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Die umstrittenen Schlieremer Container-Türme verschwinden - vielleicht kehren sie aber in neuer Form zurück

Piero Maspolis zwölf Meter hohe Container-Türme lösten in Schlieren einen Kulturstreit aus. Nun möchte der Bildhauer sie in Plexiglas erstellen.

Schlieren - Container stehen an jeder Ecke. Und Baustellenmulden. Denn in Schlieren wird auf Teufel komm raus gebaut. Die meisten Schlieremer freuts, weil es für sie den Aufbruch symbolisiert. Denn die Gemeinde ist daran, ihr Image aufzupolieren. Ausgerechnet jene Container aber, die Kunst sind, wurden zum Stein des Anstosses.

Im Sommer 2008 stellte der Bildhauer Piero Maspoli vier zwölf Meter lange Schiffscontainer hochkant ins noch brachliegende Zentrum - und löste damit fast einen Bildersturm aus: Ein SVP-Gemeinderat sammelte Unterschriften gegen die «rostigen Blechbüchsen», der ortsbekannte Drogist überreichte dem Stadtrat die gesammelten Werke einer Kundenbefragung. Die vier Türme eckten gewaltig an.

Die umstrittene Skulptur verschwindet demnächst. Nicht weil sich die Kritiker durchsetzten, sondern weil die Skulptur von Anfang an nur auf Zeit stand. Die Stadt Schlieren bietet der auf dem Gaswerkareal ansässigen Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer (AZB) die Gelegenheit, jeweils für zwei Jahre auf Gemeindegebiet ihre Werke aufzustellen. Unzensuriert, unkompliziert, ohne Bewilligungsparcours. «Zwischen diesen Künstlern und uns besteht ein Vertrauensverhältnis», sagt Stadtpräsident Peter Voser. Der Urheber des Kulturkampfes, Piero Maspoli, spricht von «Narrenfreiheit», die man ihnen gewähre. «Das ist ein riesiges Geschenk.»

Er sitzt zu Füssen seines Werks und denkt über Materialien nach. Eigentlich ist der 60-jährige Zürcher Künstler Steinbildhauer. Aus seinem bleischweren Rucksack zieht er eselsohrige Papiere und illustriert, wie Material und Form miteinander spielen. Wären die Türme aus Stein, hätten sie etwas Sakrales, aus rostigem Metall aber etwas Mahnendes. Und für die Kritiker etwas Abwertendes. Maspoli sagt: «Die Container sind Verpackung, wie die Häuser rundum - nur sieht man es ihnen an.»

Dann zieht er eine Fotomontage hervor, die schlagartig aufzeigt, was ihn beschäftigt: Dieselben Türme, aber in Plexiglas. «So möchte ich sie für Schlieren machen.» Er habe es abgeklärt: «Das wäre genau so machbar.» Und zahlbar? Maspoli lächelt: «Schon teuer, aber die Leute würden dann die Schönheit der Skulptur erkennen.» Denn das Material macht daraus nicht ein gänzlich anderes Werk, es interpretiert es nur anders.

Die Kunst bleibt im Zentrum

Maspolis Container stehen, wo in ein paar Jahren der neue Stadtplatz sein wird. Kann sich der Stadtpräsident dort Maspoli-Türme in Plexiglas vorstellen? «Kunst wird an diesem wichtigen Ort im neuen Zentrum bestimmt Eingang finden», sagt Voser. Und Plexiglas sei ein edles, transparentes Material und hätte damit auch eine ganz andere Wirkung als die Containertürme. «Ich könnte mir eine solche Umsetzung der Idee deshalb sehr gut vorstellen.»

Für ihn ist die Aufregung um dieses Werk auf alle Fälle kein Grund, an der Zusammenarbeit mit den Plastikern vom Gaswerkareal etwas zu ändern. «Diese Künstler sind Teil der Vielfalt unserer Stadt, und wir haben bisher dieses Potenzial eher zu wenig genutzt.» Und wenn die Bildhauer im Frühling mit ihren neuen Werken noch höher in den Himmel schiessen? Stadtingenieur Manuel Peer kann beruhigen: «Die Objekte werden kleinformatiger sein - dafür zahlreicher.» Vielleicht zehn verschiedene. Helene Arnet

An Samstag, 31. Oktober, findet um 14 Uhr eine Begehung von Piero Maspolis Container-Türmen im Zentrum Schlierens statt (Ringstrasse). Es reden: Peter Voser (Stadtpräsident), Jürg Altherr (Kurator Skulptur in Schlieren) und Ursula Hirsch (Kuratorin AZB Kunstkammer). Danach Transfer zur AZB Kunstkammer auf dem Gaswerkareal zur Finissage von Maspolis dortiger Ausstellung und der Buchvernissage des Kunstkammer-Katalogs Fokus-Skulptur von Kathrin Frauenfelder. www.kunstkammer.ch; www.plastiker.ch Der Bildhauer Piero Maspoli vor seinen Türmen, die bald verschwinden. Foto: Tom Kawara

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