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Ein Traditionsverein in Schräglage

Der FC Stäfa hat es in dieser Saison nicht geschafft, die sportliche Talfahrt zu stoppen. Sollte der Zweitligist erneut absteigen, müssten die Verantwortlichen wohl ihre Philosophie überdenken.

Auf der Homepage steht das Wort geschrieben - in den Klubfarben, schwarz auf weiss: Traditionsverein. Der FC Stäfa gehört mit seiner 115-jährigen Geschichte zu den ältesten Fussballvereinen der Schweiz. Aus sportlicher Sicht bröckelt die noble Fassade jedoch. Der ersten Mannschaft droht ein Jahr nach dem Abstieg aus der interregionalen 2. Liga der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Damit nicht genug: Das 3.-Liga-Team belegt den letzten Platz in der Gruppe 3. «Wir befinden uns in einer schwierigen Situation», sagt Präsident Roger Küng. Die Ursachen für die aktuelle Talfahrt sind vielschichtig und nicht die Konsequenz der vergangenen Monate, sondern der letzten Jahre.

Machtkampf und Exodus

Nach einem internen Machtkampf zwischen Küng und dem damaligen Vizepräsidenten Peter Frey im Mai 2008 nahm Frey den Hut. Und mit ihm der Ex-Internationale Georges Bregy, der als Trainer des Fanionteams zweimal hintereinander am letzten Spieltag dem Abstieg aus der 2. Liga interregional entronnen war. Ruhe kehrte trotz der Abgänge nicht ein - im Gegenteil. Unter dem neuen Verantwortlichen Mario Langer scheiterte das Vorhaben, die Mannschaft mit demselben Kern im oberen Mittelfeld anzusiedeln. «Ich habe versucht, einen kranken Patienten zu retten», sagte Küng im Dezember 2008 selbstkritisch und zog die Reissleine: Er entliess fünf Spieler und hoffte, der vorangeschrittenen Grüppchenbildung den Riegel zu schieben. Die Krise gipfelte im Exodus, die Spieler liefen davon, lediglich zwei blieben nach der Winterpause übrig.

17 Zuzüge, teilweise aus dem eigenen Nachwuchs, wurden nötig. Und eine Hauruck-Aktion mit Transfers in letzter Minute bewahrte den Verein vor dem Rückzug aus der Meisterschaft - die Spieler hatten dem Vorstand ein Ultimatum gestellt, weil das Kader zu klein und zu schwach war. Der Abstieg war jedoch nicht mehr zu verhindern, immerhin konnten sich die Reserven dank Verstärkungen aus der ersten Mannschaft in der 3. Liga halten.

Riskante Strategie

Dann folgte der Neuaufbau. «Wir wollen wieder zum Dorfverein werden», sagte David Zellweger im Sommer. Der Ur-Stäfner wurde zum Cheftrainer und nahm die aktuelle Saison 2009/10 mit einem Kader in Angriff, das vorwiegend aus eigenen Junioren und ehemaligen Spielern der zweiten Mannschaft besteht.

Über acht Monate später sehen sich Kritiker bestätigt, die davor gewarnt hatten, dass Stäfa durchgereicht wird. Wie zuletzt beim 3:3 gegen Leader Seuzach zeigt der Zweitligist zwar oft gute Ansätze, punktet aber nicht regelmässig. «Wir sind einfach zu unkonstant, die Einstellung stimmt nicht bei allen», sagt Zellweger. Dass Inkonstanz ein Begleiter junger Spieler ist, weiss Präsident Küng: «Ich habe immer gesagt, dass wir mit unserer Strategie ein Risiko eingehen.»

Auch, weil man finanzielle Wagnisse zum Wohl des Vereins vermeidet. Stäfa bezahlt keine Spesen. «Die Spieler erhalten nur eine sehr kleine Punkteprämie», sagt Küng. Sollte Stäfa tatsächlich absteigen und einer von vielen Drittliga-Vereinen am Zürichsee werden, ist für den Interimspräsidenten, der sein Amt im Herbst abgeben wollte, aber keinen Nachfolger fand, klar: «Dann ist der direkte Wiederaufstieg Pflicht. Stäfa muss mindestens in der 2. Liga sein.»

Vielleicht überdenkt der Vorstand sein Konzept dann. «Die jetzige Philosophie ist im Ansatz richtig, aber nicht durchführbar. Sie funktioniert nur, wenn einem die Eigengewächse erhalten bleiben», sagt Norbert Weber. Er präsidierte den FC Stäfa in den 90er-Jahren, als dieser fünf Saisons in der 1. Liga spielte und Trainer wie den holländischen Star Johan Neeskens oder den ehemaligen FCZ-Spieler Hubert Münch anlockte. Auf die Frage, ob ein Wiederaufstieg in die 2. Liga möglich wäre, ohne Geld in die Hand zu nehmen, hat er eine klare Antwort: «Nein.» Ohne vier, fünf externe Führungsspieler sei das utopisch.

Spieler in der Verantwortung

Weber, heute noch Präsident der beiden Gönnervereinigungen (Weisse Zunft und 100er-Club), nimmt die Akteure in die Pflicht: «Sie müssen Verantwortung übernehmen und sich besser mit dem FC Stäfa identifizieren. Wenn alle mithelfen, könnten wir das nötige Geld akquirieren.» Sollte das Schreckensszenario eintreffen und die erste sowie die zweite Mannschaft absteigen, sieht Weber zumindest auf Sponsorenseite keine Probleme: «Es geht nicht nur um die Ligazugehörigkeit, sondern um den ganzen Klub. Wenn man klare Ziele verfolgt, findet man genügend Gönner.»

Das Ziel für die erste Mannschaft hat Küng formuliert: 2. Liga. Noch bleiben neun Runden, um fünf Punkte aufzuholen und den Abstieg zu vermeiden.

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