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Ein launiger Blick zurück in die Stäfner Vergangenheit

Der Geschichte von Stäfa auf den Grund zu gehen, ist spannend. Davon konnten sich am Samstag neue und auch alteingesessene Dorfbewohner überzeugen.

Stäfa. - Andrew Chau und seine Frau Emely stehen in der Frohberg-Sporthalle in Stäfa etwas verloren da, derweil das zweijährige Töchterchen Skye mit grossen Augen die Umgebung mustert. Der gebürtige Chinese aus Hongkong arbeitet als Software-Spezialist bei einer Grossbank, hat in Stäfa ein Haus gekauft und wird jenen 585 Leuten zugerechnet, die seit August letzten Jahres nach Stäfa gezogen sind.

Chau und seine Familie sind unter den rund 140 Teilnehmern, die sich am Samstagmorgen zum traditionellen Neuzuzüger-Empfang eingefunden haben. Der vom Verkehrsverein organisierte Anlass soll dazu beitragen, dass sich die neuen Bürger möglichst schnell in der noch nicht so vertrauten Umgebung heimisch fühlen.

Dorfgeschichte packend erzählt

Auch Steffen Rehwinkel, geboren in Lauta bei Dresden, ist erschienen. Der Deutsche zügelte im März von Männedorf nach Stäfa. «Hier zu leben, ist sehr angenehm», sagt er. Die Familie Jäger schliesslich - mit Vater Adrian, Mutter Marianne und Töchterchen Rahel - wechselte die Seeseite; sie lebte zuvor in Adliswil.

Zwischen Apéro und Mittagessen heissen einige Redner die Neuankömmlinge willkommen. Gemeindepräsident Karl Rahm begrüsst sie, ebenso die lokalen Vertreter der beiden Landeskirchen, der Schule, des Gewerbes und des Rebbaus.

Den längsten Vortrag behält sich indes der Historiker Theo Wyler vor. Der 66-Jährige gebürtige Berner, der seit 35 Jahren in Stäfa wohnt, erzählt in launigen Worten von der Vergangenheit des Dorfs. Er schildert die Historie um «Vreneli», um die heilige Verena, die das Stäfner Wappen ziert und als Schutzheilige aller Quellen galt. Andrew Chau hört gespannt zu. «Wer die Vergangenheit erkennt, vermag auch die Zukunft zu erkennen», sagt er später, den Exkurs von Wyler in die Stäfner Geschichte zusammenfassend.

Historischer Dorfrundgang der SVP

Einigermassen staunend nimmt Steffen Rehwinkel aus den Worten des Historikers zur Kenntnis, dass sich ein berühmter Landsmann von ihm bereits Ende des 18. Jahrhunderts in Stäfa niedergelassen hat, wenn auch nur für kurze Zeit. Wyler erzählt die bekannte Geschichte von Johann Wolfgang Goethe, der auf seiner zweiten Reise nach Italien in Stäfa einen Zwischenstopp einlegte. Jetzt weiss der Zuzüger, warum es an seinem neuen Wohnort eine Goethestrasse und eine Goethe-Sitzbank gibt.

Beim abschliessenden Mittagessen und einem guten Tropfen Wein aus den heimischen Rebbergen knüpft die gesellige Runde der Neuankömmlinge gleich erste Kontakte unter sich. Für Theo Wyler ist der Arbeitstag aber noch nicht beendet. Um 14.30 Uhr findet er sich beim Schulhaus Kirchbühl ein. Erneut wird er über die Geschichte von Stäfa referieren, diesmal auf Einladung der SVP Stäfa, die zum traditionellen historischen Dorfrundgang eingeladen hat. Gekommen sind Parteimitglieder, Freunde und Bekannte sowie historisch Interessierte.

Brennpunkt «Stäfner Handel»

Auch SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli macht seine Aufwartung. Die Anwesenheit des in Stäfa aufgewachsenen Politikers irritiert Wyler ein wenig. «Vor mir steht einer, der noch viel besser über die Geschichte von Stäfa Bescheid weiss», sagt er zur Begrüssung. Historiker Mörgeli winkt ab und gibt seinem Kollegen zu verstehen, dass er gerne nur zuhören möchte. In seinen Publikationen schrieb Mörgeli auch über den brisanten «Stäfner Handel». Dieser Historie nimmt sich Wyler nun an. Er schildert die Zeit im ausgehenden 18. Jahrhundert, als Stäfa Brennpunkt jener Bewegung war, die gleichen Rechte für die Leute vom Land verlangte, wie sie die Bürger der Stadt Zürich genossen.

Die Stadt wollte von den Forderungen allerdings nichts wissen. Schlimmer noch: Die Obrigkeit sandte Truppen nach Stäfa und nahm die Rädelsführer fest. Ein Denkmal - «der Patriot» - erinnert an die Anführer des Aufstandes, an Heinrich Neeracher, Hans Kaspar Pfenninger und Johann Jakob Bodmer. «Die Stäfner waren halt aufmüpfig, hoffentlich bleibt das so», sagt Mörgeli dazu.

Rundgang mit Theo Wyler, Christoph Mörgeli und SVP-Vize Peter Frey.

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