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DIE SCHÜLERIN ANA WALTER MODERIERTE GESTERN UM 18 UHR DIE «TAGESSCHAU» VON SF DRS

Ana war frisch, natürlich und verhaspelte sich fast nie

Sie verspürt diesen Wunsch, seit sie für die «Kinder-Tagesschau» übt. Das Fernsehen will diese Woche die Welt aus der Sicht der Kinder zeigen. Während die Klassenkameraden die redaktionelle Arbeit leisten, steht Ana bis am Freitag vor der Kamera: Ihr Job ist der des Anchorgirls.

Kein Wunder, machte sie sich vor der Sendung vermehrt Gedanken über ihr Aussehen. Sie würde sich die Haare gerne hochstecken, verriet sie der «SonntagsZeitung»: «Sie sind dick und stehen so ab, wenn sie offen sind.» Ein allzu wildes T-Shirt werde sie bei ihrem ersten Auftritt nicht tragen, aber auch kein Deuxpièces. «Kindlich sollten die Kleider sein und trotzdem elegant», verrieten Mutter und Tochter der «Schweizer Illustrierten».

Nun: Ana hatte sich die Haare straff im Nacken zusammengebunden. Sie trug eine hübsche, weiss gepunktete Bluse und wirkte nicht weniger elegant als Béatrice Müller, welche in einem rosa Jäckchen auftrat und ganz oben das trug, was die «Weltwoche» kürzlich als «wohlorganisierte Kraushaarfrisur» bezeichnet hatte.

Ana ist in den letzten Wochen ein kleiner Medienstar geworden. Mittlerweile weiss man einiges von diesem Kind: geboren im Sternzeichen der Waage, der Vater heisst Beat und ist Walliser, Mutter Pakize kommt aus der Türkei. Ana hat eine Zwillingsschwester namens Denis. Sie liebt Hunde und besitzt selber einen, ist ein ordentliches Mädchen und mag die Farbe Orange. Hingegen verabscheut sie schreiende Menschen und quietschende Ferkel. Sie tanzt und schwimmt und liest und spielt leidenschaftlich Tennis, isst fürs Leben gern Spinatplätzli und Glace und natürlich Schokolade. Faulpelze, Angeber, Besserwisser, Zicken, Spinnen und «Tussis wie Paris Hilton» sind ihr ein Gräuel.

Dass sie laut ihren Eltern «immer schon ein Showtalent» war, bewies Ana gestern eindrücklich, und das tägliche Üben vor dem Spiegel hat sich gelohnt: Ana war frisch, natürlich und moderierte erstaunlicherweise fast ohne Versprecher.

Im Vorfeld hatte man gerätselt: Werden die Kinder auch heikle Themen wie den Nahostkonflikt aufgreifen - und falls ja: wären sie damit nicht völlig überfordert? Ana hoffte, «dass in dieser Woche nichts Schlimmes passiert, vor allem kein Flugzeugabsturz».

Die Beiträge bezogen sich schliesslich auf den Sessionsbeginn, die Eröffnung einer Schokoladefabrik, die Überschwemmungen in Afrika und den Abflug der Schweizer Fussballer nach Riga. Die Kinder fanden heraus, dass das Klingeln der Berner Ratsglocke den Sitzungsanfang signalisiert und dass Fussballer nur selten miteinander streiten. Ein Junge schaffte es gar, Goalie Benaglio auf Augenhöhe zu interviewen - er stellte sich mit dem Mikrofon auf ein Bänklein.

Im Vorfeld war die Idee des Schweizer Fernsehens teilweise harsch kritisiert worden. Die «Kinder-Tagesschau» verletze die Konzession, sei Humbug, und Nachrichtenjournalismus eigne sich nun wirklich nicht für ein «Schülertheater».

Zugegeben: Der Informationswert der Sendung war nach erwachsenen Massstäben eher dürftig. Aber um 19.30 Uhr kam dann wie immer, was wirklich wichtig ist auf dieser Welt.

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