers-Boxen in die Bibliothek. Dort bemühte sich Bibliotheksleiterin Sabine Högger fortlaufend, die Lektüre zu sortieren und in den bereitgestellten Schachteln den Lesefreudigen zu präsentieren. Ladenhüter Jugendbuch Bei manchem Buch weiss Högger aus Erfahrung, dass es keinen neuen Abnehmer finden wird. «Kinder- und Jugendbücher gehen ganz schlecht», sagt sie. Gefragt seien Koch- und Gartenbücher, teilweise auch Bildbände über ferne Länder und Bücher in Englisch. Die heimlichen Champions aber sind Jahr für Jahr die altbekannten Silva-Bücher. «Wir haben Sammler im Dorf, bei denen sind diese Bücher sehr begehrt.» Unter den abgegebenen Büchern mag sich die eine oder andere Trouvaille befunden haben, das geschulte Auge der Bibliothekarin erkannte aber schnell, dass es sich dieses Jahr «eher um eine Entsorgungsaktion handelt». Hoffnungslos veraltete Reiseführer, EDV-Handbücher längst überholter Programme und unansehnliche Bücher mit zerschlissenem Rücken fanden keine neuen Abnehmer. Für grosses Gelächter unter den anwesenden Bücherwürmern sorgte ein grüner Einzahlungsschein in einem Buch. Und heiteres Rätselraten setzte ein, ob das Buch überhaupt jemals bezahlt worden sei. Gewichtsprobleme scheinen in Russikon ein Fremdwort zu sein. Obschon Kochbücher zu den begehrteren Objekten gehörten, interessierte sich niemand für das Buch mit dem verheissungsvollen Titel «Die schnelle Schlankmacherküche». Auch das «Hausbuch für die deutsche Familie» in altdeutscher Schrift erwies sich nicht ganz unerwartet als Ladenhüter. Aus Platzgründen muss die Russiker Bibliothek jedes Jahr zehn Prozent ihres Medienbestandes ausscheiden. Ein Teil der Bücher lässt sich jeweils an einem Markt im Dorf verkaufen. Doch wohin mit dem Rest? Weil einer Bibliothekarin nichts mehr wehtut, als Bücher zu vernichten, entstand die Idee, einen Bring- und-Hol-Tag ins Leben zu rufen. Am Samstag ermunterten die zwei anwesenden Bibliothekarinnen die Leute, nicht nur Bücher zu bringen, sondern auch welche mit nach Hause zu nehmen. Manchmal mit Erfolg. «Da mistet man zu Hause aus und kehrt nachher mit beinahe so vielen Büchern wieder heim», klagte eine Mutter vielsagend. Bücher für Südafrika Was am Samstag nicht wegging, erhält eine einwöchige Gnadenfrist und verbleibt in der Bibliothek. Danach wird es entsorgt. Die Bibliothekarinnen sind ständig auf der Suche nach Abnehmern für ausrangierte Bücher. Nur zu gerne würden sie die Schmöker einer wohltätigen Organisation vermachen. Ein Projekt, das im Moment noch nicht ganz ausgereift ist, existiert. Eine Schweizer Schule in Südafrika hat Interesse bekundet. «So könnten wir wenigstens die Jugendbücher vor der Kehrichtverbrennung bewahren», sagt Sabine Högger hoffnungsvoll.

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