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Die voluminösen Kleider wirken wie Architektur aus Stoff.

Die voluminösen Kleider wirken wie Architektur aus Stoff. Christa de Carouge (75) heisst mit bürgerlichem Namen Christa Furrer.Bilder: PD Schwarz verleiht der Kleidung mehr Tiefe und Bedeutung. von isabella seemann Sie verkauft zwar Kleider, aber wie eine Modeboutique sieht ihr Geschäft nicht aus. Christa de Carouges Ladenlokal in der Mühle Tiefenbrunnen mutet eher wie ein Kunstgewerbemuseum an. «Kunst am Körper» nennt sich denn auch ihre Frühjahrskollektion 2011. Die Entwürfe sind an Mannequins ausgestellt und inszeniert. Lange ponchoartige Jacken, weite Hosen, ein Tunikakleid. So üppig, fliessend und behaglich, dass man sie nicht einfach trage, sondern darin wohne, sagen ihre Fans. Die Kleider aus irischem Leinen wirken wie Architektur aus Stoff und heissen dementsprechend «Zelt», «Tempel» und «Podium». Die Verbindung zwischen Architektur und Mode ist keine Laune der Designerin, sondern eine Philosophie, die sie nun schon 35 Jahre pflegt. Nach ihrer Ausbildung zur Grafikerin zog Christa Furrer, wie sie mit bürgerlichem Namen heisst, von Zürich weg in die Genfer Vorortsgemeinde Carouge und begann Kleider zu gestalten. Schnell war die Autodidaktin die stetig wechselnden Trends der Spassgesellschaft leid und ersann Kleidungsstücke, die für Kunden zum Begleiter durchs Leben wurden. Mit ihrem radikalen Minimalismus will sie die Aufmerksamkeit auf ihre fliessenden Schnitte lenken, weg von der dominierenden Körper-Obsession. Mit der Farbwahl, alle Schattierungen von Schwarz, verleiht sie der Kleidung mehr Tiefe und Bedeutung. Unnötig zu sagen, dass Christa de Carouge ihre Entwürfe nicht als Saisonartikel versteht. «Ich mache zwar im handwerklichen Sinn Mode, aber ich kann mit Mode nichts anfangen.» Die Mode habe den Respekt für die Kleidung verloren. Sie will den Respekt für die Kleidung zurückgewinnen. Sie bricht alle Regeln Die perfekt geschnittenen, an den richtigen Stellen durch eine Naht in Form gebrachten Kleider sind Meisterwerke der Schneiderkunst. Das Musée des arts décoratifs in Lausanne stellte ihre Werke aus. Für zahlreiche Theater und Tanztheater entwarf sie Kostüme. Ihre Modeschauen selbst sind stets eine Performance. Sie hat einen eigenen Standpunkt, sie bricht alle Regeln. Woher nahm sie die Vision und den Mut dazu? «Ich war immer schon so», sagt Christa de Carouge, «ich habe immer Bestehendes infrage gestellt.» Auch wenn die «Grande Dame noir» ihrem Stil über die Jahre treu geblieben ist, geht sie stets mit der Zeit. So hat sie während Jahrzehnten mit ihren Lieblingsmaterialien Kaschmir, Wolle, Seide oder Leinen gearbeitet, doch heute findet sie grossen Gefallen an den neuen Hightech-Mikrofasern aus Japan, die man waschen kann und nicht zu bügeln braucht. Egal, ob man Christa de Carouges Kleidung trägt oder nicht – wer sich für Mode interessiert, erkennt in ihren Kleidern modische Integrität. 75 Jahre alt wird Christa de Carouge im August. Sie hat der Schweizer Mode, für jeden erkennbar, ein radikal neues Gesicht gegeben. Ihre Geschäftstätigkeiten hat sie nach dem Tod ihres Lebensgefährten André Hirzel reduziert. Sie schloss ihre Filialen und will nur noch in Zürich, ihrer Heimatstadt, tätig sein. Doch ihr Elan ist ungebrochen, und ihr Ideenreichtum würde wohl noch für weitere 20 Jahre reichen. Es gilt immer weiter zu suchen. Zu perfektionieren, zu reduzieren.n Am 17. April, ab 16 Uhr, stellt Christa de Carouge ihre neue Sommer-Kollektion in den Mühle Tiefenbrunnen vor: «Über den Wolken in Weiss und Schwarz». Mit Tanzperformance und Musik von Nik Bärtsch.

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