Zum Hauptinhalt springen

Ein bedeutendes «Kistli mit Hörnli»

Der Salzburger Stier ist ein Unterländer. Die Trophäe des renommierten Kleinkunstpreises wird in einer Theaterwerkstatt in Freienstein hergestellt.

Von Karin Wenger Freienstein-Teufen – Michel Gammenthaler, Franz Hohler, Simon Enzler, Emil Steinberger oder Ferruccio Cainero – sie alle durften den Salzburger Stier schon einmal entgegennehmen. Und immer war die Stiftung Märtplatz aus Freienstein dabei – indirekt: Seit acht Jahren wird die Trophäe, ein stilisierter Stierkopf, in der Ausbildungsstätte für «Jugendliche mit Startschwierigkeiten» hergestellt. Dieses Jahr wird der Salzburger Stier bereits zum 30. Mal an Kabarettisten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich verliehen. Die Schweizer Preisträger heissen Knuth und Tucek. Doch bis die Preisträger am 20. und 21. Mai in Potsdam die Trophäen entgegennehmen dürfen, wird in der Werkstatt des Märtplatz noch geschliffen, geschnitzt, bemalt und geklebt. In der Theaterwerkstatt der Stiftung Märtplatz wird er geboren – der Salzburger Stier. «Es ist einfach ein ‹Kistli› mit ‹Hörnli›», beschreibt ihn Jürg Bingler «Binggis» in klangvollem Baseldeutsch. Seine Stimme ist vielen Hörern von DRS 1 noch im Ohr. Dem ehemaligen Unterhaltung-Redaktor ist es zu verdanken, dass der Auftrag an den Märtplatz ging. Holz statt Plastik Vor 30 Jahren war der Preis von der Arbeitsgemeinschaft für Unterhaltung deutschsprachiger Sender (Auds) ins Leben gerufen worden. In den ersten Jahren fanden die Vergaben jeweils in Salzburg statt. Seit 1997 wechseln sich die beteiligten Länder ab. Bingler arbeitete damals noch beim Radio und gleichzeitig beim Märtplatz, wo er die Journalistenwerkstatt mitbetreut. Als die Schweiz mit der Organisation an der Reihe war, machte er den Vorschlag, die Preise im Märtplatz herzustellen und stiess auf offene Ohren. Zurzeit sind die «Stiere» für die Preisverleihung in Potsdam vom 20. und 21. Mai in Arbeit. Seit Anfang Februar arbeitet Bruno Bissegger mit seinen Lehrlingen an den Preisen. Die neun Holzkistchen mit den dazugehörigen Deckeln liegen in Reih und Glied auf einem Tisch. In einer Schachtel warten die 18 Stierhörnchen darauf, angeklebt zu werden. «Der Modellstier, den wir damals bekamen, hatte Kunststoffhörner. Diese konnten wir hier nicht anfertigen, ausserdem fanden wir sie nicht so schön», sagt Bissegger. Für die Märtplatz-Stiere hat deshalb einer der Lehrlinge Holzhörnchen geschnitzt. Nicht jedes Jahr wurde der Preis in Freienstein hergestellt. «Ein Jahr hatten wir einen Unterbruch.» Da seien die Preise in Deutschland angefertigt worden. Wieso weiss Bissegger nicht. Ein Missverständnis Anina Barandun, Redaktorin bei Radio DRS, weiss es. «Es war ein Missverständnis», sagt sie. Die damaligen Organisatoren in Deutschland meinten, sie müssten den Preis selber herstellen. Allerdings sei das Resultat nicht so schön gewesen wie die «Stiere» des Märtplatz.Und so wird seither jedes Jahr im Februar in der Theaterwerkstatt gesägt, geschliffen, geschnitzt und lackiert, bis die schwarz glänzenden Trophäen ihrem neuen Besitzer übergeben werden könne. Zu den Schweizer Preisträgerinnen dieses Jahres, Nicole Knuth und Olga Tucek, hat Bissegger eine besondere Beziehung. «2003, als sie noch völlig unbekannt waren, sind sie zum 80. Geburtstag meines Schwiegervaters aufgetreten», erzählt er. Später waren Knuth und Tucek auch auf der Theaterbühne der Stiftung Märtplatz zu Gast. «Es war ein witziges und tiefgründiges Programm – musikalisch sind die beiden einfach hammergut», sagt der ausgebildete Schauspieler. Nächster Auftritt der Schweizer Gewinner Knuth und Tucek am Freitag, 11. März, 20.15 Uhr, Kleintheater Mettlen, Dorfstrasse 4, Opfikon. www.knuthundtucek. Noch sind die Körper der diesjährigen Salzburger Stiere jungfräulich weiss. Bevor sie schwarz lackiert werden können, müssen sie von Werkstattleiter Bruno Bissegger (links) und Schnupperstift Nicolas Wickli angeschliffen werden.Foto: Sibylle Meier

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch