«Die Schulpflege kommt ihren Pflichten nicht nach»

In Glattfelden fordert der Familienverein Mikile mehr Kinderbetreuungsangebote. Die Schulpflege klärt den Bedarf.

An ihrem Wohnort gibt es keine Betreuungsmöglichkeit: Francisco (links) und Jamie aus Glattfelden gehen in Höri in den Hort.

An ihrem Wohnort gibt es keine Betreuungsmöglichkeit: Francisco (links) und Jamie aus Glattfelden gehen in Höri in den Hort. Bild: Johanna Bosshard

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Sie beklagen sich, in Glattfelden gäbe es zu wenig Tagesstrukturen für Kinder. Aber im «Chinderhuus» sind derzeit noch Krippenplätze frei.
Die Kinderkrippe hat dieses Jahr in Glattfelden eröffnet, das ist toll. Aber das Chinderhuus ist eine Krippe und kein Hort – das heisst, sie bietet Kleinkindern Plätze an. Sie haben zwar eine gemischte Gruppe, in der vier Kindergärtler sind. Aber wir hätten gerne in Glattfelden einen richtigen Hort ab dem Einschulalter.

Sobald die Kinder die Schulebesuchen, sind sie tagsüber ja beschäftigt.
Wenn die Schule nachmittags endet, sind die Eltern oft noch nicht von der Arbeit zurück. Die Buben und Mädchen brauchen in dieser Zeit jemanden, der sie betreut. Sie müssen ihre Aufgaben erledigen, mit Gleichaltrigen spielen oder basteln können. Diese Angebote müssen altersgerecht sein. Die Schulpflege hat 2010 in Glattfelden eine Umfrage durchgeführt und einen Bedarf für solche Hortplätze festgestellt – aber bisher nicht reagiert.

Die Schule sollte also mehr tun?
Ja. Seit 2009 ist im Volksschulgesetz verankert, dass die Schule bei Bedarf Tagesstrukturen anbieten sollte. Bis jetzt haben jedoch nur die umliegenden Gemeinden Angebote eingerichtet; die hiesige Schulpflege kommt ihren Pflichten nicht nach. Sie weist die Eltern ans Chinderhuus oder an den Hort in Höri – und behauptet, für Betreuungsangebote in Glattfelden bestehe kein Bedarf.

Das scheint ja zu stimmen.
Nein, ich weiss von mindestens 15 Familien, die Plätze für ihre Kinder im Grundschulalter suchen. Unterdessen sind viele auch ausgewichen und bringen ihre Buben und Mädchen in eine andere Gemeinde. Ich kenne ein Ehepaar, das vor zwei Jahren von Kloten nach Glattfelden gezogen ist. Ihr Kind haben sie in der Schule in Kloten gelassen – und dies einzig aus dem Grund, weil dieses dort einen Hort besuchen kann und bei uns nicht. Das sind unhaltbare Zustände. Die Eltern wären ja auch alle bereit, für die Hortplätze zu zahlen, damit die Schule sie kostendeckend anbieten kann.

Wieso müssen die Kinder imeigenen Dorf in einen Hort gehen?
In Bülach haben die Horte meines Wissens Wartelisten. Die Eltern könnten ihre Kinder mit dem Taxidienst in den Höremer Hort bringen lassen, wie dies die Schulpflege vorschlägt. Aber für unsere Kinder ist es wichtig, dass sie im Dorf aufwachsen, die Gspändli aus ihren Vereinen treffen und hier Freunde finden.

Erstellt: 05.04.2011, 23:54 Uhr

Susanne Bressan

Die Glattfelderin gehört zum Initiativkomitee für neue Hortplätze des Familienvereins Mikile.

Tagesstrukturen

Schulpflege klärt Bedarf nochmals ab

Der Glattfelder Schulpräsident Marco Dindo widerspricht dem Vorwurf, dass sich die Schulpflege sträube, einen Hort einzurichten. Seit einem Jahr suche die Behörde nach Lösungen. «Leider finden sich in der Schule oder im Dorf derzeit keine genügend grossen Räume mit einer Küche, die für Tagesstrukturen geeignet sind», sagt er. Zudem würden allfällige Investitionen das Budget der Schule übersteigen, sodass die Glattfelder zuerst darüber abstimmen müssten. Weiter sei der tatsächliche Bedarf unklar. 2010 hätten rund 40 Eltern ihr Interesse an betreuten Einrichtungen für ihre Kinder angemeldet. Als aber ein Angebot in Glattfelden konkreter wurde, habe keine Familie mehr zusagen wollen. «Jetzt prüfen wir ein zweites Mal die konkreten Bedürfnisse», sagt Marco Dindo. Der Fahrdienst des Hortes in Höri sei die schnellste Lösung, um den heutigen Bedürfnissen zu genügen. Die Schulpflege arbeite aber weiterhin an Möglichkeiten, um in Glattfelden selbst ein Angebot aufzubauen. Der private Höremer Hort wäre bereit, in Glattfelden von sich aus Räume zu suchen, sofern er gesicherte Zusagen von Eltern hätte. (ct)

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