Opernball: Die Stadtpräsidentin tanzt lieber in der Küche

Tanzvorlieben charakterisierten einen Menschen, heisst es. Stimmt die These, lernt man am im Zürcher Opernhaus die Prominenz neu kennen. Eine Typologie.

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Rote Teppichbahnen, schwarze Limousinen und feierlich gekleidete Menschen im hellen Blitzlicht. Das gibt es auch auf dem Zürcher Sechseläutenplatz, wenn das Opernhaus zum Ball lädt. Alle, die am Samstagabend für die Fotografen posierten, waren der Einladung zum 17. Benefizanlass gefolgt. Mit den Einnahmen sollen Kinder und Jugendliche an die Oper herangeführt werden. Doch längst nicht bei allen Gästen schlägt das Herz für «Alles Walzer!», was wiederum einiges über ihren Charakter aussagt.

Einer der alten Schule

Einer, der von sich behauptet, «gut tanzen zu können», ist Thomas Borer. Der Unternehmensberater stand als ehemaliger Schweizer Botschafter in Deutschland schon mehrmals auf der grossen Bühne. «Ich bin von der alten Schule und weiss noch, wie man eine Frau übers Parkett führt», sagt er. Denise, seit zwei Jahren seine Gattin, sei federleicht, was die Sache einiges einfacher mache. Borer ist zudem gut in Form, hat er doch bereits tags zuvor an einem Fest und vor einigen Wochen am Wiener Opernball das Tanzbein geschwungen. Und einem gelungen Abend steht auch aus persönlicher Sicht nichts im Wege. Seine Ex-Frau Shawne Fielding, sonst immer gern gesehen im Opernhaus, fehlt dieses Jahr, wie übrigens auch das Promipaar Irina und Walter Beller. Bloss, auf der Tanzfläche sieht man Borer am Abend eher selten. Ganz im Gegensatz zu anderen älteren Semestern wie Schriftsteller Adolf Muschg oder Architektin Tilla Theus.

Die Küchentänzer

Sobald der Opernhaus-Intendant Andreas Homoki als Gastgeber das Ballvolk zu Alles Walzer! auffordert, verlassen Stadtpräsidentin Corine Mauch, Hochbauvorsteher André Odermatt sowie der ehemalige Justizdirektor und Opernhaus-Verwaltungsratspräsident Markus Notter und seine Frau Esther Arnet den Saal. Ob es wohl an Mauchs glitzerndem Clutch gelegen hat, der auf dem Parkett stört? Zwei Stunden später unterhalten sie sich noch immer an einem Stehtisch in der Pianobar und liefern die Erklärung: «Ich tanze lieber zu anderen Stilen, noch lieber beim Kochen», sagt Mauch. Derzeit steht die amerikanische Band G.Love & Special Sauce zuoberst auf ihrer Liste. Auch Odermatt tanzt regelmässig in der Küche und zeigt einen Hüftschwung. Nur Notter, obwohl liebend gern am Herd, kann dem nichts abgewinnen. «Bei zu viel Bewegung geht der Gugelhopf jeweils nicht auf.» Mauch und Odermatt wollen am späteren Abend bei der Show von ABBA 99 einsteigen. Die Songs: Mauch: «Dancing Queen», Odermatt: «Gimme!Gimme! Gimme! (A Man after Midnight)».

Der bunte Profi

André Hoinkes will sich beim Tanzen nicht verstecken. Das zeigt sich schon bei seiner Kleiderwahl. Er sticht mit seinem farbigen Jackett mit Pfauenmotiv und blauen Pailettenärmeln aus den Smokingträgern heraus. Der Tanzlehrer mit eigener Schule in der Innenstadt liess seine Kleidung beim Zürcher Designer Willi Spiess speziell für den Anlass anfertigen. «Das gehört für mich dazu», sagt er. Da er wegen einer Grippe einige Tage aufs Tanzen verzichten musste, freut er sich nun umso mehr auf ein bisschen Bewegung. Ginge es nach ihm, er würde nur Quickstepp tanzen, jener Stil, der für überquellende Lebensfreude steht. Seiner Begleiterin Barblina Tondüry ist das aber etwas zu schnell.

Der rührseelige Zuschauer

Unterhaltung und Spass spielen zwar auch im Leben von Gastronom Michel Péclard eine zentrale Rolle. Am Foodfestival in St. Moritz hat er kürzlich bis in die frühen Morgenstunden abgerockt. Aber an diesem Abend will er zusammen mit seiner Ex-Frau Mandana vor allem einer anderen Person beim Tanzen zuschauen: Sein Sohn eröffnet als einer der Debüttanten nach dem Diner das Tanzfest. «Solche Momente rühren mich immer zu Tränen», sagt Michel Péclard. Wahrlich komplex ist denn auch die Choreografie jener Balleröffnung, welche die jungen Erwachsenen auf der Bühne zeigen. Das braucht sie einiges an Konzentration, die selbst vom Klirren eines Glases nicht gestört werden kann, das von der ersten Balkonreihe in den Hauptsaal fällt.

Der andersartige Bewegungsmensch

Wer ein Flair fürs Sportmachen hat, tanzt auch gerne. Oder, Thomas Heiniger? «Mein letzter Tanz ist eine Weile her», sagt der Regierungsrat, schaut seine Frau Susanne an und erwähnt den Kispi-Ball. Etwas halbherzig schiebt er nach, er tanze eigentlich schon noch oft. Dass es damit aber wohl doch nicht so weit her ist, zeigt sein Exkurs übers Marathon-Laufen. Dieses Jahr ist Heiniger in Zürich wieder als Pacemaker unterwegs. Er führt eine Gruppe zu einer Vierstunden-Zeit. Seine eigene Bestmarke liebt eine halbe Stunde darunter. Und er sagt: «Diese Art von Sport macht wirklich Spass.» Und es wird klar: Mehr Spass als tanzen.

Erstellt: 05.03.2017, 15:00 Uhr

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