Zum Hauptinhalt springen

Die Retter des Radsports bezwingen die Buchenegg

150 Höhenmeter auf 2,9 Kilo-meter, das ist die Buchenegg-Ostwand. Hier befindet sich das Réduit des Radsports.

Langnau. - Das Kriterium von Horgen gibt es nicht mehr, weil die Sponsoren fehlen. Das Radquer Wädenswil wird voraussichtlich aus den gleichen Gründen dieses Jahr ausfallen. Die Organisatoren der Züri-Metzgete vom Sonntag klagten, dass sie für das Breitensport-Rennen keine 1000 Teilnehmer zusammenbrachten. Dem Radsport geht es schlecht, und alle bekommen es zu spüren.

Nein, nicht alle.

Der Radsport lebt, doch im Verborgenen. Oliver Schramm aus Thalwil sagt: «Hier wollten 450 Fahrer teilnehmen, aber ich musste die meisten abweisen.» Er ist der Organisator des international-legalen Bergzeitfahrens auf die Buchenegg. Der Anlass ist schnell gewachsen: 2005 standen 26 Fahrer am Start, heuer sind 121 eingeschrieben - neue Teams werden nicht mehr zugelassen, damit das Bergzeitfahren seinen ungezwungenen, alternativen Charakter behält.

Die Sponsoren unterstützen das Rennen für wahre Velohelden: Am Ziel stehen fünf Fässer von Bier Paul, Traktor hat kistenweise Fruchtsaft gestiftet, der Gabentisch ist gedeckt, und im Zürcher El Lokal werden sich die Fahrer zu Freibier und Gratis-Penne treffen, wenn alles vorüber ist.

Doch noch steht alles bevor.

Oliver Schramm, der das Rennen vor fünf Jahren aus der Taufe gehoben hat, steht neben seinem Bruder Wolfgang, der seit fünf Jahren die Zeit misst. Schramm geht wie immer als Erster ins Rennen. Es ist halb zehn Uhr an einem sonnigen, herbstlich-kühlen Sonntagmorgen. Heute wird der Streckenrekord mehrmals unterboten werden.

Aber das ist nicht das Wichtigste.

Das Wichtigste ist der Berg und dass man ihn bezwingt. Ob man nun in 9:15 Minuten oben durch die Lichtschranke fährt wie dieser Velokurier, der den bisherigen Rekord von 9:41 Minuten pulverisiert. Ob man 14:01 Minuten braucht wie der Autor dieser Zeilen oder etwas über 35 Minuten wie Moritz Wolf, der trotz einer Kinderlähmung sein 24 Kilogramm schweres Dreirad durch die Ostwand der Buchenegg wuchtet - im steilsten Stück der 2,9 Kilometer langen Strecke ist jeder auf sich selbst gestellt.

Etwa ab Kilometer 1,2 zieht der Berg an, wie die Rennfahrer sagen. Ab hier geht der Blick nach innen. Wie fühlen sich die Beine an? Wie schnell schlägt der Puls, und wie komme ich zu genügend Sauerstoff? Der nächste Kilometer ist steil und fordert allen alles ab.

Oben angekommen, ist jeder ein Sieger: Hier ein Schulterklopfen, da ein Händeschütteln, dieser nickt dem anderen anerkennend zu, und dort erkundigt sich einer nach der Zeit des Neuankömmlings. An der Siegerehrung schliesslich erhält jedes Team reihum Applaus.

Bevor die Helden der Landstrasse den Heimweg nach Zürich antreten, erklärt Schramm, er wolle die Organisation des Zeitfahrens abgeben. Andere Rennen finden nach so einer Ankündigung nicht mehr statt.

Nun, nicht dieses.

Noch auf der Buchenegg melden sich drei Nachfolger. Nächstes Jahr werden sie wieder starten - zum Ruhme des Radsports.

Das Leiden an der Buchenegg hat viele Gesichter: Moritz Wolf (Nr. 13, Cycling Dandys), Kerstin Treydte (Nr. 2, Los Dendros), Daniel Lüthi (Nr. 3, Aarg).

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch