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Ein Parteilogo im Plakat ist wie Hundedreck am Schuh

Die Niederlage von SVP und SP ist ein Sieg der Parteilosen.

Der Grüne Robert Brunner vergleicht das Parteilogo – sei es SP oder SVP – auch mit einem «Hundedreck am Schuh»: Wahlplakate in Höri.
Der Grüne Robert Brunner vergleicht das Parteilogo – sei es SP oder SVP – auch mit einem «Hundedreck am Schuh»: Wahlplakate in Höri.
PD

Es gibt zwei saloppe Sprüche, die alles erklären zu den Zürcher Gemeindewahlen vom Wochenende. «Die Wahl in den Gemeinderat ist wie ein Schrotschuss in die Agenda.» Und: «Ein Parteilogo im Wahlplakat kostet in einer Landgemeinde 100 Stimmen.» Der erste Spruch stammt vom ehemaligen Rümlanger Gemeindepräsidenten Werner Bosshard. Gemeinderat ist ein Knochenjob mit sehr vielen Verpflichtungen. Viele der Besten haben keine Zeit. Pensionierte sind keine Alternative – sie wurden häufig abgewählt.

Skilager als Stolperstein

Der zweite Spruch ist vom Grünen Robert Brunner aus Steinmaur. Er vergleicht das Parteilogo – sei es SP oder SVP – auch mit einem «Hundedreck am Schuh». Parteien stinken zwar nicht, aber sie verkörpern Macht, Bürokratie, Verpflichtung, Mitgliederbeiträge, Image – und Verantwortung.

In der SVP-Gemeinde Bülach haben die Bürgerlichen zum Sparen die Skilager gestrichen – SVP-Politiker mussten büssen. Ein halbes Dutzend profilierte SVP-Gemeinderäte wurden allein im Unterland abgewählt und häufig durch Parteilose ersetzt. Wähler entscheiden sich nach dem Motto «Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss». Sie wählen lieber einen Parteilosen, den man nicht kennt, als einen aus einer traditionellen Partei. Das ergibt für die Kandidaten zumindest mathematisch Sinn. Wo die SVP einen Wähleranteil von 40 Prozent hat, haben Parteilose bessere Chancen – sie sind für die übrigen 60 Prozent wählbar.

Der SVP geschadet hat einerseits das Verhalten einiger ihrer Scharfmacher – Ex-Kurator Mörgeli, Fast-Bundesrat Zuppiger, die Fehrs mit ihrer illegalen Putzfrau oder die Sesselkleber im Nationalrat. Daneben wirkt die SVP auf kantonaler Ebene schläfrig und vor allem mit sich selber beschäftigt. Parteipräsident Alfred Heer scheint als Fremdenführer im Europarat aktiver denn als Antreiber der Partei. Kreative kantonale Ideen zu den Themen Finanzen, Migration oder Verkehr fehlen. Die Initiative zur Abschaffung der Härtefallkommission allein ist kein Wahlknüller.

Der SVP geschadet hat auch eine alte Schweizer Eigenheit: Wer den Kopf zu hoch hinausstreckt, der bekommt eins auf den Deckel. Wer in der Gemeinde zu viel Macht hat und sich verfilzt, wird abgestraft.

Die «klugen Köpfe» der FDP

Umgekehrt nützt heute diese Schweizer Marotte der FDP. Die Filz-Macht-Abzocker-Generation ist ausgemustert. Die Partei muss nicht mehr büssen. Jeder noch so kleine Zuwachs der FDP – auf tiefem Niveau zwar – wird nach jahrzehntelangem Bashing als Trendwende gefeiert. Dazu kommt eine Eigenschaft der FDP, die mehr als ein alter Wahl­slogan ist: ihre klugen Köpfe. Wer in Niederhasli oder Oberweningen der FDP beitritt, tut dies nicht, weil er einsam ist und Anschluss sucht. Sondern schlicht, weil er Karriere machen will. Wer sich dagegen der SVP anschliesst, tut dies aus Ideologie, Tradition und Gemeinschaftsgefühl. Das ist ein Grund, weshalb die FDP einen im Vergleich zur Wählerstärke weit höheren Anteil an Exekutivpolitikern hat.

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