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Ein Neubau muss jetzt auch aerodynamisch sein

Das neue Schulgebäude am Borrweg soll als Vorbild für Stadtklima-gerechte Bauweise dienen. Das Zauberwort: Kaltluftströme.

Die neue Schule am Borrweg ist kompakt und luftdurchlässig geplant.
Die neue Schule am Borrweg ist kompakt und luftdurchlässig geplant.
Visualisierung

In Zürich haben Bauvorhaben immer mit einer gewaltigen Liste an Vorschriften zu kämpfen. Mal schiebt der Denkmalschutz einen Riegel vor, mal bringt eine geschützte Tierart alle Projekte zum Scheitern. Und jetzt mischt sich auch noch die Luft selbst ein. In Zeiten immer heisserer Sommer stellt ein schweissfreies Stadtklima Bauplaner vor ganz neue Aufgaben. Eines der Beispielprojekte ist der Ersatzneubau der Schulanlage Borrweg am Friesenberg.

Häuser blockieren Zürichs natürliche Klimaanlage

Seit ein bis zwei Jahren stehen auch die sogenannten Kaltluftströme für Planer im Rampenlicht. Das sind Luftmassen, die von den Berghängen rund um Zürich ins Tal strömen und so auf natürliche Art und Weise die Stadt angenehm abkühlen. Diese Kaltluftströme stehen vor allem mit Einem im Clinch: dem Amt für Hochbauten. Denn mit jedem verdichteten Gebiet und jedem neuen Gebäude, das quer zum Berghang erbaut wird, schwächt sich der Luftstrom ab.

Beim Architekturwettbewerb am Borrweg wurde der Fokus stark auf das Thema Stadtklima gelegt. Schliesslich wird das voraussichtlich 2025 fertiggestellte Schulhaus quasi mitten in der Brandung eines der grossen Ströme Zürichs stehen, der an heissen Sommertagen kühlende Luft bis ins Sihlfeld transportiert. Einige der 84 Konzepte standen horizontal zum Berghang und blockierten damit wie ein Wall die Kaltluft. Das war nach Aussage des Juryvorsitzenden und Architekten Benjamin Theiler einer der Gründe, warum sie am Ende nicht den Wettbewerb gewannen.

Ein vorbildliches Schulhaus

Der endgültige Siegerentwurf hingegen gab sich kompakt und vor allem vertikal zum Berghang. Bei der offiziellen Vorstellung Anfang Jahr hob André Odermatt, Vorsteher des Hochbaudepartements, die stadtklimatischen Einflüsse gegenüber allen anderen Faktoren wie Kosten, Raumangebot, Lichteinfall oder Gestaltung besonders hervor. Jeder Vorschlag wurde in eine Klimasimulation eingespeist und analysiert. Bei dem Siegerprojekt namens «Apollo» wurde der wertvolle Kaltluftstrom mit am wenigsten beeinflusst.

Der Siegerentwurf des Borrweg-Schulhauses (gestrichelte Linie) ist besonders durchlässig für Frischluft vom Uetliberg (links unten). Bild: Hochbaudepartement
Der Siegerentwurf des Borrweg-Schulhauses (gestrichelte Linie) ist besonders durchlässig für Frischluft vom Uetliberg (links unten). Bild: Hochbaudepartement

Der Verlauf der Schulhausplanung könnte in Zukunft beispielhaft für viele Projekte in «klimasensiblen Gebieten» wie den Hängen des Uetlibergs sein. Im Begleitheft des Projektwettbewerbs heisst es schliesslich, Schulbauten wie der Borrweg sollen eine «wichtige Vorbildfunktion» haben. «Zukünftige Neubauten sollen mit dem Masterplan vereinbar sein», betonte Odermatt im Hinblick auf kommende Projekte.

Ein Klima-Masterplan

Mit dem Begriff «Masterplan» bezieht er sich auf den «Masterplan Umwelt 2017–2020» der Stadt Zürich, der alle Departemente auf umweltpolitische Ziele hin ausrichten soll. Aktuell setzt der Plan zwar einen der Schwerpunkte auf das Thema Stadtklima, dort geht es aber konkret um die Begrünung und Vermeidung versiegelter Flächen, auf denen sich sonst die Hitze staut. «Kaltluftströme» erwähnt der Plan derzeit noch mit keinem Wort.

«Es wird jedoch schon jetzt in die Planungen mit einbezogen,» sagt Anita Meier vom Umweltdepartment. Mitte März wollen Tiefbau-, Hochbau- und Umweltdepartment unter dem Titel der «Fachplanung Hitzeminderung» einen ausführlichen Leitfaden präsentieren.

Wie wichtig soll die Vorgabe in Zukunft sein?

Da der aktuelle Masterplan dieses Jahr ausläuft, werden die Ergebnisse der Fachplanung zu Kaltluftströmen voraussichtlich im nächsten Plan bereits einen festen Platz erhalten, so Anita Meier über die Zukunftsplanung. Wie genau, das muss noch entschieden werden. Im Richtplan der Stadt sind Massnahmen seit einigen Monaten auch nur sehr vage formuliert. Ziel sei, dass «die Tal- und Hangabwinde ins Stadtgebiet angemessen erhalten werden» sollen. Genaueres wurde jedoch noch nicht ausgearbeitet.

Es gibt auch kritische Stimmen dazu, die Baufreiheit weiter zu verengen. SVP-Fraktionschef Roger Bartholdi befürwortet zwar grundsätzlich eine Prüfung der Kaltluftströme und der Auswirkungen von Neubauten auf das Stadtklima. Doch man solle es nicht zu sehr über andere Faktoren priorisieren. «Stur nach dem Plan zu gehen, ist nicht die Lösung», betont er. «Momentan gibt es so viele Anforderungen: 2000 Watt, CO2-Neutralität, Bau- und Zonenordnung. Und jetzt kommt das alles mit der Luft noch dazu.» Das Klima habe durchaus seine Wichtigkeit, doch solle man vorsichtig damit sein, immer mehr Restriktionen zu fordern.

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