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Die Siedlung Sunny Watt ist winterfit

In Watt wurde die erste Nullenergie-Siedlung der Region Zürich erstellt. Die Fotovoltaik-Anlage wird pünktlich zu Beginn der kalten Jahreszeit montiert.

Ursprünglich war geplant, dass sich die Käufer der Eigentumswohnungen und -häuser an den Kosten der Fotovoltaikanlage beteiligen. Doch niemand bekundete Interesse an den damals ausgeschriebenen Wohneinheiten: Sie waren schlichtweg zu teuer. Mindestens 30 000 Franken mehr hätten Käufer für ihr Wohneigentum hinblättern müssen. Dann sollte die Finanzierung der Fotovoltaikanlage von Investoren übernommen werden. Es konnten jedoch keine gefunden werden. Schliesslich hat sich der Architekt und Bauherr Beat Kämpfen dazu entschieden, die 600 000 Franken teure Anlage gemeinsam mit der Firma Benetz, die die Anlage auch installiert, zu finanzieren. (ssi) Von Sarah Sidler Regensdorf – An der Haldensteinstrasse in Watt sind sieben Reiheneinfamilienhäuser, acht Maisonette- und vier Geschosswohnungen entstanden. Baubeginn war im August 2008. Doch Sunny Watt ist nicht irgendeine weitere Überbauung im Furttal, sie ist die erste Nullenergie-Siedlung in der Region Zürich. Das heisst, sie benötigt nicht mehr Energie, als die gebäudeinternen Systeme erzeugen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sind mehrere Faktoren massgebend: Die parallelen Gebäudereihen sind nach der sogenannten Solararchitektur gebaut worden. Die Umsetzung der Solarsiedlung beginnt bereits beim Standort: «Beat Kämpfen hat dieses Stück Land erworben, weil es ideal liegt: Die Wohneinheiten konnten direkt gegen Süden gebaut werden», sagt die verantwortliche Architektin Nadja Grischott. Sie arbeitet seit 2004 für das Zürcher Architekturbüro Kämpfen am Projekt mit. Damit möglichst viel Sonnenlicht für die Erwärmung der Räume genutzt werden kann, wurden die vorderen sieben Einfamilienhäuser tiefer gebaut als die hintere viergeschossige Wohnzeile. «Fachleute haben ausgerechnet, dass der Innenhof zwischen den Gebäudezeilen gewährleistet, dass auch die untersten Räume der hinteren Hauszeile im Winter mindestens zwei Stunden lang von der Sonne beschienen werden», sagt die Architektin. Die 36 Zentimeter dicke Steinwolle in der Aussenwand und die dreifachverglasten Fenster tragen ihren Teil dazu bei, dass die Gebäude nur während weniger Monate beheizt werden müssen. Fenster müssen keine geöffnet werden, ein kontrolliertes Lüftungssystem sorgt für Frischluft. Reicht die Energie der Sonne trotzdem nicht zur vollständigen Erwärmung der Räume aus, kommen die zwei Erdsonden-Wärmepumpen-Heizungen ins Spiel. Die Architekten rechnen damit, dass die Heizungen höchstens zwischen November und Februar benötigt werden. Sehr tiefe Nebenkosten Um den Strombedarf von Sunny Watt zu decken, wird auf den Dächern diesen Monat eine Fotovoltaikanlage montiert. Sie kostet 600 000 Franken. «Diese Anlage erzeugt genug Strom, um Heizung und Lüftung zu betreiben. Sie hat sogar einen Überschuss», sagt Grischott. Dieser wird in das Stromnetz eingespeist, woher die Bewohner die Energie für den individuellen Bedarf beziehen. Um diesen möglichst tief zu halten, sind alle Wohneinheiten mit A-Klasse-Haushaltsgeräten ausgestattet. «Solche Geräte benötigen besonders wenig Strom.» Für heisses Wasser sorgen die Sonnenkollektoren auf dem Dach des Gebäudes mit den Wohnungen. Die Grösse der Anlage wurde so konzipiert, dass sie neben dem Warmwasser auch Wärme für die Erdsonden-Wärmepumpen-Heizungen liefert. Die Wohnüberbauung Sunny Watt braucht also dank Sonnenkollektoren und Fotovoltaikanlagen kaum zusätzliche Energie: «Wir rechnen damit, dass eine Familie mit vier Kindern im Monat durchschnittlich 25 Franken Nebenkosten bezahlt», sagt Grischott. «Würden alle Wohnungen und Häuser so konzipiert, könnte die angestrebte 2000-Watt-Gesellschaft funktionieren.» Gesund leben hat seinen Preis Nicht nur die Energiegewinnung des solaren Architekturkonzepts ist fortschrittlich: Auch die eingesetzten Baumaterialien wurden nach gesundheitlichen und bauökologischen Aspekten ausgewählt: Wände und Dächer sind komplett aus Holz konstruiert. «Um ein gesundes Raumklima zu erzeugen, wurden nur ökologische Baustoffe verwendet», sagt Grischott. Es wurden keine Kunststoffe und kein Leim verwendet, die ein gesundes Raumklima stören. Sunny Watt ist mit all seinen Bemühungen, Ressourcen und Energie zu sparen, mit dem Minergie-P-Eco-Label zertifiziert worden. Damit entspricht die Siedlung den strengsten Anforderungen, die an eine umweltschonende Bauweise gestellt werden können. Doch gesund und umweltbewusst wohnen hat seinen Preis: «Der Kostenunterschied zu konventioneller Bauweise beträgt rund 20 Prozent», sagt Grischott. 18 Millionen Franken wurden in Sunny Watt investiert. Die noch freie Maisonette-Wohnung mit 150 Quadratmetern ist für 1,22 Millionen Franken zu haben. Nach der Inbetriebnahme der Fotovoltaikanlage geht das Konzept der Nullenergie-Siedlung auf. Foto: David Baer

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