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Edle Tropfen sind im Unterland nur selten bio

Die Nachfrage nach biologisch produzierten Lebensmitteln steigt. Bei den Weinbauern stellen jedoch nur wenige ihre Produktion um.

Von Sandra Zrinski Unterland – Die Verwendung von Schafgarbe, Kamille, Löwenzahn oder Baldrian ist für Peter Stucki ebenso geläufig wie das Ausbringen von Kuhmist oder Kompost. Der Teufener ist aber weder Kräuterdoktor noch Landwirt. Er ist Winzer und bearbeitet Boden, Rebstöcke und Trauben nach Richtlinien von Demeter. Diese gehen über die Normen für den biologischen Anbau hinaus. Bei der sogenannten biologisch-dynamischen Bewirtschaftung steht das Wohl von Mensch, Tier und Pflanze im Zentrum. Je idealer die Wachstumsverhältnisse, desto bekömmlicher sind die Produkte für den Menschen, so die Annahme. Bei den Demeter-Richtlinien wird davon ausgegangen, dass sich der Lebensraum der Pflanze von den Wurzeln unter der Erde bis in den planetarischen Raum erstreckt. Wegen dieser Philosophie wird Peter Stucki in seinem Umfeld manchmal belächelt. Aufgrund seiner äusseren Erscheinung – sportliche Shorts, Turnschuhe, schnittige Sonnenbrille – würde wohl kaum jemand darauf schliessen, dass er seinen Beruf nach einer fast esoterisch klingenden Philosophie ausübt. Radikal umgestellt Als Peter Stucki und seine Frau Karin die Parzellen übernahmen, produzierten sie ihren Wein zunächst auf konventionelle Art und Weise. «Nach drei Jahren fragten wir uns, ob wir auf Bio umstellen sollen», erzählt der gelernte Getränketechniker. Als er aber die Grundzüge des biologisch-dynamischen Anbaus kennen lernte, war er davon fasziniert. Die Umstellung dauerte drei Jahre. Damit nahm Peter Stucki auch ein gewisses wirtschaftliches Risiko auf sich. Denn die Rebsorten Pinot noir und Riesling- Silvaner sind anfällig auf den falschen und echten Mehltau: Pilze, die ganze Ernten vernichten können. Während bei der konventionellen Produktion chemische Spritzmittel erlaubt sind, heisst das rettende Mittel beim Bioanbau Kupfer. Ein Stoff also, der auch in der Natur vorkommt und deshalb verwendet werden darf. Stuckis Verbrauch liegt bei 3 Kilogramm pro Hektare und Jahr. «Und wir wollen immer weniger brauchen.» Das Kupfer scheidet in vielen Regionen die Winzer-Geister, da sich der Stoff im Boden ablagert. Felix Angst, Präsident des Weinbauvereins Zürcher Unterland, relativiert jedoch. «Früher wurden Unmengen von kupferhaltigen Spritzmitteln ausgebracht. Heute wird viel zurückhaltender gespritzt», erklärt der Wilemer. Auch bei vielen konventionellen Produktionsbetrieben würden die chemisch-organischen Mittel sparsamer verwendet. Angst ist pensioniert und bewirtschaftet zusammen mit seinem Cousin einen Rebberg. Die Herstellung des Weines übernimmt ein Kellermeister aus Neftenbach. Dass nur wenige Unterländer Winzer auf die Bioproduktion umsteigen, erstaunt ihn nicht. Die in der Region traditionellen Rebsorten Pinot noir und Riesling-Silvaner seien eine grosse Herausforderung, wenn keine konventionellen Mittel verwendet werden dürften. Und setze man neue Sorten, dauere es drei bis vier Jahre, bis man einen ersten Ertrag habe. «Man muss deshalb ganz hinter der Biophilosophie stehen und finanziell abgesichert sein, um es zu wagen.» Schliesslich müsse man in der Umstellungszeit leben können. Die Familie Huwiler aus Freienstein hat auf ihrem Hof gleich nach der Pachtübernahme 1996 auf Bio umgestellt. Der Grund dafür ist simpel: «Das ist unsere Überzeugung», sagt Rita Huwiler. Neben Ackerbau und Tierhaltung bewirtschaften die Huwilers 1,3 Hektaren Reben. Und Pinot noir ist im Rebberg nur noch auf gut einer halben Hektare zu finden. Die Familie bot Weinliebhabern und anderen Interessierten Patenschaften für einen Weinstock an. Damit finanzierten sie die Umstellung von Pinot noir auf Maréchal Foch – eine alte Rebsorte, die gegen Mehltau resistent ist. Die Idee mit den Patenschaften fand Anklang. «Rund 1000 Rebstöcke haben wir so gepflanzt.» Und es folgen weitere. Die Sorte hat sich bewährt: «Wir mussten sie bisher noch nie mit einem Spritzmittel behandeln.» Bei ihren Weinkunden stellt Rita Huwiler seltener als bei anderen Produkten fest, dass ganz bewusst Biowein gekauft wird. «Man merkt halt nur einen geringen Unterschied, was beispielsweise bei Fleisch anders ist.» Pinot schlägt den Maréchal Den Geschmack führt auch der Eglisauer Winzer Urs Pircher ins Feld. Er bewirtschaftet seine Reben konventionell. «Geschmacklich kommt ein Maréchal Foch nicht an einen Spitzen-Pinot-noir heran», so Pircher. Ebenso wenig neu gezüchtete Sorten, die pilzresistenter sind. Und auch wenn Pircher keine Biostandards erfüllen muss, geht er bei der Bodenbearbeitung durchaus in diese Richtung. Er verwendet keinen Kunstdünger, fördert Nützlinge, mäht alternierend und braucht nur dann Herbizide, wenn es wirklich Probleme gibt. «Ich gehe davon aus, dass der Boden eine entscheidende Rolle spielt.» Seit acht Jahren hat Urs Pircher aber auch eine Bioparzelle, auf der er die Traubensorte Regent pflegt. Seine Erfahrungen damit sind unterdessen positiv. In den ersten sieben Jahren seien die Wurzeln noch nicht sehr tief gewesen, sodass die Reben wenig Magnesium hatten und der Wein deshalb nicht sehr komplex war. «Mit dem Alter und den tieferen Wurzeln hat sich das geändert.» Die Geduld zahlt sich aus, aber nicht alle können diese aufbringen. Der Teufener Winzer Peter Stucki bewirtschaftet seinen Weinberg nach den strengen Demeter-Richtlinien. Foto: Nathalie Guinand

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