Die letzten Minuten von Flug LX 3597

Ein neuer Film über den Flugzeugabsturz von Bassersdorf zeigt, wie es dazu kommen konnte. Zehn Jahre danach wurde der Unfall aufgearbeitet.

Absturz des Crossair-Jumbolinos bei Bassersdorf: Damals starben 24 der 33 Insassen.

Absturz des Crossair-Jumbolinos bei Bassersdorf: Damals starben 24 der 33 Insassen. Bild: ZU

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Die Nebelwand öffnet sich, und vor den Augen des Flugkapitäns sind nur noch Bäume zu sehen. «Go-around!», ruft er. Doch sein Versuch, die Maschine hoch zu reissen, kommt zu spät. Sie kracht in den Wald, bricht durch das Geäst und fängt Feuer.

Die Szene stammt nicht etwa aus einem Actionfilm. Sie zeigt anschaulich die letzten Minuten des Crossair-Flugs LX 3597, der am 24. November 2001 auf tragische Weise auf einem Hügel bei Bassersdorf endete. Fast zehn Jahre danach hat der nordamerikanische TV-Sender National Geographic Channel den Unfall in seiner Dokumentarreihe «Air Crash Investigation» aufgearbeitet.

Von Girl-Group gestört

Die Bilder des Absturzes haben die Produzenten am Computer rekonstruiert, professionelle Schauspieler mimen die Piloten. Doch es kommt auch ein «echter» Überlebender zu Wort: Er erzählt, wie er seinen Sitzplatz gewechselt hat, weil ihn Sängerinnen einer Girl-Group gestört haben. Und wie er wohl nur dank des Sitzwechsels in den hinteren Teil der Kabine überlebt habe.

Der Gemeindepräsident von Nürensdorf, Franz Brunner, hat das Flugzeug als Letzter in der Luft gesehen. Für die Filmaufnahmen ist er noch einmal mit seinem Hund spazieren gegangen, um zu schildern, wie er an jenem Abend den orangen Himmel über dem Waldstück gesehen hat. «Mir war es wichtig, meine Erinnerungen möglichst sachlich und wahrheitsgetreu wiederzugeben», sagt Brunner. «Sogar der Hund, mit dem ich spazieren ging, ist noch derselbe.»

«Nahe an der Realität»

Die Faktentreue, mit der die Produzenten an die Aufgabe gingen, war auch für Daniel Knecht ausschlaggebend, sich im Film zitieren zu lassen. Er ist Ermittler beim Büro für Flugunfalluntersuchungen (BFU) und hat bei der Aufarbeitung des Crossair-Absturzes mitgewirkt. «Die Darstellungen im Film sind nahe an der Realität und so gemacht, dass sie der uneingeweihte Laie verstehen kann», sagt Knecht. Der Film zeige auch, welche Fehler begangen wurden – und warum.

Hans-Peter Graf, ehemaliger Mitarbeiter des BFU, bringt im Film die politische Komponente ins Spiel. Ohne die Vereinbarung mit Deutschland, ab 22 Uhr nicht mehr von Norden her anfliegen zu dürfen, hätte der Pilot erst gar nicht die Piste 28 angesteuert. Diese war damals noch nicht mit dem Instrumentenlandesystem (ILS) ausgerüstet. Doch die Experten im Film sind sich einig: Der Kapitän hätte den Anflug abbrechen müssen.

Erstellt: 26.03.2011, 00:10 Uhr

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