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Diesseits des Kaukasus

Kolumne Werner Schweizer Die Super League bietet mehr Spannung und Spektakel als jede andere Liga diesseits des Kaukasus. Die aktuelle Rangliste ist ohne Belang. Sie kann sich stündlich ändern, sollten die anstehenden Klagen, Rekurse, Proteste, Bankrotte und Abbrüche noch in dieser Saison behandelt werden. Einigermassen gesichert scheint nur, dass Basel Meister wird, obwohl es einen Vogel hat. Ohnehin stützen sich im Constantinischen Zeitalter nur noch unverbesserliche Puristen und Traditionalisten auf Tore, Punkte und Tabelle. Grimms Märchen &endash das war einmal in dieser Liga. Jetzt nehmen die Geschichten und Spiele, frei nach Dürrenmatt, die schlimmstmögliche Wendung, damit sie beendet werden können. Sions Präsident Christian Constantin hat sein Interesse an seiner Fussballmannschaft verloren, sonst hätte er seinen Trainer längst entlassen. Er verfolgt übergeordnete Ziele mit einem Team von Juristen, das in der zivilen Champions League spielt und dort die Gerichte mit einem Klage-Feuerwerk eindeckt, dass sogar der Chef persönlich die Übersicht verliert. So soll er trotz Transfersperre ausgerechnet seine Nummer 6 nach Neuenburg ausgeliehen haben, dort braucht es dringend einen defensiven Verteidiger mit Stahlkappen für die heissen Dossiers. CC weckt seinen privaten Vogel und fliegt mit ihm seine täglichen Schleifen über dem Uefa-Sitz von Michel Platini in Nyon. Aus der Höhe sieht er, wie über Xamax Nebelgranaten gezündet werden. Besitzer Bulat Tschagajew produziert dort für den welschen TV-Sender eine Realitysoap vom Feinsten. Er will seinen heroischen Abwehrkampf im Xamax-Labyrinth so lange durchhalten, bis sein designierter Nachfolger gelandet ist: Rumour el Graus, ein offenbar unermesslich reicher Erbprinz aus Kohlestan. Die Exponenten der Liga halten in diesen turbulenten Tagen in ihrem Bunker unter dem Letzigrund Klausur. Der Schriftenverkehr mit Constantin und Tschagajew stapelt sich meterhoch, die Anfrage nach einem weiteren Anwalt zur Bearbeitung hat CC abschlägig beantwortet. Ein dekorierter Mathematiker rechnet alle möglichen Tabellenvarianten im Frühling durch. Bis jetzt ist er bei 10 hoch 11 angelangt. Dafür hat die Liga nach wochenlangem Ringen eine nach ihrer Auffassung salomonische Lösung beim Einsatz von Pyros und Petarden in den Stadien gefunden. Der Massnahmenkatalog für die Schiedsrichter sieht so aus: eine Fackel in der Nordkurve gleich ein Penalty gegen GC. Drei Fackeln in der Südkurve gleich automatisches Tor gegen den FCZ. Feuerwerk in Luzern: Trainer Murat Yakin muss seinen sofortigen Wechsel nach Basel am Lautsprecher ankündigen. Ein Feuerwerk in Thun: Trainer Challandes sieht eine zündrote Karte. Bei Pyros in der Basler Muttenzerkurve sollen die Schiedsrichter wie bisher wegschauen. Dass der Katalog jemals in Kraft tritt, glaubt aber niemand. Die guten Erfahrungen des Westschweizer Kanals haben auch die Kollegen im Zürcher Leutschenbach auf die Spur der neuen Super League gebracht. Nach Recherchen der neuen Redaktion des Guetnacht-Gschichtlis ist auf dem GC-Campus eine Wohlfühloase entstanden, in der sich Sforza, Vogel, Sutter und überhaupt alle spüren. Auch für SF bi de Lüt wäre diese Harmonie, die keine Punkte aus profanen Pflichtspielen braucht, gut geeignet. Allerdings soll kürzlich in Niederhasli ein gehetzt wirkender Zuschauer gesichtet worden sein, der Ähnlichkeit mit Tschagajew hatte. Offensichtlich befürchtet er, el Graus könnte sich dem in der Vergangenheit finanziell ebenso klammen GC andienen. Im Constantinischen Zeitalter stützen sich nur noch unverbesserliche Puristen auf Tore, Punkte und Tabelle.

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