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Ein Stich ins Wespennest

Gemäss Planungsleitbild Zürcher Oberland sollen sich die Gemeinden gemeinsam für die Region starkmachen. Der Anreiz dazu fehlt in den Gemeinden aber oft.

Uster - Das neue Leitbild für die Planung im Zürcher Oberland wie auch die Gesamtüberprüfung des Richtplans durch den Kanton birgt Sprengstoff. Dem Grundsatz des haushälterischen Umgangs mit Boden will der Kanton unmissverständlich Nachachtung verschaffen. Das führt zu Massnahmen, die die meisten Gemeinden ablehnen. Der Kanton will die Entwicklung der Siedlungen auf bereits erschlossene Räume beschränken. Er will Wachstum nach innen und Siedlungsränder definieren. Siedlungen sollen kompakt bleiben. Betrachtet man die Reservezonen in den einzelnen Gemeinden, wird diesem Grundsatz nicht überall nachgelebt. Der Kanton will deshalb alleine im Oberland 23 Hektaren Land aus der Reservezone der Landwirtschaftszone zuordnen. Es gebe dann immer noch genügend eingezontes Bauland für die nächsten 20 Jahre, argumentieren die Planer des Kantons.

Dass sie damit in ein Wespennest stechen, ist auch dem neuen Kantonsplaner Wilhelm Natrup klar. Er erläuterte den Delegierten der Planungsgruppe Zürcher Oberland seinen Standpunkt und verschaffte ihnen einen Einblick in die Resultate der vor wenigen Wochen abgeschlossenen Anhörung zur Revision des Richtplans. 1444 Einzelanträge seien beim Kanton eingegangen. Die meisten beträfen die Bereiche Siedlung, Landschaft und Verkehr.

Natrup wies auf Fakten hin, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen. Die Region Oberland weise eine überdurchschnittliche Zunahme von Arbeitsplätzen und Einwohnern aus. Natrup veranschaulichte die Siedlungsentwicklung im Oberland mit einer Karte, auf der die Siedlungen rot dargestellt waren. «Die Hälfte dieser roten Flächen entstand in den vergangenen 25 Jahren», sagte Natrup. Angesichts einer so rasanten Entwicklung sei es enorm schwierig, Fehlentwicklungen, wie sie in der Vergangenheit gemacht worden seien, zu verhindern.

Regional denken und handeln

Laut Natrup ist eines der zentralen Probleme, dass «man mit 171 Gemeinden keine Raumplanung machen kann». Die Gemeinden vertreten meist nur ihre ureigenen Interessen. Das sei ihr gutes Recht, schliesslich verfügten sie über die gemeindeeigene Planungshoheit. Natrup bat die Delegierten trotzdem, die Interessen der Region mehr in den Vordergrund zu stellen und auch im Interesse der Region zu handeln. «Setzt in eurer Region die Akzente, äussert euch», fordert er die Gemeindevertreter mehrmals auf.

Was in der Theorie logisch und nachvollziehbar scheint, sieht in der Praxis aber vielleicht ganz anders aus. Wer will denn schon die Verkehrsprobleme der reichen Nachbargemeinde lösen? Wer will in verkehrstechnisch etwas schlechter erschlossenen Regionen auf Bauzonen zugunsten der an der S-Bahn liegenden Gemeinden verzichten? Dass hier ein grosses Konfliktpotenzial schlummert, zeigte das Votum von Rico Croci (Grüne), Bauvorstand in Wald. Er verlangte, dass Natrup in Wald vorstellig werde. Die Gemeinde sei überhaupt nicht einverstanden mit der Streichung von fünf Reservezonen aus dem Richtplan. Croci: «Sie dürfen doch nicht die Bestrafen, die bisher sorgfältig mit ihrem Land umgingen.» Da half auch Natrups Hinweis wenig, dass das Siedlungsgebiet nicht angetastet werde. Was Bauzone sei, bleibe Bauzone. Aber es gebe keinen Grund, das Siedlungsgebiet durch Einzonungen der Reservezonen zu vergrössern. Der Bedarf an Bauland sei regional nämlich gedeckt. Unterhalb der Siedlung Blattenbach in Wald will der Kanton die Reservezone aufheben. Foto: Christoph Kaminski

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