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Ein junger Mauerbrecher, ganz gross im Bild

Nicolas Sarkozy, wenigstens so viel scheint festzustehen, reiste im historischen Jahr 1989 nach Berlin - an die Mauer, mit Spitzhacke. Ein Foto auf seiner Facebook-Seite zeugt davon. Sarkozy war damals 34 Jahre alt, ein junger Politiker voller Ambitionen, Vize-Generalsekretär des gaullistischen RPR.

Nur, wann genau war er in Berlin? In der Bildlegende schreibt Frankreichs Präsident: «Am Morgen des 9. Novembers beschäftigten uns die Neuigkeiten, die uns aus Berlin erreichten und die von der Wende in der geteilten Hauptstadt (sic!) Deutschlands kündeten. Und so entschieden wir uns mit Alain Juppé, dass wir an dem Ereignis, das sich abzeichnete, teilnehmen wollten.» Dann folgt die enthusiastische Beschreibung seiner Spitzhackenschläge gegen die Mauer im Bad einer ausgelassenen Menschenmenge - lies: historische Schläge eines Mannes, der bald selber Geschichte schreiben würde und der schon in jungen Jahren am richtigen Ort zur richtigen Zeit war. Ein Mauerbrecher der allerersten Stunde also.

Doch war er das tatsächlich? Oder ist Sarkozy ein Geschichtsklitterer in eigener Sache? In Frankreich sind die Zweifel gross an der Darstellung des Präsidenten. Nicht nur in den Medien und in den Blogs. Parteikollege Alain Juppé etwa, später Premier, mag sich nicht mehr an das genaue Datum der Reise erinnern - 10., 11. oder 16. November? Der konservative, den Gaullisten nahe «Figaro» hilft nach: Juppé, so gehe aus den Archiven hervor, habe am 9. November 1989 an einer Veranstaltung zum Todestag von General de Gaulle teilgenommen, und zwar «mitsamt aller Gaullisten von Rang». Da gehörte Sarkozy zweifellos bereits dazu.

Was nun? Das Elysée bestand am Montag auf der Version des Chefs und animierte damit wohl die Rechercheure der Republik zu ausgiebigen Nachforschungen in der Akte Mauerbrecher. Oliver Meiler, Marseille Nicolas Sarkozy will vor 20 Jahren geholfen haben, die Mauer zu Fall zu bringen.

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