In acht Jahren zum Muskelprotz

Job, Essgewohnheiten, Ferien – Lukas Wyler ordnet dem Bodybuilding alles unter. Nun wiegt der einst schmale Zürcher 133 Kilogramm. Er ist in der Profiliga angelangt und macht unbeirrt weiter.

Lukas Wyler im Fitnesscenter, in dem er mittlerweile auch arbeitet. Foto: Urs Jaudas

Lukas Wyler im Fitnesscenter, in dem er mittlerweile auch arbeitet. Foto: Urs Jaudas

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«Arnold Schwarzenegger stand vor mir, überreichte mir den Pokal, aber ich weiss nicht mehr, was ich zu ihm gesagt habe, so geflasht war ich in diesem Moment», sagt Lukas Wyler. Vor wenigen Wochen ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Der Zürcher räumte als Bodybuilder an der Arnold Classic in Ohio ab. Er holte sich den Gesamtsieg bei den Amateuren. Damit ist er Profi und kann Profiwettkämpfe bestreiten. Gewinnt er einen solchen, qualifiziert er sich für die Mister-Olympia-Wahlen. «Wer da teilnimmt, gehört zu den Besten der Besten.»

Vor acht Jahren war das heutige Muskelpaket Wyler noch ein eher schmächtiger Jüngling, der boxte und ab und zu auf der Finnenbahn joggte. Als die Mutter ihm für den Fettabbau ein Fitnesscenter empfahl, begann er mit dem Krafttraining. «Die raschen Fortschritte motivierten mich», sagt Wyler. Training für Training, Woche für Woche wuchsen die Muskeln des Zimmermanns. Der Kraftraum wurde seine zweite Heimat, sodass sich seine Mutter Sorgen machte, er nehme ihren Ratschlag zu ernst.

Das tat er. Seinen Job als Zimmermann kündigte Lukas Wyler. Stattdessen nahm er eine Stelle in seinem Fitnesscenter David Gym in Schlieren an und widmete sich ganz dem Bodybuilding. Die Oberarme wurden dicker, der Oberkörper voluminöser. Weil er tagsüber im Fitnesscenter arbeitet, kann er seinen Tagesrhythmus genau einhalten.

Hungern vor dem Wettkampf

Aus Lukas Wyler wurde ein Muskelprotz, der selbst im Fitnesscenter auffällt, wo Schwergewichte unter sich sind. Der 28-Jährige, 1,78 Meter gross, wiegt heute 133 Kilogramm.

Er will es weit bringen in dieser Sportart, und diesem Ziel ordnet er fast alles unter. Seit acht Jahren hat er keine Ferien mehr gemacht. Es gebe Kollegen, die sagen, er sei doch verrückt und solle bremsen, sagt Wyler. «Aber ich lasse mich von nichts und niemandem von meinem Ziel abbringen.»

Nun sitzt er auf einem Sofa in der Lounge-Ecke des Fitnesscenters und erzählt, wie er sich auf die Arnold Classic vorbereitet hat. Vier Monate vor dem Wettkampf schaltet Wyler auf eine strenge Diät um, ernährt sich nach einem strikten Plan und wiegt die Mahlzeiten ab. Das Frühstück besteht aus Eiern und Haferflocken, später am Tag gibt es Broccoli, Reis und Poulet. «Auf Diät isst man immer zu wenig und hat ständig Hunger.» Dazu kommt ein Ausdauer- und Krafttraining von mindestens drei Stunden pro Tag. Dazu übt er das Posen und die Bühnenpräsentation.

In dieser Phase besteht Wylers Leben nur noch aus Essen, Training, Schlaf. So gelinge es, den Fettanteil des Körpers auf einen Minimum zu senken. Am Tag vor dem Wettkampf darf man kaum mehr essen und trinken. «Klar gibt es Momente, wo man das alles infrage stellt. Mentaler Terror. Das erlebt jeder.»

«Mit Pillen kommt keiner weit»

Beim Bodybuilden gibt es Grenzen, die sich nicht auf natürliche Weise überwinden lassen. Lukas Wyler betont aber mehrmals, dass er seinen Sport sauber betreibe. «Ich weiss, Bodybuilding geniesst in dieser Hinsicht in der Schweiz nicht den besten Ruf.» Das sei schade für eine der ältesten Sportarten. «Bodybuilding ist ein 24-Stunden-Job, wer es zu etwas bringen will, muss hart trainieren, und vor allem Geduld haben.» Mit Pillen und Pülverchen komme keiner weit.

Sein Trainer Patrick Tuor, der Bodybuilder in der ganzen Welt betreut, ist des Lobes voll über Wyler: «Lukas besitzt ein athletisches Aussehen, das ihn in der Profiliga sehr gefragt macht.» Sein kalifornischer Sonnyboylook – blonde Haare, blaue Augen – komme gut an. «Wer den wichtigsten Amateurwettkampf der Welt gewonnen hat, besitzt eine sehr gute Visitenkarte für die Profiliga.» Wyler selber ist skeptischer. «Es ist noch ein harter Weg», sagt er.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.04.2015, 19:58 Uhr

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