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Die Hohe Frau trägt Violett

Die Kilchbergerin Regula Zweifel ist Präsidentin der Frauenzunft und wird am Sechseläuten vor allen Zunftmeistern laufen. Zum letzten Mal.

Kilchberg - Grossen Schrittes schreitet Regula Zweifel über das Parkett und dreht sich um die eigene Achse. Ihr prunkvolles Gewand wallt, schwingt, fliegt. Sie lacht, nicht aus Verlegenheit, sondern aus Freude. Zum ersten Mal trägt sie ihr neues Gewand. «In diesem Kleid spüre ich das Würdevolle der Hohen Fraumünster-Frau», sagt die 60-jährige Kilchbergerin. Seit November bekleidet sie dieses Amt und wird am Montag als höchste Frauenzünfterin den Sechseläutenumzug quasi anführen. Symbol für ihren Status ist der Kronenhut, darunter der Schleier, der die Haare bedeckt. «Obwohl es nicht so scheint, ist das Kleid bequem.»

Über dem orangen «Roc», einem Unterkleid aus Seide, trägt sie eine bestickte violette «Surkot», ein ärmelloses Kleid mit sieben Knöpfen. Als einzige der Fraumünster-Frauen eine in Violett, der Farbe für die Gleichstellung von Frau und Mann. Und diese hat die Gesellschaft zu Fraumünster so gut wie erreicht: Anfang Jahr wurden die Frauen eingeladen, 2011 im offiziellen Umzug der Zünfte mitzugehen (siehe Text unten). Heuer laufen sie noch 15 Minuten vor den Männern, mit einer Demonstrations- statt einer Umzugsbewilligung wie die Männerzünfte.

Vermittlerin von Kulturgut

Für die Kulturhistorikerin Regula Zweifel ist diese Einladung der logische Schritt in der 21-jährigen Geschichte der Frauenzunft. Nach der Pionierphase mit vielen Kämpfen hätten sie in den letzten Jahren ihre Standhaftigkeit beweisen müssen. Mit den Neujahrsblättern über bedeutende Frauen, Mittelaltermärkte und Theater hätten sie gezeigt, dass ihnen daran liege, das Kulturgut der Frauen in einem historischen Kontext weiterzugeben. «Erfolgreich», sagt Zweifel, «sodass wir jetzt in einem nächsten Schritt integriert werden.»

Wieder und wieder stolziert Zweifel grossen Schrittes durch den Raum. Sie hebt ihren «Roc» und zeigt die feinen, braunen Lederschuhe. «Schön, nicht?» Einst von Bally nach dem Modell eines Äbtissinnenschuhs aus dem Landesmuseum gefertigt, werden sie heute in Handarbeit in Italien hergestellt.

Dass Regula Zweifel ihre 57 Äbtissinnen und Stiftsdamen durch diese neue Phase führt, passt zur Mutter zweier Kinder. Sie ist nicht die typische Frauenrechtlerin, sondern eine, der als ehemaliger Vizedirektorin des Landesmuseums vor allem der kulturelle Hintergrund am Herzen liegt. Und eine, die von der Erscheinung her gut mit den Zunftmeistern mithalten kann. Die Pflege des Kulturguts war es denn auch, was sie zur Frauenzunft brachte. Nach dem Tod ihres Vaters, eines leidenschaftlichen St.-Niklaus-Zünfters, wurde ihr bewusst, dass die Tradition in ihrer Familie mit drei Töchtern nicht mehr weitergeführt würde. «Deshalb wurde ich vor eineinhalb Jahren Zünfterin», sagt Zweifel. Doch als richtige Zünfterin will sich Zweifel nicht verstanden wissen. «Wir sind keine Zunft, sondern eine Gesellschaft mit Frauen aus den verschiedensten Berufssparten», sagt sie, «wir haben zwar eine Zunftstube im Hotel Baur au Lac, das Trinken hat aber keinen hohen Stellenwert.» Da wird sie auch ihre Rede halten, mit Bezug auf Nidwalden, worüber sie mit Leidenschaft recherchiert hat. «Und eigentlich sind wir Frauen ja prädestiniert dazu, am Sechseläuten mitzulaufen, schliesslich überreicht man ja Frauen traditionellerweise Blumen», sagt Zweifel und schwebt davon.

Weiterer Bericht Seite 21 Mit Regula Zweifel kommt Bewegung in die Frauenzunft. Foto: Patrick Gutenberg

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