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Die Lobbyistin und ihre Nein-Sager

Gesehen & Gehört Seit fast 20 Jahren vertritt Gabi Petri die Grünen im Kantonsrat. Eher selten ergreift sie das Wort und hält mehr oder weniger einleuchtende Voten – nichts Aussergewöhnliches im Vergleich zu ihren 179 Ratskollegen. Und doch hebt sie sich von diesen in einem Punkt ab: Keine beherrscht das Lobbyieren so wie die VCS-Chefin. Um ihre Ziele zu erreichen, ist ihr jeder Kooperationspartner recht. Zum Beispiel im Kampf gegen den Justizapparat, an dessen Spitze in Zürich Regierungsrat Markus Notter (SP) steht. * Gestern hat Petri in diesem Kampf mit dem Nein zum PJZ einen historischen 89:82-Sieg errungen. Mindestens fünf der sieben Siegpunkte hat sie persönlich beschafft. «Ich habe die massgebenden Leute motiviert, ihre Stimmkraft richtig wahrzunehmen», meint sie vielsagend. Massgebend waren die Freikirchler in der EDU. Dort hat Katholikin Petri als Erstes angeklopft, nachdem Hans Egli am 30. August im TA bekannt gegeben hatte, er und seine Partei tendierten zum Ja. Petri versorgte darauf die EDU mit den «nötigen Unterlagen». Und siehe da: Egli wurde mit vier seiner fünf Fraktionskollegen zum Nein-Sager. Auch der Fünfte, Stefan Dollenmeier, wollte gestern zuerst Nein stimmen. Ihn verliess aber der Mut, und er konnte sich nur zur Stimmenthaltung durchringen. * Aktiv war Petri auch bei den Grünliberalen. Besonders Sorgen machte ihr Luca Rosario Roth, ihr Verbündeter aus der Justizkommission. Ausgerechnet am entscheidenden Tag hätte Roth in den Ferien weilen sollen. Gestern Morgen sass er dann überraschend doch im Saal. Nach Petris Seelenmassage ist er am Wochenende extra aus dem Baltikum nach Hause geflogen, um im Rathaus auf Platz 86 den Nein-Knopf zu drücken. Unterdessen ist der Winterthurer Kulturmanager wieder an der Ostsee und hofft, dass sich bis zu seiner regulären Rückkehr einige Sponsoren für die Unkosten der Reise finden lassen. In die Spenderliste wird sich – «wenn nötig» – auch Petri eintragen. * Beschenkt wurde auch die Grünliberale Michèle Bättig – aber nicht für ihr Nein. Von Ratspräsident Gerhard Fischer konnte sie stellvertretend für ihren gut drei Monate alten Sohn Felix Emanuel einen Züri-Leu entgegennehmen. Das Stofftier soll im Kinderbett für politische Wärme sorgen. Auch Bättig ist nicht zufällig gestern so früh aus dem Mutterschaftsurlaub zurückgekehrt. Ob Petri nachgeholfen hat, sagte Bättig nicht. Wie wichtig der gestrige Tag im Kantonsrat war, zeigt die Präsenzliste. Nur drei waren abwesend. Bei der SVP fehlte Bruno Grossmann wegen eines beruflichen Termins – seine Absenz war von Fraktionschef Hans Frei bewilligt, «weil es auch ohne Grossmann reichte». Bei der SP fehlte Gewerkschafterin Hedi Strahm (Mutterschaftsurlaub) und Physikerin Rosmarie Joss, die eine wichtige private Verpflichtung hatte. Fraktionschef Raphael Golta, dem Petris Kampfgeist offensichtlich abgeht, hat die beiden nicht zum Kommen überredet, «weil sie am Endresultat ohnehin nichts geändert hätten». * Vor der Pause ist im Rat immer «Chropfleerete». Da können die Fraktionen durchgeben, was ihnen auf den Nägeln brennt. Gestern war das Mitteilungsbedürfnis gross. Erst bedankte sich der Grüne Ralph Margreiter mit bissigem Unterton für das halbgültige GLP-Referendum zum Steuerpaket, dann ärgerte sich Gabriela Winkler (FDP) über die Bürokratie bei Tankstellenshops. Heinz Kyburz (EDU) verlangte mehr Demonstrationsfreiheit für Abtreibungsgegner, und Eva Torp (SP) sorgte sich um die Medienvielfalt. Schliesslich wetterte Sek-Lehrer Matthias Hauser (SVP) gegen die Bildungsbürokratie. Und zwar so lange, bis ihn Ratspräsident Gerhard Fischer ermahnte, sich vorschriftsgemäss kurz zu halten. Etwas unfreundlicher sagte es in der Pause Claudio Zanetti (SVP): «Ihr Lehrer könnt euch einfach nie kurzfassen.» In der schriftlichen Form hatte die SVP-Erklärung dann plötzlich auf einem A4-Blatt Platz– aber nur weil Hauser eine Schriftgrösse gewählt hatte, für die man eine Lupe braucht.Daniel Schneebeli Michèle Bättig, GLP. Hans Egli, EDU. Gabi Petri, Grüne. Luca R. Roth, GLP.

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