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Die Kunst kennt keine Subventionsgrenzen

TheaterdebatteDie etablierten Bühnen und freien Gruppen befruchten einander gegenseitig. Von Alexandra Kedves Das Stadttheater gehört abgeschafft, fordern kluge Köpfe der freien Szene. Sie hoffen, dass so mehr Leben in die Theaterlandschaft kommt – und mehr Subventionen bei den Freien landen (TA vom Mittwoch). Dass die Repräsentanten der grossen Bühnen dagegenhalten, versteht sich von selbst. Der Streit ist in der Not entbrannt: Bei knappen Mitteln muss auch am Theater gespart werden. Aber wo und bei wem genau? Wer macht die beste Kunst und verdient am meisten Unterstützung? Ist die Grenzziehung zwischen «frei» und «etabliert» überhaupt noch zeitgemäss? Und was heisst eigentlich Stadttheater-Ästhetik? In Deutschland – lange das Stadttheater-Eldorado schlechthin – stehen viele der öffentlichen Häuser, etwa die traditionsreichen Wuppertaler Bühnen, aus finanziellen Gründen vor dem Aus. Manchmal wird die Rettung in einem Zusammenschluss gesucht. Aber eine grosse Fusion von fünf ostdeutschen Bühnen ist soeben auf Eis gelegt worden. Man will die Vielfalt, den lokalen Bezug und die Kleinteiligkeit erhalten. Auch im föderalistischen Helvetien blühen die unterschiedlichsten Bühnen. Und seit der – mehr oder weniger unfreiwilligen – Entdeckung der freien Szene in den Achtzigern, als diese sich Räume und Subventionen erkämpfte, wird der kreative Input der Off-Künstler gerne aufgegriffen. Heute ist es gar nicht so einfach, strukturell und ästhetisch eine Demarkationslinie zwischen «frei» und «etabliert» auszumachen. Unbeschränkte Möglichkeiten Zum einen gehören die Immobilien der Freien meist der öffentlichen Hand; und die freien Gruppen werden ebenso unterstützt wie ihre Häuser – wenn auch mit deutlich weniger Geld als ein Theaterdampfer wie das Schauspielhaus Zürich. Zum anderen sind die freien Gruppen auch auf den städtischen Bühnen präsent: Rimini Protokoll etwa hat zig Aufführungstermine an Stadttheatern. Zudem gibt es kantonale Bühnen wie das Theater Aarau Tuchlaube, die mit ihren Programmen sehr auf Freie setzen; oder Bühnen, die mit ihrer Infrastruktur die Chance ergreifen, die grosse weite Welt hereinzuholen wie das Theater Winterthur. Es wäre schade, auf diese Art öffentlich unterstützter Offenheit zu verzichten. Nicht überall muss immer das regionale Kunstschaffen vertreten sein, dessen Sprengkraft beachtlich ist, wo aber auch viel Angestrengt-Abgedrehtes entsteht. Die Stadttheater mit eigenem Ensemble und Infrastruktur wiederum haben die Möglichkeit, den wilden Kreativen Kunsträume zu öffnen, die es sonst so nicht gibt. Hier gilt: Stadttheater ist nicht gleich Stadttheater! Was in Zürich oder Basel passiert, lässt sich mit St. Gallen oder Bern nicht über einen Kamm scheren. Ein Christoph Schlingensief, Stefan Pucher, René Pollesch, Zürcher Gäste alle drei: Sie alle haben dem Stadttheater viel geschenkt, was sie ohne Stadttheater gar nicht hätten verwirklichen können. Viele der spannendsten Arbeiten entstehen heute an vermeintlich verschnarchten Häusern. Genieklau durchs Stadttheater? Bitte gern! Es wäre verkehrt, die eine Seite gegen die andere auszuspielen (zumal von «Seiten» nicht mehr die Rede sein kann): Hauptsache spielen. In der Vielfalt liegt die Chance zum theatralen Glücksfall. Viele der innovativsten Stücke werden heute in Stadttheatern erarbeitet und gezeigt. Foto: Thinkstock

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