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Die Zuger Landis + Gyr steht zum Verkauf – zum sechsten Mal

Ein Verlegersohn aus Irland hat den Stromzählerkonzern zu neuer Grösse aufgebaut. Jetzt will er Kasse machen.

Von Andreas Flütsch Die Finanzkrise machte Cameron O’Reilly einen Strich durch die Rechnung. Sein Plan, Landis + Gyr 2009 an die Börse zu bringen, fiel ins Wasser. Diesen Winter hat der Spross einer irischen Verlegerfamilie einen neuen Anlauf genommen. Credit Suisse und Lazard wurden als Berater engagiert. Der Börsengang ist immer noch eine Option. Mit einem Verkauf an den Meistbietenden dürfte O’Reilly aber noch mehr herausholen. Denn Konzerne wie General Electric, Honeywell, Toshiba, Cisco oder ABB, die als mögliche Käufer im Gespräch sind, brauchen dringend Technologie, wie die Zuger sie anbieten. Landis + Gyr ist laut Schätzungen bis zu 2 Milliarden Franken wert.Landis + Gyr ist mit 36 Prozent Anteil Weltmarktleader im fragmentierten Geschäft mit intelligenten, kommunikationsfähigen Stromzählern. Die Zuger verschaffen einem Käufer also auf einen Schlag Schlüsseltechnologie, um im rasch wachsenden Markt für «smarte Stromnetze» mithalten zu können. Landis + Gyr will sich zum Thema Verkauf oder Börsengang nicht äussern: «Kein Kommentar», heisst es in Zug. Ständige Besitzerwechsel O’Reilly liess niemanden im Unklaren, dass er nach ein paar Jahren aussteigen würde. Als er Landis + Gyr 2004 übernahm, war das einstige Flaggschiff der Region Zug nur noch ein Schatten seiner selbst. Knapp 390 Millionen Euro Umsatz machte damals das Zählergeschäft mit 3000 Mitarbeitenden. Am Standort Zug hielt der irisch-australische Doppelbürger fest, er firmierte seine Bayard-Gruppe in Landis + Gyr um, verlegte gar den Sitz von Sydney nach Zug. Sieben Jahre und ein Dutzend Akquisitionen später macht der Konzern rund 1,5 Milliarden Franken Umsatz. Landis + Gyr ist heute in über 30 Ländern tätig und beschäftigt 5000 Mitarbeitende, davon 360 in Zug, 40 in Fehraltorf.Dass die Zuger die vielen Besitzerwechsel so gut überstanden haben, ist nicht selbstverständlich. Nach einer Blütephase in den Sechziger- und Siebzigerjahren, in der das Unternehmen bis zu 15 000 Mitarbeiter beschäftige, wurde mehrfach restrukturiert und redimensioniert. Von den Besitzerfamilien wollte niemand das Unternehmen weiterführen. Der Industrielle Stephan Schmidheiny erhielt 1987 für rund 300 Millionen Franken eine Mehrheit am heruntergewirtschafteten Konzern. Ein Banker und Medien-Tycoon Schmidheinys Versprechen, er führe die 1896 gegründete Traditionsfirma wie ein Erbe weiter, hielt nur bis 1995. Er verkaufte seine Anteile für mehr als den doppelten Betrag an Elektrowatt, die Landis + Gyr von der Börse nahm. Danach verschwand das Unternehmen zusehends in der Versenkung, 1998 wurde es an Siemens abgestossen. 2002 beschloss Siemens den Ausstieg aus dem Zählergeschäft und reichte dieses an den US-Finanzinvestor KKR weiter. O’Reilly war Investmentbanker bei Goldman Sachs, bevor er ab 1988 eine australische Regionalzeitungsgruppe, die der Vater kaufte, mit über 30 Akquisitionen in Australien und Neuseeland zum Milliarden-Medienkonzern formte. Ähnlich ging O’Reilly in Zug vor. Ins Zählergeschäft eingestiegen war er 2002 mit dem Erwerb von Ampy, die in Australien und Grossbritannien tätig war.2004 kam Landis + Gyr hinzu, 2006 die amerikanische Hunt Technologies, die stark in der Kommunikation übers Stromnetz war. Als Standbein für Skandinavien wurde im gleichen Jahr die finnische Enermet erworben – mit einer Tochter in Fehraltorf, die noch heute Rundsteuerungen baut, um beispielsweise Strassenlampen oder Waschmaschinen an- und abzuschalten. Verkauf soll Zug nicht schaden Der Kauf von Cellnet in den USA brachte Landis + Gyr 2008 eine starke Stellung im Servicegeschäft. Die Zuger managen heute 14 Millionen Zählermesspunkte und sind in diesem Markt weltweit führend. Rund 1,2 Milliarden Dollar hat O’Reilly in den Aufbau investiert. Kommt es zum Verkauf von Landis + Gyr, soll dies der Region nicht schaden. «Wir wollen am Standort Zug bleiben», sagt ein Sprecher. Bildlegende. Foto: Vorname Name, Agentur Intelligente, kommunikationsfähige Stromzähler von Landis + Gyr im Testbetrieb. Foto: Richard Damoret (REA, Laif)

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