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Die Weihnachtsessen finden auch dieses Jahr statt, doch die Finanzchefs sitzen mit am Tisch

Die Gastronomie bekommt zu spüren, dass in der Krise viele Unternehmen auf die neue Einfachheit setzen.

Antizyklisch festen, das geht wohl nur im Privaten: Gerade in der Krise gönnt man sich da gerne etwas. Das bestätigen viele Restaurateure. Nicht so Unternehmen: Diese halten zwar am traditionellen Weihnachtsessen fest, doch der Finanzchef sitzt mit am Tisch. Das zeigt eine Umfrage bei Betreibern von Restaurants und Hotels in der Schweiz.

Ein Wort zieht sich durch fast alle Stellungnahmen: Zurückhaltung. «Im oberen Segment, etwa im Rigiblick in Zürich oder im Schöngrün im Zentrum Paul Klee in Bern, bekommen wir die Zurückhaltung der Firmen zu spüren», sagt etwa Regula Pfister, Geschäftsführerin der ZFV-Unternehmungen. Dafür laufen günstigere Angebote der Gastronomiegruppe sehr gut - etwa Anlässe am «Life on Ice», der offenen Eisbahn, die nach zwei Jahren Pause zum ersten Mal wieder im Hof des Landesmuseums in Zürich stattfindet.

Ähnliches Bild bei den Restaurants der Bindella-Gruppe, wo «leichte Zurückhaltung» bei Grossanlässen spürbar ist. Kaum ein Unternehmen streiche das Weihnachtsessen, aber sowohl beim Menu als auch beim Wein achte man aufs Portemonnaie, weiss Daniel Müller, Geschäftsleiter Gastronomie. «Das gilt aber nicht für kleinere Gruppen, die auf dem Niveau anderer Jahre feiern.» Bereits durchs Jahr sei das so gewesen, man habe bisher fast gleich viel umgesetzt wie 2008. Die Manz Privacy Hotels registrieren bei den Banketten zahlenmässig kaum Einbussen, wie Martin Santschi vom Hotel St. Gotthard in Zürich sagt. Aber es kommen etwas weniger gute Flaschen auf den Tisch. «Beim Wein steht schon der eine oder andere auf die Bremse.» Umgekehrt gebe es solche, die statt der üblichen Crevetten dieses Jahr Hummer bestellten. Welche Firmen das sind, lässt Santschi diskreterweise offen.

Wo auch der Chef locker wird

Weihnachtsessen sind auch Anlässe, an denen sich Chefs gern von ihrer lockeren Seite zeigen. So laden sie dann schon mal aufs Ledischiff auf dem Zürichsee. «Die Nachfrage nach unserer LS Stäfa könnte derzeit grösser sein», findet allerdings Nadja Cadonau von Ledischiff.ch in Rapperswil. «Das Budget ist dieses Jahr halt schon ein wichtiges Thema.» Um auch kleinen Teams das «bleibende Erlebnis auf See» zu ermöglichen, gibt es das Weihnachtsessen auf dem Ledischiff nun auch als Sammelfahrt.

Ronnie Scholom organisiert seit 20 Jahren Firmen-Events. Der Geschäftsleiter der Show-Connection Rümlang ist generell zufrieden. Bei den Banken sei zwar eine gewisse Zurückhaltung spürbar. «Aber wer will das denen schon verargen.» Wie in anderen Bereichen würden Unternehmen aber auch hier immer kurzfristiger disponieren. Gerade eben habe er einen Auftrag für einen Firmenanlass bereits Anfang Dezember entgegen genommen.

«Für Erlebnisse wie ein Weihnachtsessen im Uto Kulm sinke die Nachfrage auch in schwierigen Zeiten nicht», sagt Giusep Fry, Wirt auf dem Zürcher Uetliberg. Die Silvesterparty, bei der man die Krise im letzten Jahr noch am ehesten gemerkt habe, sei heuer viel besser gebucht. Nicht alle, aber viele Unternehmen hätten auch immer noch ein anständiges Budget. «Bei den Mitarbeitern zu sparen wäre gerade in der Krise auch falsch», findet Fry, «schliesslich müssen diese motiviert werden».

Auch Beat Caduff von Caduff’s Wine Loft hat dafür kein Verständnis. «Was ein gutes Essen an Kitt im Team gibt, ist doch unbezahlbar.» Caduff setzt klare Grenzen. «Bei 100 Franken Budget pro Person kann ich nicht eine Degustation im Weinkeller und ein Essen mit allem Drum und Dran anbieten. Da müsste ich chinesisches Poulet kochen, und das mache ich nicht.» Doch nicht alle seien am Sparen: Eine Auslandsbank habe bei ihm kürzlich so viel ausgegeben wie noch nie. Romeo Regenass Gegessen wird weiter auf Firmenkosten, aber ob die Gans drinliegt, ist unsicher. Foto: Keystone/Foodcollection

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