Die Nonnen dürfen heim

Nach zwei Jahren Exil können die Klosterfrauen von Fahr in ihre Zellen zurück. Dem TA zeigten sie, wie sie wohnen.

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Die 20 Klosterfrauen von Fahr wohnten in den letzten zwei Jahren gleich doppelt im Exil. Weil ihr Wohntrakt im barocken Benediktinerkloster saniert und restauriert werden musste, zogen sie in die Gebäude ihrer ehemaligen Bäuerinnenschule – und vom Kanton Aargau in den Kanton Zürich. Die Klostergebäude liegen nämlich auf Aargauer Boden, die vom Kloster bis 2013 direkt neben dem Kloster betriebene Bäuerinnenschule im Züribiet. Priorin Irene Gassmann sprach gestern vor den Medien denn auch von einer «bewegten Zeit». Auch im eigentlichen Sinne: «Wir Schwestern pendelten zwischen Kloster- und Schulgebäude und überquerten mehrmals täglich die Kantonsgrenze.»

Heute können die Nonnen zurück in ihre Zellen, und gestern zeigten sie den Medien, wie sie wohnen, bevor der Zutritt in den privaten Bereich für Aussenstehende wieder verboten ist. Denn das Kloster Fahr ist ein geschlossenes Kloster mit Klausur. Architekt Castor Huser hatte keine einfache Aufgabe, galt es doch, die Bedürfnisse der Klosterfrauen mit den Anforderungen der Denkmalpflege abzugleichen. Auch waren hochspezialisierte Handwerker vonnöten, um die geräumige Klosteranlage so in die Gegenwart zu führen, dass «Alt und Neu sich zu einem Ganzen verbinden», wie es ­Isabel Haupt, die zuständige Denkmalpflegerin, ausdrückte. «Dies ist aus denkmalpflegerischer Sicht aufs Beste gelungen», schloss sie.

Freude und Neugier

Es wurde deutlich, dass es sich bei dieser Renovierung für alle Beteiligten um eine aussergewöhnliche Arbeit handelte. Toni Weiss von Vögeli Holzbau ­erzählt, wie spürbar die Freude und Neugier der Klosterfrauen immer gewesen sei. Und Claudio Fontana von der Rapperswiler Werkstatt für Malerei ­Fontana & Fontana musste allein in der Klausur die Anforderungen von 57 Raumbereichen immer neu beurteilen. Es kam zum Aufstand der Schwestern, weil man erst die Zellen wie bisher in einem dunkelgrünen Ton halten wollte. Und als die Klosterfrauen ziemlich spontan vorschlugen, die Weberei in den ehemaligen Estrich zu verlegen, stand nicht nur Architekt Huser, sondern auch der zugezogene Bauphysiker am Berg. Für alles gab es eine Lösung, die Termine wurden eingehalten – die Kosten von 11 Millionen Franken für die vier Jahre dauernde erste Etappe der Sanierung der grossen Klosteranlage auch.

Und wie wohnen nun die zwanzig Nonnen? «Schon fast etwas luxuriös», findet Priorin Irene. Aus dem Brünneli in den etwa 18 Quadratmeter grossen Einzelzellen fliesst neu auch warmes Wasser, Etagendusche und Toiletten sind teilweise behindertengängig. Und die Zimmer sind in hellen Farbtönen gehalten. «Wir kehren sehr gerne heim», sagt Priorin Irene. Auch in die Gebäude der Bäuerinnenschule wird wohl bald wieder Leben einkehren: Eine Schule wird voraussichtlich für drei Jahre als Zwischennutzerin einziehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.11.2016, 19:04 Uhr

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