Verliert Zürich die Asche von James Joyce? Dublin fordert Exhumierung

Die Überreste des Schriftsteller sollen vom Friedhof Fluntern zurück in sein Heimatland geholt werden.

Doch nicht die letzte Ruhestätte? Das Grab des Schriftstellers James Joyce auf dem Friedhof Fluntern, am 23. Juli 2014. Foto: KEYSTONE/Christian Beutler

Doch nicht die letzte Ruhestätte? Das Grab des Schriftstellers James Joyce auf dem Friedhof Fluntern, am 23. Juli 2014. Foto: KEYSTONE/Christian Beutler

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70 Jahre nach seinem Tod soll James Joyce einen Ort für die ewige Ruhe erhalten: Dublin, der Geburtsort des Schriftstellers, will dessen Asche zurückführen, die heute auf dem Friedhof Fluntern in Zürich aufbewahrt wird, berichtet der britische «Guardian».

Die Stadtverwaltung an der Limmat hat noch keinen offiziellen Antrag erhalten, sagt Astrid Herrmann. «Wir haben von der Anfrage durch einen Anruf einer irischen Journalistin erfahren», so die Sprecherin im Zürcher Präsidialdepartement. «Geht ein offizielles Gesuch aus Dublin ein, wird die Stadt Zürich es sorgfältig prüfen.» Eine Entscheidung treffen müsste wohl der Zürcher Stadtrat, da sich die sterblichen Überreste von James Joyce in einem von der Stadt Zürich gestifteten «Ehrengrab» befinden.

Joyce liegt neben seiner Frau

Der Autor des Romans «Ulysses» starb 1941 im Alter von 58 Jahren in Zürich, nachdem er sich einer Operation an einem Geschwür unterzogen hatte. Nach seinem Tod widersetzte sich die Republik Irland dem Wunsch des Autors, in seinem Heimatland begraben zu werden.

Laut einem Artikel vom 15. Oktober im «Guardian» will Dublin der Bitte des irischen Schriftstellers und seiner Frau Nora Barnacle nun aber nachkommen. Die beiden liegen im selben Grab und hatten mehrfach den Wunsch geäussert, für die Ewigkeit zu Hause ruhen zu können.

Dem Wunsch nachkommen

Zwei Stadträte von Dublin, Dermot Lacey und Paddy McCartan – wie die britische Zeitung berichtet – haben einen Antrag gestellt, in dem sie darum bitten, «den letzten Wunsch» von Joyce und Barnacle mit der Überführung ihrer sterblichen Überreste auf den historischen Friedhof von Dublin zu erfüllen.

Wenn der Plan erfolgreich ist, könnte die Verlegung mit dem hundertjährigen Jubiläum der Veröffentlichung von «Ulysses» im Jahr 2022 zusammenfallen. Der Roman, der als eines der Meisterwerke der literarischen Moderne anerkannt ist, war in Irland lange Zeit verboten, weil er gegen die Prinzipien der katholischen Moral verstiess.

Als Joyce starb, so der «Guardian», schickte der irische Aussenminister eine Anfrage an das diplomatische Büro in der Schweiz: «Bitte teilen Sie uns Details über den Tod von Joyce mit. Wenn möglich, finden Sie heraus, ob er als Katholik gestorben ist.» Barnacle bat später darum, die Überreste ihres Mannes zurückzubringen, aber der Aussenminister weigerte sich.

Ähnlicher Fall

Laut Stadtrat Paddy McCartan ist es angemessen, die Idee der Rückführung der Asche im Hinblick auf den Jahrestag der Veröffentlichung von «Ulysses» zu überprüfen. Er appellierte an die irischen Ministerien für Kultur und Aussenpolitik, die Regierung dazu zu verpflichten.

Es gab bereits frühere Versuche, die irischen Behörden davon zu überzeugen, die Überreste von Joyce zurückzuholen. Wie 1948, als Frankreich die Überreste von William Butler Yeats, einem weiteren irischen Dichter und Dramatiker, an die irische Stadt Sligo zurückgab – obwohl in jüngster Zeit Zweifel aufkamen, ob die Knochen tatsächlich von ihm stammten.

Schweizer James-Joyce-Foundation hat Bedenken

Auf wenig Verständnis trifft der Vorstoss bei der in Zürich beheimateten James Joyce Foundation: «Soweit ich weiss, gibt es keine Beweise, dass Joyce nach Irland zurückkehren oder dort begraben werden wollte», sagt Direktor Fritz Senn im «Guardian».

Der Antrag sei nicht ganz durchdacht, wird der Direktor weiter zitiert: Im Grab seien vier Leute begraben: Joyce, seine Frau, ihr Sohn und dessen zweite Frau, «die überhaupt keinen Bezug zu Irland hat». Die Stadt sei zudem sehr stolz auf das Grab. Aber, so Senn weiter, «ich bin selbst nicht genügend nationalistisch, um für eine Leiche auf die Barrikaden zu steigen.» (amc/sda)

Erstellt: 17.10.2019, 15:25 Uhr

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