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Die Sozialbehörde übers Ohr gehauen

Eine 73-jährige Witwe hat mit falschen Angaben Sozialhilfe von der Gemeinde Männedorf bezogen. Das Bezirksgericht Meilen hat sie nun verurteilt.

Von Luicien Scherrer Männedorf/Meilen – Vor die Schranken des Bezirksgerichts Meilen konnte oder wollte die Angeklagte nicht treten: Sie meldete sich krank und liess die öffentliche Verhandlung platzen. So verhandelte das Gericht hinter verschlossenen Türen gegen die 73-jährige Italienerin. Vorgeworfen wurde der Rentnerin unter anderem mehrfacher Betrug. Laut Anklageschrift bezog die Frau in der Gemeinde Männedorf seit 1999 Zusatzleistungen zu den Beiträgen der Alters- und Hinterbliebenenversicherung. Bis 2007 sicherte sie sich so einen netten Zustupf von insgesamt fast 150 000 Franken. Der Haken dabei war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft See/Oberland, dass die verwitwete Frau den Behörden massgebliche Angaben für die Festlegung der Zusatzleistungen unterschlug. Dies, obwohl sie laut Anklageschrift rund 18-mal mit ihrer eigenhändigen Unterschrift bestätigte, dass ihre Angaben vollständig und wahrheitsgetreu seien. Die Sozialbehörde erfuhr aber weder davon, dass die Italienerin mit Putzarbeiten jährlich 30 000 bis 50 000 Franken verdiente, noch dass sie vom italienischen Staat eine Witwenrente bezog. Von den Privat- und Seniorenkonti, auf denen sie das Geld anlegte, erzählte die Angeklagte ihren Kontaktpersonen ebenfalls nichts. Erster Versuch scheiterte 1986 Durch Lug und Trug habe sie sich bereichert, warf die Staatsanwaltschaft der Witwe vor: «Sie belog die Sachbearbeiter der Sozialbehörde Männedorf, indem sie immer wieder von neuem darlegte, sie würde weder über Einkünfte noch über Vermögen verfügen.» Dass die Putzfrau nicht wusste, dass sie etwas Unrechtes tat, stellte die Anklage in Abrede: Bereits 1986 habe sie ein Gesuch um Zusatzleistungen an die Gemeinde gestellt – wobei ihr damals beschieden worden sei, dass sie das Einkommensminimum überschreite. Für die Machenschaften der schlitzohrigen Witwe beantragte die Staatsanwaltschaft eine bedingte Gefängnisstrafe von 10 Monaten sowie eine Busse von 2000 Franken. Gestern hat nun das Bezirksgericht Meilen sein Urteil veröffentlicht. Die Italienerin ist demnach des mehrfachen Betrugs schuldig und erhält eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Die Probezeit wird auf zwei Jahre festgelegt. Der Sozialbehörde von Männedorf muss die 73-jährige Witwe Schadenersatz in der Höhe von 149 138 Franken bezahlen. Auch die Gerichtsgebühr von 3500 Franken wird ihr auferlegt. Das Urteil vom 1. Dezember ist noch nicht rechtskräftig.

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