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Die Ruhe im Mittelalter finden

Wer denkt, Mittelalterfestivals seien blutrünstig und barbarisch, irrt. Das Ragnarök-Festival in Eglisau hat am Wochenende 2000 Besuchern Einblick in eine ganz andere Welt gewährt.

Eglisau. - Gleich beim Betreten des Festivalgeländes beim Schützenhaus in Eglisau wird der Betrachter in eine andere Welt katapultiert: Frauen in farbigen Gewändern, schweren Kutten und abenteuerlichen Kopfbedeckungen wie Wikingerhelmen, Männer mit Piratenhüten und geschnürten Lederstiefeln und sogar Kinder in mittelalterlichen Umhängen prägen das Festivalgelände. Der Duft von Spanferkel liegt in der Luft.

Einige Musiker sitzen in mittelalterlichen Kutten an einem der zahlreichen Lagerfeuer und entlocken ihren historischen Instrumenten melancholische Klänge vergangener Zeiten. Nebenan schmiedet Ulf Vumberg Schwerter, Messer und Schmuck. «Ich könnte mein Hobby zum Beruf machen», sagt der mittelalterliche Waffenschmied. Seine Schwerter würden sich verkaufen wie warme Semmeln. Für Vumberg macht die Faszination des mittelalterlichen Spektakels die Langsamkeit aus. «Sich Zeit nehmen, um Leute kennen zu lernen», nennt er das. Einige Schritte daneben werden keltischer Schmuck, Bernsteinschmuck aus dem Baltikum, Steinhauerarbeiten und Rentierfelle verkauft. «Mittelalterleute schlafen darauf», erklärt der Verkäufer, «denn sie isolieren am besten.»

In Ruhe Gleichgesinnte treffen

An einer Ecke steht Raven, zu Neudeutsch Rabe. Raven heisst Carmen Montag und trägt ein Fuchsfell, die Nase des Tiers baumelt auf ihrer Stirn. Sie erzählt Interessierten von ihren persönlichen Stärken und Schwächen. «Das Festival bietet den passenden Rahmen für meine Beratungen», sagt sie. Raven fasziniert die zeitlose Bodenständigkeit sowie die Kameradschaft, die an solchen Veranstaltungen herrscht. «Jeder wird akzeptiert.» Dominik alias Toki betreibt seit Jahren einen Stand mit keltischem Schmuck. Er findet, dass die Menschen hier zur Ruhe kommen können, «einfach einmal sein und Gleichgesinnte ohne Vorurteile treffen».

Trotzdem, ganz ohne Kampf und Schwerter kam das Festival dann doch nicht aus: Am Samstagabend wurde der Königswettkampf ausgetragen. Fast 30 mutige und starke Männer massen sich im Bogenschiessen, Wagenraddrehen und Steinstossen, um Wikingerkönig zu werden. Der Sieger durfte die abendlichen Darbietungen an einer festlich gedeckten Tafel auf einem Ehrenplatz mitverfolgen. Theater, Feuershows und Schaukämpfe wurden geboten, dazu konnte man zwischen Wolfsblut und Kräutertrank wählen.

Die Mittelalterfans kamen auch an den Marktständen auf ihre Kosten.

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