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Die Kunst, aufzuräumen

Am Donnerstagabend präsentierte Ursus Wehrli im Thalwiler Kulturraum die Liveversion seiner Bücher «Kunst aufräumen».

Thalwil - Ursus räumt auf. Ob Matisse, Klee oder Brueghel - kein Künstler ist sicher vor dem Ordnungsdrang des selbst ernannten «Scher-Holders». Akkurat werden die Werke der Meister in ihre Einzelteile zerlegt, um die Teile dann fein säuberlich nach Farbe, Form und Grösse zu ordnen. Selbst die Partitur von Mozarts «Für Elise» und Goethes Gedicht «An den Mond» müssen sich dem Ordnungsdiktat unterwerfen.

Was entsteht, wenn Ursus Wehrli Kunst aufräumt, ist Kunst und Komik zugleich. Dies erklärt auch den grossen Erfolg, den seine Idee bei Kunstliebhabern und -hassern gleichermassen verzeichnen kann. Sein 2002 erschienenes Buch «Kunst aufräumen» wurde rasch ein ordentlicher Bestseller, sodass zwei Jahre darauf der Folgeband «Noch mehr Kunst aufräumen» erschien. Live schaffte er bereits an der TED-Konferenz in Kalifornien und an mehreren Orten in Deutschland und der Schweiz Ordnung im artifiziellen Bereich.

Drastische Aufräum-Methoden

Die Tour führt den aus Ursus & Nadeschkin bekannten Kabarettisten «trotz fehlendem Flughafen» in den Kulturraum Thalwil. Vor ausverkauftem Haus präsentiert er seine ordentlichen Kunstwerke. Da gibt es «Joan Miró nach Feng Shui», «Keith Harings Ersatzteillager» und den leer gefegten Dorfplatz von Brueghel zu sehen. Sein spielerischer Umgang mit Kunst ermöglicht dem Zuschauer eine neue Sichtweise auf die ungeordneten Originale.

Bei einigen Bildern muss der Pedant Wehrli zu drastischen Methoden greifen, um dem herrschenden Chaos den Garaus zu machen. So verbannt er die Farbkleckser eines Bildes Jackson Pollocks kurzerhand in fünf Farbdosen. Aus Van Goghs Sonnenblumen (Öl auf Leinwand) entsteht Wehrlis «Sonnenblumenöl in Flasche».

Ursus wäre nicht Ursus, wenn er nicht auch an der Sprache kräftig herumschnipseln würde. Mit grosser Kunstkenntnis und viel Liebe zum Detail spielt der Wortakrobat mit den Namen berühmter Künstler. Ein Gedicht Goethes wird in die einzelnen Wörter aufgelöst und in alphabetischer Reihenfolge vorgetragen.

Trotz der Scherze über Sinn und Unsinn von moderner Kunst ist klar, dass hier ein Kunstfreund am Werk ist. Dies scheint auch das Publikum zu spüren. Die gut einstündige Vorstellung wird immer wieder von Applaus und Lachern unterbrochen. Mit seiner lockeren Art sorgt Wehrli auch bei den Zuschauern für aufgeräumte Stimmung. Am Ende werden drei seiner Bilder zusammen mit den Originalen in einer Art Auktion versteigert. Die recht hohen Beträge zeigen, wie sehr Wehrlis Aufräum-Kunst geschätzt wird. Da soll noch einer behaupten, Aufräumen sei keine Kunst.

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