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Die ganz Mutigen machen das Päckli

Meldungen von Hunden, die Menschen attackieren, schrecken auf. Eine Hunden eher abholde TA-Mitarbeiterin hat einen Kurs besucht, in dem Kinder richtiges Verhalten gelernt haben.

Stäfa. - Trotz oder auch wegen meiner Abneigung gegen Hunde bin ich hierhergekommen. «Keine Angst vor Hundebegegnungen» heisst die Veranstaltung für Kinder ab 4 Jahren, die vom Eltern-Kind-Verein in Stäfa angeboten wird. Als ich an diesem bewölkten Samstagnachmittag beim Haus des Vereins in Stäfa ankomme, blickt mich das riesige Gesicht eines Berner Sennenhundes aus einem Auto heraus an. Einen grossen Bogen um das Auto schlagend, trete ich in den Garten. Die Kinder sitzen auf den Terrassenstufen und hören gebannt zu. Francine Lüssi, die seit 12 Jahren ihre eigene Hundeschule leitet, erklärt ihnen, was zu tun ist, wenn ein Hund auf sie zurennt. «Stillstehen, still sein, Hände runter und wegschauen» lautet der Merksatz mit den vier wichtigsten Verhaltensregeln. Ob sich wohl ein 4-jähriges Kind daran hält, wenn ein Hund bellend auf es zurennt?

Es wird laut gelacht, als eine der drei Hundetrainerinnen ein Kind spielt, das sich mal richtig und mal falsch verhält, während Lüssi die Reaktion des Hundes mimt. Erst wird also ohne richtiges Tier geprobt, was wichtig ist: nicht davonrennen, ruhig stehen, keine fremden Hunde anfassen und sich ihnen nicht nähern. Dann verkleidet sich Lüssi als Wooly Woof: mit einer schwarzen Nase, einer Art dicken Felltopflappen und einer Mütze aus Fell. Nicht allen Kindern gefällt die Hundeattrappe, Nuggi und Kuscheltuch kommen zum Einsatz. Die Kinder sollen Fangis spielen, man hört einiges «nein, ich will nicht!», und dann, wenn Wooly kommt, heisst es: stillgestanden, Hände an die Hose, Blick in den Himmel.

Das Schulprogramm «Prevent a bite» möchte so den Kindern das korrekte Verhalten bei Hundebegegnungen antrainieren. Viele der Eltern haben ihre Kinder für das Programm angemeldet, weil sie selbst Angst vor Hunden haben, an Spazierwegen wohnen, wo oft Hunde vorbeilaufen, oder weil die Kinder sich der Gefahr nicht bewusst sind, wenn sie fremde Hunde streicheln. Viel zu oft ist die Rede von Unfällen mit Hunden, da kann man allein vom Lesen der Zeitung Panik bekommen. Natürlich ist es wichtig, nicht nur die Hundehalter und die Hunde selbst zu trainieren und zu kontrollieren, sondern auch die statistisch am meisten betroffene Gruppe unserer Gesellschaft: die Kinder. Deren natürliche Reaktion auf einen Hund, der spielen will, ist genau die falsche, nämlich wegrennen und um Hilfe rufen. Um die Kleinen zu schützen, gibt es das Projekt «Prevent a bite».

Nach einer Viertelstunde Pause, welche die Kinder zum Spielen genutzt haben, kommen die richtigen Hunde. Schlagartig wird es still, ehrfürchtige Blicke, der kleine Blonde verzieht das Gesicht. Drei sind es, der Berner Sennenhund von vorher, der 7 Jahre alt, und bei näherem Hinsehen zwar gross, aber gar nicht furchteinflössend ist. Ein kleinerer, der auch als Therapiehund dient, und der Hund von Francine Lüssi, ein Belgischer Schäfer. Alle haben eine jahrelange Ausbildung hinter sich, mussten in einer Prüfung beweisen, dass sie selbst in kritischen Situationen nicht aggressiv werden und sind alte Hasen, was den Unterricht betrifft.

Zuerst zeigt Lüssi den Kindern die Zähne ihres Hundes. Dann wiederholen die Kinder das, was sie vorher gelernt haben: stillstehen, still sein, Hände runter, wegschauen. Auch die «Päckli-Haltung» wird geübt; mit gefalteten Händen im Nacken still und kompakt auf dem Boden einkugeln und nicht bewegen. Die ganz Mutigen lassen auch die Hunde um sich herumlaufen. Am Schluss wird das richtige Streicheln geübt: Nicht tätscheln, das mögen ja auch wir Menschen nicht gerne, sondern weich und langsam. Die Kinder und die Hunde geniessen es sichtlich. Meine Bedenken gegenüber Hunden sind zwar durch die vielen Warnungen und Vorsichtsregeln nicht verschwunden. Wichtiger ist jedoch, dass den Kindern, die Hunde ja meistens mögen, eingeschärft worden ist, nicht jedem Fido oder Barry zu vertrauen.

Francine Lüssi gibt mit schwarzer Nase und Fellmütze den bösen Wooly Woof.

Sich kompakt einkugeln und nicht bewegen ist ein mögliches Verhalten, wenn ein Kind von einem Hund bedroht wird.

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