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Ein Abend voller Empathie und Quarktaschen

Der amerikanische Soziologe Jeremy Rifkin kam ans GDI, um über Empathie zu reden. Rund 120 Personen kamen, um ihm dabei zuzuhören.

Rüschlikon - Jeremy Rifkin gehört zu den unkonventionellen Denkern unserer Zeit. Laut dem Magazin «National Journal» gehört er auch zu den 150 einflussreichsten Intellektuellen der USA. Als Ende der 90er-Jahre noch alle von den neoliberal heilenden Kräften des Marktes sprachen, schrieb Rifkin mit «Access» ein Buch, das einen radikalen Umbruch des Kapitalismus vorhersagte.

Als die Verkäufe von Hybridautos in die Höhe schnellten, erklärte Rifkin, dass nicht der Transport, sondern die Fleischproduktion die grosse Bedrohung für unser Klima sei. Und jetzt veröffentlicht Rifkin ein viel beachtetes Buch mit dem Titel «Die empathische Zivilisation - Wege zu einem globalen Bewusstsein» (TA vom 5.2.). Jetzt, da die Regierungen der westlichen Zivilisation damit beschäftigt sind, die Scherben der Finanzkrise aufzuwischen.

Still wie in einem Schulzimmer

Um über dieses Buch zu reden, ist Rifkin am Mittwochabend in die Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) gekommen. Er sprach vor etwa 120 Zuhörern, einer Fernsehkamera und zwei Fotografen. Der eine davon kam Rifkin für dessen Begriffe zu Beginn des Vortrags offenbar zu nahe. Er wurde vom Redner angewiesen, in den hinteren Reihen des Saals Platz zu nehmen und sich ruhig zu verhalten. Er möge es still, wenn er spreche, sagte Rifkin. Still wie in einem Klassenzimmer solle es sein. Das Publikum gehorchte während der guten Stunde, die sein Vortrag dauerte, und liess keinen Mucks vernehmen.

Während dieser Zeit erklärte Rifkin - ausführlich und anhand vieler Beispiele - dass der Mensch nicht nutzenmaximierend sei, wie uns das während Jahrzehnten gelehrt wurde. Der Mensch sei eigentlich empathisch, der Homo Empathicus. Zu diesem naturgegebenen, empathischen Wesen müsse die Menschheit zurückfinden, sonst komme sie gegen Wirtschafts- und Klimakrisen nicht an und sei die menschliche Zivilisation bald am Ende.

Weisswein und Networking

Nach dem Vortrag strömte das Publikum nach unten, wo es Schwarzwurzelsuppe, Quark-Cannelloni und Autogramme des Autors gab. Beim Gespräch stellte sich heraus, dass das Publikum ein bunt gemischter Haufen aus Leuten aus dem Banken-, dem Mode- oder dem Getränkebusiness war. Leider wollte gegenüber dem TA niemand eine Aussage zum Vortrag von Rifkin machen. Das Publikum konzentrierte sich auf den ausgeschenkten Verdejo und aufs Networking. Anhand der angeregten Diskussionen, die nach dem Vortrag stattfanden, lässt sich aber immerhin sagen, dass Rifkins Gedanken intellektuell Widerhall auslösten. Oder vielleicht war man auch einfach nur froh, wieder in normaler Lautstärke sprechen zu dürfen. Der Mensch müsse zu seinem empathischen Wesen zurückfinden, sagte Jeremy Rifkin im GDI. Foto: Patrick Gutenberg

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