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Doppelter Triumph für Produzentin Ruth WaldburgerZubin Mehta dirigiert den Maggio MusicaleHeinz de Specht stolpert fast über die eigene Perfektion

Kurz & Kritisch Zürcher Filmpreise Zürich, Kaufleuten &endash Den Showblock hatte man weggespart, dafür gab es klassische Pausenmusik vom Flügel und ein schön unzeitgemässes Plädoyer für eine Kultur der Ausschweifung: Kunstförderung, sagte Gastredner Wolfgang Böhler gestern beim Zürcher Filmpreis, müsse Aufforderung zur Verschwendung sein. Die abgespeckte kleine Gala hielt sich ans Gegenteil, und die verliehenen Auszeichnungen sind gewiss auch nicht vergeudet. Die Filmpreise der Stadt Zürich waren fest in Frauenhand, und die glücklichste war, wieder einmal, Ruth Waldburger. Bei den Spielfilmen wurde nicht nur das von ihr produzierte Drama «La petite chambre» (25 000 Franken) prämiert, sondern auch ihre Koproduktion «Hell» des jungen Basler Regisseurs Tim Fehlbaum (20 000 Franken). Das war die Überraschung des Abends: selten genug, dass eine Fachjury sich für einen Horrorfilm begeistern kann. Auch sonst war es ein Abend der Produzentinnen: Für Regisseur Thomas Imbach, der in der Romandie seinen neuen Film dreht, nahm dessen Partnerin Andrea Staka den Dokumentarfilmpreis für «Day Is Done» entgegen, ebenso die Produzentin Yvonne Reck, die den Preis für Anka Schmids Jungmütterporträt «Mit dem Bauch durch die Wand» abholte (je 15 000 Franken). Bei den Spielfilmen wurden ferner Elena Pedrazzoli und Regisseur Rolando Colla für «Summer Games» ausgezeichnet (15 000 Franken), ebenso ihr Kameramann Lorenz Merz (10 000 Franken). Der Winterthurer Kurzfilmpreis schliesslich ging an Lorenz Suter für seine Komödie «Der ewige Tourist» (12 000 Franken). Die Preise sind wohl als Aufforderung zur Verschwendung zu verstehen &endash im Dienste der Kunst, versteht sich. Florian Keller Konzert Zürich, Tonhalle &endash Zubin Mehta, mittlerweile 75 Jahre alt, gehört zu den meistbewunderten Dirigenten. Er ist bekannt für seine zupackende Lebensenergie, für seine durch keine kulturintellektuellen Scheingefechte getrübte Haltung zur Musik. Beethovens 3. Sinfonie, die er mit seinem Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino unter dem Dach der Migros-Kulturprozent-Classics interpretierte, klang dann auch genau so. Es war eine unaufgeregte, klangvolle Deutung ohne ideologischen Ballast. Es fehlten zwar bisweilen die zusammengebissenen Zähne, etwa in den für die damalige Zeit unerhörten Dissonanzen im Kopfsatz. Doch bei Mehta ist alles ganz logisch aus der Musik heraus entwickelt. Danach gab es Mozarts Klavierkonzert KV 503. Hier trafen sich zwei Gegensätze. Dort Mehta, der Grandseigneur: selbstbewusst, überlegen und souverän. Hier der junge Schweizer Pianist Francesco Piemontesi: schüchtern, zurückhaltend, mit jugendlichem Charme. Das erstaunliche Resultat: ein organisch fliessender Mozart. Denn Piemontesi gestaltete die verzweigten Bögen mit grazilem Schönklang; dabei schwelgte er nicht eigenverliebt in ihm, sondern ordnete ihn geschickt und filigran ein in das Gespinst der Orchesterstimmen. So erhielt dieser Mozart eine wohltuende, feinnervige Stringenz. Nicht verkleinert, nicht vergrössert, nicht verzärtelt, nein, strahlend und natürlich klang das. So, wie es in einem Konzert mit Zubin Mehta zu erwarten war.Tom Hellat Kabarett Zürich, Theater am Hechtplatz &endash Nach dem ersten Stück weiss man schon alles. «Numal s gliich» würden sie tun, singt das Trio Heinz de Specht zu Beginn seines neuen, dritten Programms «Schön», nämlich lustige Lieder singen, Witze mit dem Licht machen und damit bluffen, wie viele Instrumente sie spielen können. Genau das passiert. Dabei wäre der eine «lieber mit mehr Schlagzeug rein», und der andere hätte gern ein paar Bandmitglieder ausgewechselt. Das ist natürlich Koketterie; Roman Riklin, Daniel Schaub und Christian Weiss wissen genau, was sie tun. Mit ihrem kabarettistischen Liederabend haben sie eine Erfolgsformel gefunden, mit der sie schweizweit die Kleinkunstsäle füllen. Und sie verstehen ihr Handwerk: Die Lieder sind heiter, aber nicht zu derb, durchdacht, aber nicht zu kompliziert, jedes ein gut gespielter Ohrwurm. Glatt ist das wie die Haut des Orkas, der als skurriles Bühnenbild einsam über dem Keyboard schwebt. Zu glatt. Darum ist man froh, als die Perfektion einen Riss bekommt und Riklin ausgerechnet beim Lied über einen, der sein Lied nicht wiederfindet, den Text vergisst: sofort gewinnt «Schön» an Charme. Denn die drei Heinzen sind dann gut, wenn sie nicht lustig sein wollen, sondern es tatsächlich sind. Wenn die Geschichten sich nicht auf Fäkalhumor ausruhen, sondern raffiniert ausgehen wie jene über Walter Tell, der sich bei seinem Vater beschwert, Sohn eines Terroristen sein zu müssen. Wenn Schaub selbstironisch die Schweizer Musikerszene aufs Korn nimmt und in aufgesetzter Baschi-Inbrunst eine Schnulze serviert, bei der man kein Wort versteht. Oder wenn die drei höchst harmonisch bandinterne Zänkereien vertonen. Kurz: Schön ist «Schön» schon, mit einer Prise mehr Punk wärs bissig gut. Corina Freudiger Bis 3. 12. Bei ihnen beklagt sich Tells Sohn Walter: Heinz de Specht. Foto: Rafaela Pichler

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