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Ein Park macht noch kein Zentrum

Das magische Jahr in Volketswils Geschichte ist 1967. Das Bundesgericht zwang die Gemeinde zu Einzonungen, die einen Bauboom auslösten. Der neue Griespark könnte der Anfang sein für die Entwicklung eines Ortszentrums.

Volketswil - Fast 17 000 Menschen leben heute in Volketswil. Dennoch behauptet heute niemand ernsthaft, dass die seit 1932 aus den fünf Ortsteilen Gutenswil, Hegnau, Kindhausen, Volketswil und Zimikon bestehende Gemeinde eine Stadt sei. Zu offensichtlich sind die fehlenden urbanen Elemente. So hat Volketswil beispielsweise keinen eigenen Bahnhof und ist damit die grösste Schweizer Gemeinde mit diesem Makel. Das in den Boomjahren der 1960er- Jahre entstandene Einkaufszentrum Zänti an der Zentralstrasse wirkt von aussen wie eine Trutzburg - nach innen orientiert und wenig einladend. Ein anderes (Einkaufs-)Zentrum mit gleichem Charakter ist das 1984 im Industriegebiet zwischen Hegnau und Zimikon eröffnete Volki-Land, das aber mehr regionales denn lokales Einkaufszentrum ist. Zudem schneidet die 1975 eröffnete Autobahn A 53 den Ortsteil Hegnau mitten entzwei. Am augenfälligsten aber ist das Fehlen eines funktionierenden Ortszentrums. «Volketswil hat zwar einen historischen Dorfkern», sagt StadtentwicklerPeter Kotz, «dieser ist aber weitgehend ohne Versorgungsfunktion.» Ähnlich verhält es sich mit den Kernen der vier anderen Ortsteile. Hegnau, Volketswil und Zimikon sind inzwischen räumlich zusammengewachsen. Einen gemeinsamen Kern haben sie indessen nicht entwickelt. Mit dem im August eröffneten Griespark könnte sich dies wenigstens teilweise ändern. Der 140 000 Quadratmeter grosse Gries-Park hat das Zeug, zum zentralen Ort für Freizeit und Erholung in der Gemeinde zu werden. Eine grosszügigere Parkanlage findet sich weitherum nirgends - auch nicht in bedeutend grösseren Gemeinden der Region.

Die Siedlungsstruktur bleibt allerdings das Problem Volketswils: Ein gemeinsames Zentrum fehlt. Das ist eine Folge des Baubooms, der 1967 einsetzte. Noch 1965 zählte die Gemeinde 2800 Einwohner. Bereits zu Beginn der Dekade hatten die Volketswiler Behörden aber erkannt, dass Volketswil unter zunehmenden Druck privater Bauherren geraten würde. Denn die kritische Situation im Agrarsektor bewog viele Bauern zum Verkauf von Landwirtschaftsland. Darin sahen Spekulanten wie Ernst Göhner ihre Chance. Sie kauften billiges Agrarland und hofften auf dessen spätere Einzonung. Nur so konnten gewinnorientierte Unternehmer - auch im Interesse künftiger Mieter - zu günstigem Bauland kommen. Eingezontes Land war zu teuer für den Bau kostengünstiger Wohnungen.

Das Versagen der Raumplanung

Mit einem restriktiven Zonenplan wollte der Gemeinderat verhindern, dass Spekulanten die Ortsplanung vor vollendete Tatsachen stellten - vergeblich. Die Gemeindeversammlung vom 2. April 1965 lehnte die Einzonung des 60 Hektaren grossen Sunnebüels zwar deutlich ab. Die Göhner AG zog den Fall aber bis vor Bundesgericht weiter und erhielt dort 1967 Recht. Damit begann die stürmische Entwicklung des Bauerndorfs zur Agglomerationsgemeinde. 1975 zählte Volketswil bereits 10 000 Einwohner.

Der Fall Volketswil zeigt exemplarisch das Versagen der Raumplanung. In der ideologisch aufgeladenen Zeit des Kalten Krieges wurden Eigentumsrechte noch stärker als heute über die gemeinwirtschaftliche Planung gestellt. Die Folge waren grenzenlose Wachstumseuphorie und eine ungezügelte Bautätigkeit.

Der Volketswiler Richtplan von 1969 war für eine Stadt mit 30 000 Einwohnern ausgelegt. Die Ölkrise von 1974 brachte dann aber die Ernüchterung. Die Bautätigkeit verlangsamte sich deutlich. «Der Richtplan von 1990 rechnet mit maximal 20 000 Einwohnern», sagt der Volketswiler Bausekretär Klaus Vetter. Daran werde auch eine allfällige Überbauung des Militärflugplatzes, der zu einem Drittel auf Volketswiler Boden liegt, nichts grundlegend ändern.

Noch ist nicht alles verloren

Auch wenn der Bauboom Ende der 1960er-Jahre von privaten Unternehmern getragen wurde - der öffentlichen Hand war es vorbehalten, mit dem Bau des Wallbergs den einzigen baulichen Glanzpunkt mit Zentrumsfunktion in Volketswil zu setzen. Nachdem der alte Löwen an der Chilegass mit seinem Saal für die rasch wachsende Gemeinde zu klein geworden war, entschloss sich der Gemeinderat zum Bau eines neuen Gemeindesaals. Noch heute ist der von den Volketswilern liebevoll «Säulenpalast» genannte Bau der Ort, wo man isst, wo sich Vereine treffen und wo Theater gespielt wird. Auch nach 40 Jahren ist der Wallberg zentraler Teil des Volketswiler Ortsbildes. «Mit dem Wallberg ging Volketswil einen innovativen Weg», anerkennt Stadtplaner Peter Kotz. «Der rote Backsteinbau wurde zu einem starken Identitätsort.»

Die Zukunftsperspektiven Volketswils beurteilt Kotz vorsichtig positiv. Mit dem Griespark sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung erfolgt. Damit sich die Wohnbevölkerung aber noch stärker mit der Gemeinde identifiziere, hätten die Behörden noch weitere Aufgaben anzupacken. «Eine besteht darin, den historischen Ortsteil Volketswils zu einem belebten Zentrum mit Läden, Beizen, Gewerbebetrieben und allenfalls einer Flanierzone zu entwickeln», sagt Kotz. Eine andere Herausforderung» sieht er beim Einkaufszentrum. «Die nahe gelegene Park- und Wasserlandschaft des Gries steht in krassem Widerspruch zum völlig introvertierten Zentrum. Da besteht Handlungsbedarf.» Die Wohnblöcke und das Einkaufszentrum Volketswil wirken zum Griespark hin wie eine Wand, was dessen Grosszügigkeit schmälert. Foto: Nathalie Guinand

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