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Drogenanlaufstelle gibt ihren Benutzern ein Gesicht

Die Anlaufstelle Winterthur zügelt nach langem Streit an einen neuen Standort. Zur Einweihung zeigt sie Porträts von Benutzern.

Mutig: Einer der 20 Benutzer der Anlaufstelle, die sich ablichten liess
Mutig: Einer der 20 Benutzer der Anlaufstelle, die sich ablichten liess
Anlaufstelle DAS

Am 5. April ist es so weit. Dann nimmt die städtische Anlaufstelle für suchtmittelabhängige und psychisch kranke Menschen in einem umgebauten alten Haus im Quartier Wildbach-Langgasse den Betrieb auf. Dies teilte das Departement Soziales gestern mit. Am bisherigen Standort nahe dem Bahnhof seien die Grenzen der Aufnahmekapazität seit langem erreicht. Die Besucherzahl habe vor allem nach 2008 stark zugenommen. Damals wurde die Drogen- und Alkoholszene auf dem Merkurplatz beim Manor aufgelöst.

Das Bundesgericht entschied

Der Umzug an die Zeughausstrasse war heftig umstritten. Ein Teil der Anwohnerschaft wehrte sich, und Vertreter des Quartiervereins Wildbach-Langgasse ergriffen das Referendum. Doch die Stimmberechtigten stellten sich im November 2009 deutlich hinter das Vorhaben der Stadtregierung. Auch eine Stimmrechtsbeschwerde hatte keinen Erfolg; das Bundesgericht wies sie ab. Der neue Standort wird morgen Mittwoch mit einer Feier zum 20-jährigen Bestehen der Winterthurer Anlaufstelle offiziell eingeweiht. Am 29. und 30. März sind die Türen für die Öffentlichkeit geöffnet. In dieser Zeit wird die Ausstellung «Gesichter und Geschichten» mit rund 20 Porträts von Benutzerinnen und Benutzern der Anlaufstelle gezeigt. Bemerkenswert: Deren Gesichter sind auch auf Flyern abgebildet, mit denen die Stadt über den Umzug informiert. «Wir wollen die Benutzerinnen und Benutzer so zeigen, wie sie sind, und sie der Öffentlichkeit näherbringen», begründet Cyrilla Weber, Leiterin der Anlaufstelle, die Aktion. Es gehe darum, Berührungsängste abzubauen und Verständnis zu wecken für Menschen am Rand der Gesellschaft.

«Mutiger Schritt der Benutzer»

«Die Porträts sollen zeigen: Das sind Leute wie du und ich und keine fremde Spezies.» Zudem wolle man so auf die Notwendigkeit der Anlaufstelle aufmerksam machen. Weber spricht von einem «mutigen Schritt der Benutzer», die mit ihrem Gesicht hinstehen und sich als Benutzer der Einrichtung für Drogenabhängige und psychisch Kranke zu erkennen geben. Erstaunlicherweise habe sich die grosse Mehrheit der Angefragten äusserst bereitwillig porträtieren lassen. Die Reaktionen auf das Outing seien bisher sehr positiv.

Weber sieht dies auch als Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels. In den 90er-Jahren wären solche Porträts von Süchtigen noch kaum möglich gewesen. Heute sei allgemein akzeptiert, dass es Anlaufstellen wie jene in Winterthur braucht, um Menschen mit Problemen zu helfen und auch den öffentlichen Raum zu entlasten.

Begleitgruppe soll schlichten

Damit der Betrieb am neuen Standort möglichst reibungslos verläuft, hat die Stadt eine Begleitgruppe ins Leben gerufen. Diese soll die Situation regelmässig überprüfen und sich um Anliegen der Anwohner kümmern, heisst es in der Medienmitteilung. Die Gruppe besteht aus Vertreterinnen und Vertretern des Departements für Soziales, der Stadtpolizei, der Anwohnerschaft, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und des Quartiervereins.

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