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Die Kirche Weisslingen wird 500 Jahre alt

Die Holzdecke der Kirche Weisslingen stammt noch aus den Ursprungsjahren. Eine Zeit, in der die Kirche sagte, wo es langgeht.

Weisslingen. - Die Kirche Weisslingen wird dieses Jahr 500 Jahre alt. Das feiert die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde mit einer Veranstaltungsreihe, die am Samstag von Ruedi Reich eröffnet wurde. Der Kirchenratspräsident der Zürcher Landeskirche schilderte das entbehrungsreiche Leben und die Religionsvorstellungen vor einem halben Jahrtausend. Die Zeit zwischen 1480 und 1490, als in Weisslingen der Bau einer Kirche geplant wurde, sei eine sehr bewegte Zeit gewesen. Zum einen sei es zu Auseinandersetzungen zwischen den Zürchern und den Eidgenossen gekommen, zum anderen seien Krankheiten wie die Pest eine ständige Bedrohung gewesen.

Geradezu unmenschlich erscheinen aus heutiger Sicht die drakonischen Strafen. «Für einen einfachen Diebstahl gab es die Todesstrafe», führte der Kirchenratspräsident aus. «Viele Menschen waren tief verunsichert und suchten in der Religion Halt. Die Kirchenbauten sind ein Zeichen davon: Ab 1480 entstanden im Züribiet die schönsten spätgotischen Kirchen, etwa jene in Pfäffikon, Mönchaltorf und Turbenthal.» Laut Reich sind einige spätgotische Kirchen gerade wegen der Reformation bis heute erhalten geblieben. «Es begann eine neue Zeit, in der das Bauen von Kirchen nicht mehr so wichtig war. Unter Leitung der Kirche wurde die Volksschule gegründet. 1525 schaffte Zürich die Leibeigenschaft ab.»

Erst im 18. Jahrhundert habe man sich im Kanton Zürich wieder dem Kirchenbau zugewendet. Allerdings wäre das Prunkstück der Weisslinger Kirche - die kunstvoll geschnitzte Holzdecke - im Jahr 1882 beinahe einer Renovation zum Opfer gefallen. Da die Restauration der aus dem Jahr 1509 stammenden Holzdecke die Gemeinde teuer zu stehen gekommen wäre, sollte sie durch eine Gipsdecke ersetzt werden. Doch zum Glück konnten ein Staatsbeitrag vom Kanton und die Überzeugungskraft eines Professors verhindern, dass es dazu kam.

Mittelalterliche Musik

Dank Christoph Peter bekamen die Besucher einen Eindruck, welche Musik im Mittelalter und der Renaissance gespielt wurde. Der Theilinger spielte auf verschiedenen Dudelsäcken, einer flämischen Schäferpfeife, einer Magdeburger Schaforgel und einem Gämshorn. «Früher war der Dudelsack in ganz Europa weit verbreitet», erklärte Peter. «Auch in der Schweiz tanzten die Leute viele Jahre lang zu Dudelmusik - bis die Handorgel den Dudelsack im 19. Jahrhundert ablöste.»

Auch Gemeinderätin Marianne Friederich blickte zurück. Früher erliess die Kirche allgemeingültige Gebote und Verbote. «Müssen wir der Vergangenheit nachtrauern?», fragte sie die 50 Anwesenden. Ihre Antwort war ein klares Nein. Dabei bezog sie sich nicht nur auf den weniger beschwerlichen Alltag und die bessere Gesundheitsversorgung. «Was unsere Werte betrifft, sehe ich nicht so schwarz wie andere», fuhr sie fort und sagte mit Überzeugung: «Wir haben uns weiterentwickelt. Oder könnt ihr euch vorstellen, dass heute einer sagt, was man am Sonntag darf und was nicht und dass dann alle gehorchen?»

Am 23. September geht es weiter mit der Veranstaltungsreihe: Pfarrer Jochen Eber referiert über «Leben und Glauben am Vorabend der Reformation». Am 21. Oktober beschäftigt sich die Kunsthistorikerin Regine Abegg mit den spätgotischen Flachschnitzfriesen an der Kirchendecke Weisslingen und in anderen Zürcher Landkirchen. Auf den spätmittelalterlichen Kirchenbauboom geht am 28. Oktober der Winterthurer Historiker Peter Niederhäuser ein. Am 30. September findet ein «Streifzug durch Orte christlichen Lebens» von Theilingen nach Weisslingen mit Robert Widler, Jürg Gilly und Daniel Rüegg statt.

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