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Preisgekröntes Bier vom Zürichsee: Der Seebueb aus der Flasche

Kaum auf dem Markt, hat eine Brauerei vom Zürichsee zwei wichtige Auszeichnungen gewonnen.

Die Seebueb-Brauer: Ueli Merz (links), Michael Frötscher (oben) und Braumeister Matthias Bosshard. Bilder: Andrea Zahler
Die Seebueb-Brauer: Ueli Merz (links), Michael Frötscher (oben) und Braumeister Matthias Bosshard. Bilder: Andrea Zahler

«Süffig» ist das Wort, das Ueli Merz am meisten braucht, wenn er über seine Biere spricht. «Süffig» sollen seine Biere sein. Also Trinkfreude auslösen, aber doch nicht zu sättigend sein, dass man nach einem Fläschchen bereits das Gefühl hat, der Bauch sei so voll, dass man kein zweites mehr mag.

Seine Biere, die er unter der Marke Seebueb herausgibt, heissen «Fräche Siech», «Süffel» oder «Chöpfler». Mit dem «Schumchrönli», einem Pale Ale, und dem «Sturmfock», einem Porter, hat der Meilemer diese Woche am renommierten Bierwettbewerb «Meininger's International Craft Beer Award 2019» im deutschen Neustadt zwei Goldmedaillen gewonnen.

Hat die Goldmedaille gewonnen: Das Porter der jungen Brauerei in Hombrechtikon.
Hat die Goldmedaille gewonnen: Das Porter der jungen Brauerei in Hombrechtikon.

Und das nicht einmal ein Jahr nachdem Merz die Brauerei eingerichtet und mit seinem Braumeister Matthias Bosshard das erste Bier in der eigenen Anlage in Hombrechtikon gebraut hat. Am Wettbewerb des Deutschen Fachverlags, der auf Weinpublikationen spezialisiert ist, haben die Juroren über 1200 Biere von 250 Brauereien aus 29 Ländern bewertet.

Ein Million investiert

Kleine, unabhängige Brauereien sind seit Jahren trendig, die Branche wächst, es herrscht grosse Konkurrenz und ein harter Preiskampf. Dennoch wagte der 54-jährige Ueli Merz letzten Sommer den Schritt zum Unternehmer.

Eine Million Franken steckt in der Brauerei Seebueb, die sich in einer Fabrikhalle am Rande von Hombrechtikon eingerichtet hat. Merz liess sie von der Sudkraft GmbH in der Steiermark erstellen. Das investierte Geld sei alles privat, was ihm die Freiheit für Entscheide gebe, sagt er. Die nächste Anschaffung steht bereits an: Für 150'000 Franken will er die Wasseraufbereitung optimieren und einen Teil der kleineren Tanks ersetzen, um die Kapazität zu erhöhen.

Dieses Jahr wird Merz rund 700 Hektoliter Bier verkaufen. Schon bald sollen es 1000 Hektoliter sein. Damit sich der Betrieb rechnet, muss die Brauerei 1500 Hektoliter produzieren. In zehn Jahren will er schwarze Zahlen schreiben.

700 Hektoliter Bier abgefüllt: Die Anlage in der Brauerei Seebueb.
700 Hektoliter Bier abgefüllt: Die Anlage in der Brauerei Seebueb.

Mit seiner derzeitigen Produktion befindet sich Merz bereits unter den 100 grössten Brauereien der Schweiz. Registriert sind mittlerweile weit über 1000. Seinen beiden Mitarbeitern bezahlt er normale Löhne: Braumeister Matthias Bosshard arbeitet zu 80 Prozent, Michael Frötscher zu 40 Prozent. Merz selber zahlt sich 1500 Franken pro Monat aus.

Vom Badi-Beizer zum Bierbrauer

Die Idee mit seinem «Seebueb»-Bier verwirklichte Merz, als er 2014 die Beiz in der Seebadi Meilen übernahm und drei Sommer lang führte. Er wollte ein eigenes Bier ausschenken. Zuerst verkaufte er ein «Etikettenbier», wie es in der Fachsprache heisst: Merz liess seine «Seebueb»-Etikette von einer Brauerei auf deren Flaschen kleben. Später arbeitete er mit der Brauerei Uster zusammen, die ein Bier für ihn produzierte.

Als er das Wirten 2017 aufgab, stellte sich die Frage nach seiner beruflichen Zukunft. 20 Jahre lang hatte er zuvor als Journalist gearbeitet, in die «marode Branche» mochte er nicht mehr zurückkehren, zumal er sich im Alter von 52 Jahren kaum mehr Chancen ausrechnet, eine Stelle zu finden. Darum setzt er voll aufs Bierbrauen. Und sucht vorerst eine Halle, um die Brauerei einzurichten. In Meilen, wo er wohnt, wurde er nicht fündig.

Regional gebraut für die Region

Den Standort Homrechtikon hält der Jungunternehmer heute für ideal. «Das Dorf liegt zwar nicht direkt am See, hat aber Seeanstoss, zudem öffnet sich die Gemeinde hin zum Hinterland», sagt Merz. Das sind exakt die beiden Märkte, auf die er abzielt. Zum einen sind es all die Ortschaften, Dörfer und Gemeinden rund den Zürichsee. Zum anderen das Oberland mit Regionen wie dem Tösstal.

Kein Interesse hat der Brauereibesitzer, einzelne Kartons mit Bier nach Genf, Paris oder gar nach Übersee zu verkaufen – wie das andere Kleinbrauereien gerne machen, um sich in der Szene national oder international zu vernetzen. Er will ein Bier aus der Region für die Region machen. Und er geht auch bei der Philosophie einen ganz anderen Weg als viele der Firmen, die ihre Produkte als «Craft Beer» bewerben und verkaufen. Oft gestalten diese ihre Dosen und Flaschen mit schwarz-weiss bedruckten Etiketten und geben den Produkten dämonenhafte Namen aus dem Heavy-Metal-Umfeld.

Und das Seemeitli?

Merz dagegen baut seine Marke bewusst freundlich und mit etwas Schalk auf. Darauf verweist als Erstes der Name: der Ausdruck Seebueb. Der Begriff geht auf das 18. Jahrhundert zurück und bezeichnet junge, aufmüpfige und gesellige Kerle aus der Gegend am Zürichsee, die sich gegen die städtische, konservative und regierende Oberschicht aus der Stadt wehrten. Im Logo zeigt Merz nun einen solchen Jüngling: fröhlich, unabhängig, sonnengebräunt und mit Matrosenkäppi. Übrigens hat sich Merz auch den Namen Seemeitli gesichert: Er kann sich vorstellen, darunter Süssgetränke zu verkaufen.

Auch bei den Bieren unterscheidet sich Merz von vielen trendigen Anbietern. Er verzichtet auf allzu bittere Gebräue wie ein Doppel-IPA. Er strebt frische, naturbelassene Biere an – unfiltriert und unbehandelt, also auch nicht pasteurisiert. «Meine Biere sollen rund sein, man soll sie gerne trinken», sagt er. Süffig halt.

Direktverkauf ab Brauerei, Etzelstrasse 30, Hombrechtikon; Liste mit «Seebueb»-Verkaufsstellen unter www.seebueb-bier.ch/shop

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