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DSKs Welt in SMS

FrankreichDer endgültige Abstieg einer einstigen Lichtfigur. Von Oliver Meiler Es braucht nicht mehr viel, und Frankreich lobpreist den Tag, den 14. Mai 2011, an dem ein Zimmermädchen eines New Yorker Hotels über die Republik kam. Das linke Nachrichtenmagazin «Le Nouvel Observateur» meint gar, Nafissatou Diallo gebühre für ihre Anzeige gegen den linken Politiker Dominique Strauss-Kahn eine nationale Auszeichnung. Die junge Dame habe verhindert, dass nach Italien auch Frankreich von einem Mann mit scheinbar unersättlicher Libido regiert würde. Nicht dass die Franzosen Puritaner geworden wären. Es ist nur so, dass DSK wegen seiner sehr überdurchschnittlich regen Lendenpulsierungen mittlerweile in Kreisen aufscheint, die sich nur schlecht mit seinen Ämtern, den getragenen und den angestrebten, vertrugen. Es sei hier erinnert, dass Strauss-Kahn bis zu jenem 14. Mai Chef des Währungsfonds war und wohl kurz davor stand, französischer Präsident zu werden. Die Polizei von Lille, die im Dossier eines Prostituiertenrings ermittelt, hat auf den Handys eines Unternehmers, der sich auf die Vermittlung leichter Damen verstand, eine Serie aufschlussreicher SMS gefunden. Es sind kurze Mitteilungen von DSK, Regieanweisungen an einen Freund, der für ihn sogenannte «parties fines», Orgien, organisierte. In Paris, Madrid, Washington, Wien, Prag, Brüssel. «Ich bringe eine Kleine nach Wien mit», schreibt DSK in einem SMS, «hast du Lust, mit einem Fräulein dazuzustossen?» Oder dieses: «Für Gand (Belgien, Red.) musst du mir schnell sagen, worum es sich handelt: einen Schuppen oder eine private Soiree?» Und: «Willst du mit mir kommen, um in Madrid einen wunderbaren, unartigen Klub zu entdecken (mit Material)?» Zuweilen fallen andere Politikernamen, oder es wird eine Hotelsuite mit Privatpool gewünscht. Nun wäre das Gezwitscher nur halb so relevant, wenn die Justiz nicht auch den Verdacht hegte, dass DSK mit der schieren Frequenz seiner Verlustigungen Komplize der Prostitution war, vielleicht gar öffentliche Gelder veruntreute, sich schmieren liess oder erpressbar machte. Die Welt jedenfalls, die diese SMS offenbaren, tilgt auch die letzte Trauer der Sozialisten um jenen Mann, der mal ihre Lichtfigur war. Ohne jede Prüderie.

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