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Drei junge Männer sollen 17-Jährige geschändet haben

Sie waren 25 und 26 Jahre alt, als sie sexuelle Handlungen an einer jungen Frau vornahmen. Die entscheidende Frage vor dem Bezirksgericht war gestern: Befand sich das Opfer zum Tatzeitpunkt in einem «komatösen» Zustand?

Dielsdorf - Es sei wie die Wiederholung eines Fussballtors in Zeitlupe: Man schaue sich die Szene x-mal an, und es bleibe unklar, ob der Ball vor, auf oder hinter der Linie den Boden berührt habe. Auf diese Art und Weise verglich vor dem Bezirksgericht Dielsdorf gestern ein Verteidiger die Sichtung des Filmmaterials, das drei Männer im Alter von heute 26 und 27 Jahren vergangenen Mai gemacht hatten.

Mit einem Handy und einer Digitalkamera nahmen sie auf, wie der Jüngste der Gruppe eine Kollegin, die sie im Ausgang angetroffen hatten, im Vaginalbereich berührte und weitere sexuelle Handlungen vornahm. Wie auf den Aufnahmen gemäss vorsitzendem Richter klar zu hören sei, lief im Hintergrund ein Pornostreifen in voller Lautstärke. Die Filmenden holten im Verlauf der Geschehnisse zwei Objekte aus der Küche, die sie der jungen Frau vaginal einführten.

Ohne Regung vom Sofa gefallen

All dies soll gemäss Anklageschrift passiert sein, während das Opfer sich in einem «komatösen, fast leblosen» Zustand befunden habe. Davon, so der Staatsanwalt, zeichne das Filmmaterial ein klares Bild: «Sie fiel sogar vom Sofa und reagierte nicht im Geringsten, sodass sie wieder hinaufgehievt werden musste.» Der Ankläger beantragte für die Schändung Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren - nur eine davon teilbedingt.

Den Begriff «komatös» hätten die Angeklagten wohl erst während der Strafuntersuchung kennen gelernt, sagte einer der Verteidiger gestern. Rund sechs Monate wurden die Männer in Untersuchungshaft gehalten, was verhältnismässig lange ist. Während der Jüngste in der Untersuchung zugab, dass es beim Anschauen der Filmaufnahmen tatsächlich so aussehe, als ob ihre Kollegin völlig weggetreten sei, stritten die beiden anderen Angeklagten dies auch gestern ab. Die junge Frau hätte sich jederzeit wehren können und auch Reaktionen gezeigt, betonten sie. Damit sei klar gewesen, dass sie bei Bewusstsein sei und sie nichts gegen die sexuellen Handlungen habe.

Mit Drogen gefügig gemacht?

Wie das Opfer in den weggetretenen Zustand geraten sein soll, blieb gestern unbeantwortet. Der Staatsanwalt brachte das Stichwort K.-o.-Tropfen aufs Tapet. Die jungen Leute waren nämlich vom Ausgang in Zürich um etwa sechs Uhr in der Früh mit einem Taxi nach Regensdorf gefahren. Dort wohnt einer der drei Angeklagten.

Nur: Substanzen im Körper des Opfers konnten nicht nachgewiesen werden. Es meldete sich erst einen Monat nach den Geschehnissen bei der Polizei - auf Drängen einer Freundin, die mit einem der Angeklagten liiert gewesen war. Für alle am Bezirksgericht anwesenden Parteien blieb unverständlich, dass das Opfer keinerlei Ansprüche stellt und auch kein Vertreter für sie an der Verhandlung teilnahm. Eine Klärung dieser Frage konnte auch die ehemalige Pflegemutter des Opfers nicht liefern. Sie war neben zwei weiteren Zeuginnen vorgeladen worden, um die Glaubwürdigkeit der jungen Frau eruieren zu können.

Pflegefamilie nicht informiert

Die Pflegemutter geriet sichtlich in einen Gewissenskonflikt, weil sie ihren ehemaligen Zögling nicht belasten wollte. Dieser ist im November ausgezogen, denn mit der Volljährigkeit endete das Pflegeverhältnis. Über die Vorfälle in der Regensdorfer Wohnung hatte ihr die Pflegetochter kaum etwas erzählt, sodass sie das Gericht fragen musste, was denn genau vorgefallen war.

Die Anwälte der drei Männer forderten bezüglich der Schändung alle einen Freispruch. Ebenso wurde verneint, dass mit den Aufnahmen der Tatbestand der Pornografie erfüllt sei. Lediglich ein Punkt wurde vom Filmenden mit dem Handy anerkannt: Er hatte pornografische Bilder aus Thailand in die Schweiz eingeführt. Sein Anwalt forderte dafür eine bedingte Geldstrafe von 600 Franken. Nach über zehn Stunden Verhandlung wurde gestern kein Urteil mehr gefällt. Es wird den Parteien später schriftlich zugestellt.

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