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Die Endlager-Gegner sprechen von undemokratischem Vorgehen

Die Pläne der Nagra stossen in den betroffenen Zürcher Regionen auf Widerstand.

Von Beat Metzler Der gestrige Nagra-Entscheid betrifft den Kanton Zürich besonders stark. Sechs der zwanzig vorgeschlagenen Standorte für Oberflächenanlagen liegen auf Kantonsgebiet, fünf weitere knapp hinter den Grenzen. Alle Zürcher Standorte befinden sich in den Regionen Zürich Nordost und Nördlich Lägern. Hier prüft die Nagra auch, ein Endlager für radioaktive Abfälle zu erstellen. Der Bau einer Oberflächenanlage würde einen starken Eingriff in die Landschaft bedeuten: Eine Anlage benötigt den Platz von rund zehn Fussballfeldern, das grösste Gebäude erreicht eine Höhe von 25 Metern. Die vorgeschlagenen Zürcher Gebiete sind entweder ehemalige Kiesgruben oder Landwirtschaftsflächen. Oft liegen sie ausserhalb der Dörfer, meist an Waldrändern. Von den Wohnsiedlungen aus sind sie deshalb gemäss Nagra «kaum einsehbar». Eine Ausnahme bildet Marthalen, wo die Oberflächenanlage direkt neben Bahnhof und Gewerbezone zu stehen käme. Hier würde sie das Ortsbild mitprägen. «Eine sekundäre Diskussion» Endlagergegner aus beiden Regionen äusserten gestern scharfe Kritik. Vor allem das Vorgehen der Nagra, zuerst die Oberflächenanlagen und erst dann den Standort für das Endlager zu bestimmen, kommt schlecht an. Von «Salamitaktik» spricht Jean-Jacques Fasnacht aus Marthalen, Co-Präsident von Klar! Schweiz, einer Anti-Endlager-Gruppierung. Das aufwendige Verfahren und die «sekundäre Diskussion» über Oberflächenanlagen ermüde die Bevölkerung. So versuche die Nagra, schleichend und undemokratisch die Akzeptanz für ein «Atommülllager» herzustellen. Zuerst müsse die Nagra das Endlager lokalisieren und erst dann die Oberflächenanlage, heisst es auch bei den Gegnern aus dem Unterland. Die Oberflächenanlage sollte direkt über dem Tiefenlager liegen. Das jetzige Vorgehen verunmögliche diese sicherste Lösung. Dass man Anlagen unter den Flugschneisen plane, sei unverantwortlich. «Das Risiko eines Flugzeugabsturzes auf sensible Bereiche und einer Freisetzung radioaktiver Stoffe ist zu hoch.» Ähnliche Kritik äussert die SP Weinland. Der Waldshuter Landrat Tilman Bollacher fordert, dass die deutschen Gemeinden mehr Mitsprache im Planungsverfahren erhalten sollen. Drei mögliche Standorte grenzen an Deutschland. «Niemand reisst sich darum» Zurückhaltender tönt es bei den betroffenen Gemeinden und Regionalkonferenzen. Die Nagra habe stets über ihre Schritte informiert. «Unsere Fachgruppen werden die Vorschläge aber kritisch prüfen», sagt Andrea Weber von der Regionalkonferenz Nördlich Lägern. «Die parallele Standortsuche ist sinnvoll», findet Martin Farner, FDP-Kantonsrat und Präsident des Gemeindepräsidentenverbandes Bezirk Andelfingen. Entschieden sei noch nichts, man befinde sich am Anfang eines langen Prozesses. «Niemand reisst sich um ein Endlager oder eine Oberflächenanlage. Aber wenn bei uns die sichersten Bedingungen herrschten, wäre die Zustimmung ein nationaler Auftrag», sagt Farner. Positiv bewertet das Verfahren die Pro-Endlager-Gruppierung Forum Vera Nördlich Lägern. Die frühe Bekanntgabe ermögliche es, Vor- und Nachteile für die Region eingehend zu prüfen.

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